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Montag, 11. Juli 2016

DINNER WITH THE VAMPIRE (A cena col vampiro 1988 Lamberto Bava)


Nach einem Casting glauben vier junge Erwachsene es geschafft zu haben. Der berühmte Regisseur und Produzent Yurek empfängt sie auf seinem Schloss. Um Mitternacht offenbart er ihnen jedoch, dass er ein Vampir ist. Und da er dies nun fast schon 4000 Jahre lang ist und sich mittlerweile langweilt, bietet er ihnen an sie gehen zu lassen, wenn sie bis Sonnenaufgang herausgefunden haben wie man ihn töten kann. Da die klassischen Tötungsmethoden aus der Literatur und dem Kino nicht funktionieren, ist die Aufgabe schwerer zu erfüllen als gedacht...


Das Bildnis des Yurek...

Nach diversen Erfolgen im Kino drehte Lamberto Bava 1987 und 1988 insgesamt vier Horrorfilme für das italienische Fernsehen, die, wie sich nach dem Gucken des Großteils dieser zeigt, alle recht unterschiedlicher Qualität sind. Während mir „Ghosthouse 2“ bislang entgangen ist, wusste „Back from Hell“ recht gut zu unterhalten. Selbiges konnte man von dem penetrant nervigen „Die Gruft“ leider nicht behaupten. Nun habe ich „Dinner with the Vampire“ gesichtet, und der ordnet sich irgendwo dazwischen ein, schlechte Momente ebenso bietend wie annehmbare.

Mehr als Mittelmaß wäre durchaus drin gewesen, weiß die Grundidee des gelangweilten Vampirs, der seinen Gästen eine Chance geben will zu überleben indem diese ihn töten sollen, doch zu gefallen. Diese hätte aber sicherlich mehr Potential mit ehrwürdigen Gegnern gehabt. Warum sich Yurek nicht ein paar Gelehrte ins Haus holt anstatt Ruhm-besessene, oberflächliche Fast-Teenager ohne Lebenserfahrung bleibt ebenso ein Rätsel, wie die Frage warum gerade diese vier Nervensägen ein weltweites Casting für dieses Anliegen gewonnen haben. Einzig der dämlich aussehende bucklige Butler weiß diese austauschbaren Figuren zu unterbieten, besitzt er doch weder Mystik noch Witz, auch wenn Marty Feldman im passenden optischen Vergleich augenzwinkernd erwähnt wird.

Ohnehin spielt „Dinner with a Vampire“ (Alternativtitel) mit prominenten Vorbildern und spricht manches davon auch offen aus. Neben dem Klassiker „Dracula“ gibt es zudem einen Verweis auf „Das Bildnis des Dorian Gray“ zu erleben, die Sequenz des Blutstillens an einem weiblichen Opfer ist direkt von einer der berühmtesten Einstellungen aus dem Stummfilm „Nosferatu“ übernommen, und die Einstiegssequenz weist gar Parallelen zu Bavas eigenem Kinohit „Dance of the Demons“ auf. Der Vampir selbst sieht in den klassischen Sequenzen wie Max Schrecks Nosferatu aus, wenn auch mit vier Vampirzähnen gesegnet anstatt mit den gewöhnungsbedürftigen Vampir-Hasenzähnchen des Originals. In anderen Momenten präsentiert uns Lamberto Bava, der auch am Drehbuch mitschrieb, den Gentleman-Vampir, wie man ihn aus vielen „Dracula“-Verfilmungen kennt, in seiner Verführerrolle auch aus „Fright Night“ und Co.

Das klingt alles schön und gut, wird aber in einer zu unsinnig ausgefallenen Inszenierung eingebaut, die zum einen recht umständlich beginnt und aufgrund der uninteressant ausgefallenen Figuren auch nur schwer in die Gänge kommt. Bis zum titelgebenden Dinner vergeht mindestens eine halbe Stunde, und erst nachdem Yurek die Spielregeln erklärt kommt der Streifen langsam in die Pötte, der bis hier hin einzig durch seine auf klassisch getrimmte Eingangssequenz und die Innenaufnahmen von Yureks Schloss punkten konnte. Eine mittelmäßige Deutschvertonung lässt es zudem nicht zu, dass man Sympathie zu den gesichtslosen Protagonisten aufbauen darf, allerdings bezweifel ich, dass der Originalton diesbezüglich erfolgreicher ist.

Manch drastisch ausgefallener, wenn auch durchschaubar umgesetzter Spezialeffekt weiß zu gefallen, mancher Knetgummi-Effekt sorgt für nostalgische Momente, wie es heutzutage auch ein „Tanz der Teufel“ tut. Aber ein wahrer Hingucker, geschweige denn eine stimmige Atmosphäre will sich in dem unsinnig erzählten Streifen nie auftun. Yurek pendelt immer zwischen bösartig und frustriert hin und her, was zumindest der ungewöhnlich ausgefallene Schluss-Gag halbwegs zu erklären weiß, und dadurch fühlt sich die tödliche Situation, in welcher sich die vier Gefangenen befinden, nie lebensbedrohlich an. Erschwerend kommt hinzu dass Yurek leicht zu verletzen ist und schnell beginnt herumzujammern.

Spannend wird es nie. Die Vier geben sich nie Mühe hinter das Tötungsgeheimnis des Vampirs zu kommen und halten sich stattdessen nervig an die klassische Geschlechterrollenteilung, indem der Mann jegliche Entscheidung trifft, als einziges mitdenken darf und den Anführer mimt, während die Damen sich mit dem weiblichen Vampir über Mode unterhalten dürfen und ansonsten nur keifen und meckern, der Mann in ihren Reihen möge doch nun endlich etwas tun. Die Lösung ist dem erfahrenen Filmfreund indes von Anfang an klar und bietet somit keine finale Überraschung. Als Besitzer der Astro-DVD braucht man jedoch ohnehin nur ins Kapitelmenue zu schauen. Dort wird die Art wie man Yurek getötet bekommt in der Überschrift des letzten Kapitels bereits verraten - was 'ne Verarsche.

Bava besitzt so vieles mit dem er positiv arbeiten könnte (allein die stimmige Location) und setzt alles für einen 08/15-Film in den Sand. Warum er Monster im Keller a la „Das Haus der Vergessenen“ hausen lässt und diese Richtung Finale frei lässt, ohne die Wesen zu Yureks Verstärkung auch wirklich antreten zu lassen, will sich mir nicht erschließen. Ging das Geld vorzeitig aus? Und hätte man die Befreiung der gefangenen Wesen dann nicht im Nachhinein herausschneiden können?

„A cena col vampiro“ (Originaltitel) ist eine löchrige Angelegenheit, die nach einer nervigen halben Stunde einfach das Glück hatte mit seinem naiven 80er Jahre Charme die sich ankündigende Langeweile doch nicht zu enthalten und stattdessen noch ein halbwegs akzeptables, wenn auch völlig unsinnig und einfallsloses, Ergebnis abzuliefern - freilich nur für den Vielseher des Genres. Und auch für den wird „Dinner with the Vampire“ kein Leibgericht.


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