Montag, 2. April 2018

DANCE OF THE DEMONS (Demoni 1985 Lamberto Bava)


Zwei Studentinnen bekommen Freikarten für eine Filmvorstellung in einem neu eröffneten Kino geschenkt. Als auf der Leinwand ein Horrorfilm beginnt, ereignen sich dort einige Parallelen zu dem was wirklich passiert, und als im Film eine Dämonenepidemie ausbricht, geschieht selbiges im Lichtspielhaus...


Der erste Teil, der kein zweiter war...

In meiner Jugend gehörten die beiden Lamberto Bava-Dämonenfilme, die mit ihrer Betitelung "Dämonen" und "Dämonen 2" in der falschen Reihenfolge nummeriert wurden, zu den effektivsten Horrorfilmen, die wir seinerzeit gesehen haben. Zu einer Zeit des völlig anderen Filmgeschmacks beeindruckten uns die harten Effekte, das Dämonen-Make Up, die Endzeitstimmung und das Tempo, welches der Film trotz monotoner Handlung zu entfachen vermag - alles Faktoren die auch heute noch zu den Pluspunkten des Streifens gehören. Heutzutage lobe ich den Streifen nicht mehr so in den Himmel wie damals, aber ich muss zugeben, dass er mich für sein an sich eher stumpfes Treiben recht gut unterhalten hat. Wahrscheinlich hat Lamberto Bava nie wieder derart gute Arbeit geleistet wie unter seinem Produzenten Dario Argento. Bereits die beunruhigende Eingangssequenz nach einer irritierenden Bahnfahrt weiß zu gefallen, baut sie doch eine Suspense auf, die "Demoni" (Originaltitel) in seiner Hauptphase aufgrund endloser Verfolgungsjagden und Metzeleien durch Dämonen nicht mehr möglich macht.

Dank einer wahrlich gut funktionierenden Film-im-Film-Methode darf es trotzdem kurzzeitig auch nach dieser Szene noch unheimlich hergehen, bevor der pure Wahnsinn das Steuer übernimmt und dem Zuschauer ein abgefahrenes Szenario aus Mutationen, Bluteffekten, Verfolgungsjagden, Abwehrversuchen und dem Verbarrikadieren vor den Aggressoren präsentiert wird. Vom Auslöser der Epidemie einmal abgesehen unterscheidet sich das Treiben hier nicht von einem Zombie- oder Infizierten-Horror, mit Ausnahme der leuchtenden Augen, welche die Dämonen in einigen Szenen beschert bekommen haben. Und man mag es kaum glauben: selbst dieser simple Effekt vermag zu funktionieren.

Seltsamer Weise trifft dies auch auf das Drehbuch zu, welches sich herzlich wenig für Charaktere oder gar Sinn oder Unsinn seines Szenarios interessiert. Wann Ruhe zum Dialog herrscht und wann Dämonen wüten entscheidet der Regisseur und nicht die Geschichte. Und bereits das scheinbar unendlich große, Labyrinth-artige Kino verwischt jegliche Spur eines rationalen Grundtons. Während der Restfilm sich aufgrund der Ereignisse und der gerade aktuellen Modebewegungen wie ein herrlich abgedrehter Mix aus "Zombie" und "The Return of the Living Dead" schaut (der im selben Jahr entstand), erinnert der Ort an dem alles spielt in seiner Verfremdung eher an Argentos Geniestreich "Suspiria". Da es sich bei "Dance of the Demons" ohnehin nur um einen Horrorfilm für Fans handelt, mangelt es freilich nicht an Verweisen und Verbeugungen vor Vorbildern. Weitere Filme werden im Hintergrund per Kinoaushangplakat gehuldigt, so z.B. Murnaus "Nosferatu", dessen Schreckensfigur man sich für die erste Dämonenmutation die zwei vorderen Beißerchen entlieh.

Aufgrund des Erscheinungsjahres gibt es auch einen Aushang zu "Der Terminator" zu erblicken, dessen Kritik am Fortschreiten der Technik kurzfristig im Vorführraum aufgegriffen wird, wenn unsere Protagonisten dort feststellen müssen, dass in diesem Kino alles elektronisch verläuft. Dass das für den weiteren Verlauf nicht wirklich wichtig ist, stört nicht die Bohne, eben weil Bava, Argento und ihre zwei Mitautoren sich herzlich wenig um ein komplettes Ganzes bemühen, als vielmehr allerlei Ideen wild durcheinander würfeln. Warum aus dem Körper eines Befallenen plötzlich ein Dämon platzt und bei den anderen nicht, weiß keine Sau. Warum erst der Blinde aus dem Kino entweichen muss, um im Finale für jene Überraschung zu sorgen, für welche auch der übernatürliche Freikartenverteiler hätte sorgen können, wird nicht hinterfragt. Wer solche Fragen stellt ist bereits im falschen Film. "Demons" (Aternativtitel) muss man möglichst gedankenfrei auf sich wirken lassen, wahrscheinlich ist er auch deswegen einer der wenigen Horrorfilme, in denen meiner Meinung nach Hardrockmusik als Untermalung tatsächlich einmal eine gute Idee ist, während ich bei Werken wie "Terror in der Oper" und Co dieses Geschraddel als völlig Fehl am Platz empfinde.

Für Pubertierende ist "Dance of the Demons" ein Schlachtfest das Party bereitet, mit erwachsenen Augen beeindruckt das wirre Etwas nicht mehr ganz so gut. Spätestens das apokalyptische Finale wird mit Übertreibungen wie dem Hubschrauber und dem muskulösen Schwertschwinger als Erwachsener nicht mehr so ernst genommen wie mit Jugendaugen, was dem düsteren Schluss einen guten Teil seiner Faszination stiehlt. Rein theoretisch gefällt mir die Schlussidee aber noch immer. Man merkt an solchen Momenten jedoch, genauso wie an vielen anderen des Films, dass Lamberto Bava nicht ansatzweise das Talent seines Vaters vererbt bekommen hat und ein guter Regisseur manches weitaus professioneller und atmosphärischer umgesetzt hätte.

Als Party-Horror funktioniert "Dance of the Demons" aber zumindest weitaus besser als der überschätzte "Braindead" und manch ähnlicher Splatstick. Die Ernsthaftigkeit, die Mitte der 80er Jahre in diesem Genre fast kaum noch derart konsequent eingesetzt wurde, erweist sich als nostalgisch scheinender Pluspunkt dieser Art Film in dieser Dekade. Wer nicht all zu streng mit diesem Stück Jugendjuwel umgeht, kann auch als Erwachsener noch definitiv seinen Spaß mit Bavas Dämonenzombies haben. Den angeblichen "Dämonen 3" sollte man meiden. Hinter diesem Titel verbirgt sich lediglich der unglaublich schlecht ausgefallene "Black Zombies" von Umberto Lenzi und somit keine echte Fortsetzung.


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