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Montag, 11. Juli 2016

GEFÜHLT MITTE ZWANZIG (While We're Young 2014 Noah Baumbach)


Während die besten Freunde in ihrer Elternrolle voll aufgehen, fühlen sich der 43jährige Dokumentarfilmer Josh und seine Frau Cornelia als kinderloses Paar abseits im eigenen Freundeskreis. Als sie den jungen Dokumentarfilmer Jamie und seine Frau kennen lernen, ist dies wie ein Jungbrunnen für die beiden. Sie fühlen sich verstanden und merken wie die Energie in ihr Leben zurück fließt. Aber eigentlich ist nichts so wie es scheint...


Es existiert keine objektive Betrachtungsweise...

Während „Gefühlt Mitte Zwanzig“ mit seinem Aufhänger, der sich auch im deutschen wie im Originaltitel wiederfindet, für Neugierde sorgt, obwohl das Thema in einer Pop-kulturellen Gesellschaft häufig aufgegriffen wird, geht es in dem Werk von Autor und Regisseur Noah Baumbach, der mit Stiller bereits in „Greenberg“ zusammengearbeitet hat, fast schon um etwas anderes. Klar, das Thema der Reifeverweigerung, bzw. ein anderes Reifeverständnis zu haben als die Masse, scheint stets im Zentrum zu stehen und ist wohl der wichtigste Auslöser für die Entwicklung Joshs. Aber eigentlich geht es hauptsächlich um Täuschung und Frustration.

Josh ist Idealist, und so lange er es ist lebt er in einem Weltbild der Selbsttäuschung. Alles hat sich seinen Gesetzen zu unterwerfen. Die Welt habe nach den Regeln zu funktionieren, die Josh für richtig hält. Und im Gegensatz zu vielen anderen Idealisten erhält Josh die Chance aus diesem Irrblick herauszutreten, ironischer Weise durch den Betrug eines anderen. Wo andere Filme am Ende Klarheit schaffen, da wirkt die Welt am Schluss von „Gefühlt Mitte Zwanzig“ unsortierter. Da kann Betrug etwas nicht ganz so Schlimmes sein, ein Freund ein Arschloch und ein Arschloch ein Freund sein, ohne dass dies im Widerspruch steht, auch wenn besagter Freund für den weiteren Lebensabschnitt nicht mehr benötigt wird. Ein Prozess ist beendet. Man muss dem Vergangenen nicht hinterher weinen. Und doch findet Josh durch das Erwachen aus seinem Trugbild nun innerhalb der unsortierteren Welt seinen Platz.

Wo sich ein „Greenberg“ tiefsinniger gibt als er tatsächlich zu sein scheint, da geht die Thematik von „While We‘re Young“ (Originaltitel) tiefer als er vorgibt zu sein. Während der Film stilistisch eher locker und leicht daher kommt, ist sein inhaltliches Anliegen schon wesentlich schwerere Kost, die nicht unbedingt leicht zugänglich ist, gerade für eine absichtlich wie unabsichtliche kindlische Generation, die nicht mehr gerne über das Leben nachzugrübeln scheint. Baumbach stößt einen auf Lebenslügen mit denen man vielleicht nicht konfrontiert werden will. Und doch macht er einem bewusst, dass dies vollkommen okay ist, so okay wie aus diesem subjektiven Blick wieder zu erwachen. Leben ist Leben. Da ist nichts objektiv. Da gibt es keine einzige Wahrheit.

Gerade deswegen finde ich es etwas schade dass das Thema in seiner letzten Szene ein wenig verwässert wurde. Hier tritt wieder die typische amerikanische Lebensordnung ans Tageslicht, die besagt dass das Heil dieser Welt einzig in der Familie zu finden ist. Ich hätte es für erwachsener gehalten den Film damit enden zu lassen, dass Josh und Cornelia in ihrer Entwicklung erkennen, dass die Einsicht keine Kinder mehr bekommen zu können, keine Resignation sein muss. Zumal sie zu sich selbst zurück gefunden haben, und nun wieder bewusster und damit angenehmer leben können, auch ohne Baby. Stattdessen steigen sie in den Flieger um ein Kind zu adoptieren. Nicht dass es nicht zu den beiden passen würde, aber ein Abspann nach dem Treppengespräch nach der Party von Cornelias Vater hätte besser nachgewirkt.

Dank eines lustigen wie tragischen Drehbuchs, welches seine Figuren ernst nimmt, und einer gut aufgelegten Besetzung, ist „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ein sehenswerter Film geworden, der nicht unbedingt einen neuen Blick auf die Welt offenbart, uns aber augenzwinkernd ein Bein stellt, wenn wir uns in der ein oder anderen Figur wiederentdecken dürfen. Es wird genug Menschen geben, die innerlich schmunzeln müssen, wenn Vierzigjährige darüber reden, dass sie sich noch immer wie Kinder fühlen, die Erwachsene immitieren.

Und während Stiller seine Rolle als Tragikomiker seit „Die Royal Tenenbaums“ bis hin zu seinem „Greenberg“ hier nun weiter ausbauen darf, ein Bereich der ihm gerechter wird als die reine Blödelfigur eines „Verrückt nach Mary“ und „Zoolander“, darf man besonders begeistert von der Darbietung des mir seit je her sympathischen Charles Grodin sein, der in seiner Rolle als Cornelias Vater den weisen Sidekick spielen darf, wie er üblicher Weise sonst von Michael Caine gespielt werden würde.


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