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Sonntag, 29. Mai 2016

LOVE AND OTHER DRUGS - NEBENWIRKUNG INKLUSIVE (Love & Other Drugs 2010 Edward Zwick)


Der junge Medikamentenvertreter Jamie ist auf der Suche nach dem beruflichen Erfolg und dem schnellen Sex. Letztgenanntes bekommt er durch sein gutes Aussehen problemlos erreicht, und als er diesbezüglich auf eine Gleichgesinnte namens Maggie trifft entbrennt zwischen ihnen eine Leidenschaft die unerwartet zu tieferen Gefühlen führt. Während Jamie durch das neu entdeckte und heißbegehrte Viagra beruflich immer erfolgreicher wird, wird ihm bewusst dass die Parkinson-Krankheit unter der seine Freundin leidet doch nicht so leicht zu nehmen ist, wie der naive Mann bislang immer dachte...


Macht es einzig der Moment?...

Auf dem DVD-Cover las sich „Love and Other Drugs“ wie die typische Romantikkomödie, und als das Thema Parkinson erstmals in die Geschichte hereinbrach dachte ich noch sie soll nur Aufhänger für Maggies nicht immer gesetzestreuen Charakter sein. Aber ich habe mich geirrt, die gute Frau leidet tatsächlich unter der Krankheit und so nach und nach brechen die daraus resultierenden Probleme in die heile Welt des schnelllebigen Pärchens herein. Zwicks Werk wird, wenn auch überraschend spät, zu einem Drama um eine Krankheit, die einmal diagnostiziert nicht mehr loszuwerden ist.

Ich persönlich tue mich meist schwer mit diesen Herzschmerz-Filmen, die sich Krankheiten zu eigen machen um auf Kosten derer die sie haben Profit aus dem Mitgefühl anderer zu schlagen. Nicht dass mir bei meinen wenigen Besuchen dieser Gattung Film nicht auch der ziemlich plump kalkulierte „Philadelphia“ gefallen hätte, eben weil er genau weiß welche Knöpfe er beim Publikum drücken muss, aber selbst ehrlich ambitionierte Arbeiten dieser Thematik sind mir ein Dorn im Auge, lassen sie doch etwas in mein Leben herein, welches ich so weit wie möglich aus meiner Cineasten-Realität verdrängen möchte, auch wenn ich nicht nur im heile Welt-Kino zu Hause bin.

Das ist mein persönliches Problem und kein grundsätzlich zu diskutierendes, und einmal mit „Love and Other Drugs“ angefangen habe ich ihn freilich nicht abgebrochen. Aber aufgrund meiner Grundhaltung fällt es mir nun schwer zu erkennen ob meine durchaus vorhandene Sympathie für den Streifen nicht über nette Routine hinaus geht weil dies auf den Streifen tatsächlich zutrifft, oder ob ich ihm ein sehenswertes Urteil unterschlage, weil ich allgemein voreingenommen vor dieser Art Film bin. Ich weiß es nicht genau, fand aber dass Zwicks Film sowohl in seinen lockeren als auch in seinen dramatischen Phasen eher angenehm vor sich hin plätscherte anstatt den Zuschauer wirklich gefangen zu nehmen.

Die Grundbasis zum Funktionieren einer RomCom und eines Dramas sind gegeben: man schließt die Protagonisten in sein Herz. Mag Jamie auch noch so ein oberflächlicher Mensch sein, noch bevor er mehr Tiefe erlangt mag man ihn eigentlich, den Vertreter der einem alles verkaufen kann. Dass wir uns an ihn gebunden fühlen liegt daran dass das Drehbuch ihn zur Identifikationsfigur auserkoren hat, auch wenn einem Maggie wesentlich sympathischer ist, und dies nicht nur durch ihr süßes Aussehen.

Zwar beginnt „Love and Other Drugs“ ziemlich leichtfüßig, aber schon sehr früh ist zu erkennen dass seine Geschichte nicht nur oberflächlicher Natur ist. Der Satireanteil auf die Pharmaindustrie und Ärzteschaft ist amüsant und ehrlich eingefangen. Und dass Hersteller von Mittelchen wie Viagra mehr finanziellen Erfolg innerhalb eines Wirtschaftszweiges haben, der neben der Pornoindustrie zu den finanziell erfolgreichsten überhaupt gehört, als jene die Medikamente zu wichtigeren Problemen verkaufen, ist ein häufig erkanntes Phänomen (siehe hierzu auch „Idiocracy“), welches auch den Markt zur Bauernfängerei öffnet. Einzig eine Abrechnung mit homöopathischen Wunderheilern habe ich vermisst, aber das hätte vielleicht auch den Rahmen gesprengt und verdient einen eigenen Film.

„Love and Other Drugs“ ist lange Zeit lediglich eine Liebeskomödie. Bricht das Thema Parkinson endgültig in die Geschichte herein, sind die unterschiedlichen Phasen die Jamie als Mitbetroffener durchmacht durchaus interessant eingebracht, regen sie doch tatsächlich zum Nachdenken an, da sie reine Ehrlichkeit vom Zuschauer abverlangen. Dass der Film nicht völlig sinnlos von einem Thema zum anderen hüpft zeigt die grundlegende Frage des Streifens. Macht es einzig der Moment? Erst stellte Zwick die Frage bezogen auf den schnellen Sex, wenn man doch auch eine wahre Partnerschaft leben könnte. Später fragt er dies bezogen auf eine Beziehung zwischen zwei Menschen, von denen einer eine unheilbare Krankheit hat. Ist es wichtig einzig für den Moment glücklich zu sein? Oder ist es das am Ende nicht wert, wenn alles was die Liebe ausmachte irgendwann von einer gnadenlosen Krankheit aufgefressen wird?

Man kann es Jamie nicht verdenken, dass er, die Krankheit einmal als Teil der Beziehung akzeptiert, um seine kranke Freundin kämpfen möchte, während diese entgegen hält ihr Leben bestehe nicht nur aus ihrer Krankheit. Sie möchte ihr Leben neben dieser Krankheit genießen. Sie setzt auf den Moment. Und wenn Jamie es schließlich auch tut, kann man dem Film nun wahrlich aufgrund dieser mutigen Entscheidung keine Blauäugigkeit vorwerfen, auch wenn der im Film nicht gezeigte Moment kommen wird, in dem Jamie an seine Grenzen stößt und bereut wofür er sich entschieden hat. Er wird sich an die warnenden Worte des alten Mannes erinnern, der ihn zu einer egoistischen Entscheidung riet. Aber es ist eben, wie bei dem danach benannten Drama mit Julia Roberts, eine Entscheidung aus Liebe.

Man liest es heraus, „Love and Other Drugs“ ist kein Film der seine Themen leicht nimmt oder rein der anerzogenen Meinung wegen ein moralisch streng konservatives Statement zu den zwei aufgeworfenen Themen abgibt. Er vermischt gekonnt die leichtfüßige RomCom mit dem Drama um eine unheilbare Krankheit, zum Leben erweckt von talentierten und sympathischen Schauspielern und Mitarbeitern hinter der Kamera. Was ist es also nun, was mich diesen Film trotzdem „nur“ als unterhaltsam empfinden lässt? Gerade einmal den Eindruck zu erwecken trotz alledem nur von Filmmoment zu Filmmoment vor sich hinzuplätschern, bis irgendwann das Ende der Erzählung erreicht ist, oder ist es mein grundsätzliches Problem mit Filmen dieser Art Thematik? Ich weiß es nicht.


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