Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Donnerstag, 10. November 2016

DIE BUMSKÖPFE (L'insegnante 1975 Nando Cicero)


Franco und seine Schulfreunde haben es faustdick hinter den Ohren. Seine Mutter hält das Schlitzohr aus reichem Hause jedoch für schüchtern und sensibel. Da kommt es Franco sehr recht, dass sie ihm eine junge, attraktive Privatlehrerin ins Haus holt, die der Junge nur all zu gern verführen möchte. Doch was er auch versucht, die Lehrerin beißt einfach nicht an...


Körperhaltung wie ein Schluck Wasser in der Kurve...

Im selben Jahr des ersten Flotten Teens-Filmes „Flotte Teens und heiße Jeans“ kam „Die Bumsköpfe“ in die italienischen Kinos, der ebenso wie seine Fortsetzungen aufgrund der ähnlichen Thematik und der übereinstimmenden Schauspieler in Deutschland als Flotte Teens-Mogelpackungen herauskam, ohne dass man als Deutscher den Unterschied hätte feststellen können. Aus „Die Bumsköpfe“ wurde „Flotte Teens und die Bumsköpfe“, die erste Fortsetzung erschienen bei uns unter dem Titel „Flotte Teens und die neue Schulmieze“, die zweite unter „Flotte Teens und Sex nach Noten“. Erst Teil 4 lief mit „Die Hauslehrerin“ unter einem neutralen Titel, Teil 5 schaffte es schon nicht mehr nach Deutschland, ebbte der Erfolg der Italien-Klamaukwelle hierzulande doch recht schnell ab.

Während „Flotte Teens und heiße Jeans“ eher ein Erotik-Drama war, welches mit ein wenig Komik zusätzlich angereichert wurde, besitzt „Die Bumsköpfe“ bereits viel eher die Eigenschaft, wofür dann „Flotte Teens jetzt ohne Jeans“ und Co schließlich so berühmt werden sollten. Zwar ist das Werk Nando Ciceros, der sich nach dem hier besprochenem Streifen an keiner der beiden Reihen mehr beteiligte, nicht ganz so klamaukig ausgefallen wie die Nachfolger beider ersten Teile, die typischen Eigenschaften vertritt aber auch er bereits: Schülerstreiche, tolpatschige wie lüsterne Albernheiten, nackte Haut und keinen Sinn für wahren Humor.

Der Humor kommt grobschlächtig mit dem Holzhammer daher, ist nicht einmal in der Ausnahme geistreich ausgefallen und in seiner Art eigentlich schon eine Humorbeleidigung für sich. Zumindest ist besagter Italo-Humor eine Gattung für sich, der selbst die debile Komik deutscher Filme der 70er Jahre in seiner verzweifelten Art in den Schatten stellt. Ich habe noch keinen Menschen kennengelernt der ohne Vorbehalte über die Italienkomik lachen konnte, die meisten lachen beim Zusehen ohnehin nicht, sondern fragen sich lediglich wie derartige Zoten einst die Kinos füllen konnten.

Andererseits liegt in diesem Zeitgeist genau der Reiz sich Filme wie „Die Bumsköpfe“ einmal als Ausnahmekost zu gönnen. Wie sich hier die zentrale weibliche Rolle von einem Volldeppen verführen lässt, obwohl er nicht einmal davor zurückschreckte besagte Frau zu betäuben um sie zu vergewaltigen, was freilich als unkritische humorvolle Szene inszeniert wurde, wäre heutzutage undenkbar in einem Film, ohne gleich x aufgebrache Gruppen in den Medien und vor den Kinos zu sehen, um gegen ein Werk mit solch fragwürdigem Weltbild zu protestieren. Eine Frau verliebt sich in einen Jüngling, da dieser sie mit seiner unsensiblen und sexistischen Art überzeugt hat. Und attraktive Frauen können die Krankheit Homosexualität heilen. Hier wird kein fragwürdiges Klischee ausgelassen.

Das weiß beim Gucken nicht wirklich zu gefallen, auch nicht in dieser entspannteren Art, immerhin sollten die Fortsetzungen beider Reihen wesentlich extremer aufdrehen, ist aber gerade weil dies heutzutage nicht mehr denkbar ist recht interessant anzugucken, um zu schauen wie weit man mit solchen Gedankenspielen einst ging. Das mag aber auch das falsche Wort sein, um sich mit dem Film auseinander zu setzen, denn gedacht hat hier niemand, und letztendlich suchte man lediglich reißerische Themen die sich gut vermarkten lassen. Der jugendliche Aufreißer will die heiße Lehrerin, Schwulen gegenüber ist man als Frau freizügiger, ein Blick auf Unterhöschen macht Schüler zu ungezügelten Sexgeilen, und Lehrer bekommen für ihr Trottelverhalten ihr Fett weg.

Von einer Geschichte kann man kaum sprechen. Die meisten Erlebnisse kommen episodenhaft daher, nur wenige Ideen bauen aufeinander auf, manche werden eingebracht ohne für irgendetwas genutzt zu werden, so z.B. die Pläne des Hausmeisters mit einem Lehrer einen Schlager komponieren zu wollen, der scheinbar nicht interessiert ist. Wofür das Ganze eingebaut wurde weiß kein Schwein, mag mit der Deutschvertonung zu tun haben, wird in der von mir gesehenen Deutschfassung aber nicht einmal für einen Witz oder eine Charaktervertiefung verwertet, zumal es Letztgenanntes in einem solch plumpen Hohlbrotfilm wie diesem hier ohnehin nicht gibt, sonst hätte man sich ja mit irgendetwas was man da dreht gesellschaftlich,  psychologisch oder zumindest inhaltlich befassen müssen. „Sexy Schoolteacher“ (Alternativtitel) ist dummes Kino in Reinkultur, gesellschaftlich überholt, humoristisch schon damals unterster Bodensatz und gerade aus diesen Gründen für interessierte Cineasten einmal einen Blick wert.


weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen