Filmfreunde die alternativ zum Mainstream-Programm nichts konsumieren und für die Spezialeffekte nah an der Perfektion umgesetzt sein müssen, ist der ungewöhnlich erzählte „Space Truckers“ so gar keine Überlegung wert. Solche Menschen werden nicht glücklich mit dem von Stuart Gordon inszenierten Stoff, welcher auf den ersten Blick erkennbar kostengünstig ausgefallen ist und sich wie ein kunterbuntes Comicbuch schaut bei all seinen schrägen, bizarren und provokativen Elementen, die jedoch nie für eine harte, erwachsene Verfilmung genutzt werden, sondern für eine vor Charme sprühende verschmitzte Variante des Erwachsenenfilms.
Wer die Filme der „Lexx“ und ihre nachfolgende Serie kennt, der kann in etwa erahnen was einem bei „Space Truckers“ erwartet, der sich gekonnt mit unsinnigen Ideen, absichtlich schlechten Spezialeffekten und Übertreibungen der Lächerlichkeit preisgibt. Dabei ist er jedoch nicht vergleichbar mit Produktionen der Firma The Asylum, die so lange experimentell freiwilligen Schrott produzieren bis zufällig auch mal ein brauchbares Produkt bei herum kommt. Gordons Werk geht seine billige Ader gezielt an, weiß genau was er parodieren oder anderweitig erreichen will und trifft damit meist ins Schwarze.
Ungewöhnlich ist es schon gerade Stuart Gordon in einem solchen Werk auf dem Regiestuhl sitzen zu lassen. Zu Hause ist er im Horror-Genre, und auch wenn er solch unterschiedliche Werke wie den märchenhaften „Dolls“, den schwarzhumorigen „Re-Animator“, den harten Erwachsenenfilm „From Beyond“ und den dramatischen „Castle Freak“ fertigestellt hat, inmitten eines verspielt fröhlichen Science Fiction-Popkornfilms kann man ihn sich nur schwer vorstellen, so dass man um so überraschter sein darf wie kurzweilig der Streifen ausgefallen ist.
Es ist schade, dass ihm gegen Ende ein wenig die Luft ausgeht, schreitet „Star Truckers“ (Alternativtitel) ansonsten doch ohne große Umschweife flott voran. Aber selbst das etwas zurückgeschraubte Tempo im letzten Drittel, welches „Space Truckers“ den Weg zur wahren Genre-Empfehlung verwehrt, ist immer noch gut genug umgesetzt als dass man über ein nur halbgeglückten Werk klagen könnte, immerhin geht es gerade in der letzten halben Stunde konzentriert um die cool designten Killerroboter, und so etwas weiß dem Kind im Manne grundsätzlich zu gefallen.
Gordon zeigt uns die Arbeiterwelt der Zukunft, die nicht viel anders aussieht als die heutige auf Erden. Und genau mit dem Parallelblick aufs Heute wissen so viele versteckte Anspielungen zu gefallen. Am besten gefällt mir diesbezüglich der Running Gag, dass sich die Crew-Mitglieder beim Starten stets mit einer Art Achterbahnbügel anschnallen müssen, hoch futuristisch oder gewitzt elektronisch fällt die Zukunft somit nicht aus, erst recht nicht für die Unterschicht, die sich moderneren Schnickschnack nicht leisten kann.
Die nur selten zu sehende Oberschicht hingegen behängt sich mit albernen und blinkenden Schnickschnack, was erneut ein Tiefschlag heutiger Beobachtungen ist. Dieses hemmungslose Herumalbern findet jedoch glücklicher Weise immer nur in Rahmengimmicks statt, während die Hauptgeschichte routiniert humoristisch umgesetzt ist, als Komödie also zu funktionieren weiß, ohne das Niveau gleich auf unterirdischen Klamauk zu reduzieren.
Dank der Kenntnisse der Comic- und Science Fiction-Materie werden Klischees von Bösewichtern, Zukunftserrungenschaften und einem Zweiklassensystem charmant und treffsicher eingefangen. Und der Mut zu bizarren Ideen rundet das Rezept gekonnt ab und dürfte seinen Höhepunkt diesbezüglich wohl in der Figur des Piratenanführers erhalten, gerade in jener Sequenz in welcher er Sex mit Johns Wegbegleiterin haben möchte. Spätestens hier sollte der „Lexx“-Kenner endgültig Parallelen zur Serie erkennen, die Verwandschaft zwischen beiden Produkten ist enorm.
Dies dürfte auch der Grund dafür sein warum sich so viele Menschen mit „Space Truckers“ schwer tun, sind doch beide Werke nicht sehr beliebt beim Massenpublikum. Da dies aber nicht an einer schlechten Umsetzung liegt sondern daran dass manche Menschen sich in völlig andere Ansätze nicht hineinfühlen können, spricht diese Abneigung gegen das Publikum anstatt gegen den Film. Der mit Dennis Hopper so gelungen in der Hauptrolle besetzte Film mag nicht alles richtig machen, für den großen Wurf fehlt ihm die wahre Größe, aber ein sympathischer Abstecher in eine unsinnige Zukunft einer unsinnigen Gesellschaft von heute ist er in seiner gewagten und verspielten Art definitiv. OFDb
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