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Dienstag, 27. Juni 2017

DIE WEIBCHEN (1970 Zbynek Brynych)


Eve kommt an ihrem vom Arzt verschriebenen Kurort an und stellt schnell fest dass es vor Ort kaum Männer gibt. Als sie einen solchen in der ersten Nacht zufällig erstochen auffindet, wächst in ihr der Verdacht, dass die Mitarbeiter des Kur-Hospitals systematisch das starke Geschlecht töten...


Satt machst nur Du...

Es war sicherlich damals schon werbetechnisch ein großer Schachzug Uschi Glas in einem solch provozierenden Film zu besetzen, war sie doch bereits durch ihre Auftritte bei den Lümmeln von der ersten Bank, durch Filme wie „Klassenkeile“ und diverse Wallace-Streifen, sowie ihrem gemeinsamen Auftritt mit Roy Black in „Hilfe, ich liebe Zwillinge“ bekannt geworden. Dennoch scheint es heute noch eine Spur skurriler zu wirken, wenn man ein Publikum mit den Worten „Der Kannibalenfilm mit Uschi Glas“ locken kann. Trotzdem bleibt eine Besetzung mit Uschi Glas, ebenso wie in jedem anderen Film in dem sie agierte, ein Schwachpunkt, ist die Frau doch schnellstens schauspielerisch überfordert, und das lässt sich leider an vielen Stellen nicht übersehen.

Auch in einer Geschichte, die als Groteske erzählt ist, fällt das auf. Glücklicher Weise ist „Die Weibchen“ interessant genug umgesetzt, so dass man gütigst über dieses Makel hinwegsehen kann. Köstlich ist der Gedanke, dass manch einer Brynychs Werk als lobenswerten Emanzipationsbeitrag betrachten könnte, heißt er diese Bewegung doch zwar gut, thematisiert aber eigentlich etwas völlig anderes. In „Little Women“ (Alternativtitel) geht es um Extremisten, und die sind im Emanzipationsbereich ebenso schädlich für die Gesellschaft wie im politischen, religiösen oder anderweitigem gesellschaftlichen Bereich.

Eve landet unter Extremisten, die sie zu einer der Ihren erziehen wollen. Da Eve zu Beginn geistig noch normal gepolt ist, kommt ihr das entrückte Denken der ortsansässigen Frauen, welches sie zunächst nur als sonderbares Benehmen wahrnimmt, äußerst skurril vor, während die Frauen selbst in ihrer Desorientierung dies nicht verstehen könnten. Gerade deshalb ist es auch so wichtig, dass „Die Weibchen“ in Form einer Groteske umgesetzt wurde. Der Zuschauer soll spüren zu welch verrücktem Denken Extremismus verleitet.

Glücklicher Weise begeht Brynych nicht den Fehler Emanzipation an sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Das Verhalten der frisch im Ort angekommenen Männer weist allerhand Verhaltensweisen des starken Geschlechts auf, gegen das sich Frauen seinerzeit zu Recht gewehrt haben. Andererseits thematisiert „Die Weibchen“ mit Frauen in damaligen Männerberufen, wie jenem des Automechanikers, auch die Verwirrungen dieser Zeit des Umbruchs. Nicht jedem fiel es leicht sich an das neue Rollenbild der Frau zu gewöhnen.

Was dem Film letztendlich seine spezielle Note beschert, ist der schmuddelige Bahnhofs-Kino-Touch, der ihn mit angedeutetem Gore, nackten Tatsachen, dem Verzicht auf subtile Andeutungen und der Extreme seiner Geschichte, freilich aber auch aufgrund der von Peter Thomas komponierten Hintergrundmusik und der (teilweise absichtlich übertriebenen) Mode deutlich in den 70er Jahren festhält. „Die Weibchen“ guckt sich nicht zeitlos, und das ist auch gut so, ist er doch ähnlich wie „Sieben Tage Frist“ ein interessantes deutsches Werk seiner Zeit, wenn auch völlig anders ausgefallen als dieser.

Die Konzentration auf den grotesken Ton lässt den Film nur schwer einem Genre zuordnen. Letztendlich enthält er Elemente des Horrorfilms, des Dramas und des Kriminalfilms, ist andererseits aber gleichzeitig nichts von alledem. Hier wäre er meiner Meinung ein wenig mit „Der Bunker“, aufgrund der Entstehungszeit mehr aber noch mit „The Wicker Man“ vergleichbar, beides Filme, die ebenfalls Kritik an extremistischem Denken äußern.

Emanzipation verschreckte damals viele Menschen, das zeigt sich in der Filmwelt mit Werken wie „The Astounding She-Monster“ und „Cat-Women on the Moon“ sehr deutlich. Im Gegenzug gab es mit Werken wie „Invasion der Bienenmädchen“ auch Vertreter, die modern mit dem Gesellschaftsumschwung umzugehen wussten. Es tut jedoch gut zu wissen, dass bereits damals jemand das klassische Für und Wider, über das jeder sprach, ignorierte, um über das Thema hinweg einen filmischen Kommentar darüber ablieferte, wie der Emanzipationsgedanke von Extremisten missbraucht werden kann und unschuldige Menschen manipulieren kann. Der Schluss von „Die Weibchen“ ist nicht als Sieg der Emanzipation zu betrachten, sondern als trauriges Beispiel eines gehirngewaschenen Geistes, von Dritten ihres Verstandes beraubt für den angeblich guten Zweck.

Mir gefällt diesbezüglich die Titelgebung ganz gut. Versteht man die Bezeichnung „Die Weibchen“ zunächst noch als herablassende Bezeichnung dominanten Männerdenkens, entpuppt sich der Titel mit der Zeit doch viel mehr als Verweis auf das unreife Denken von Extremisten. Es ist schön mit anzusehen auf welch sich wohlfühlend selbstverständliche Art die jungen Dinger im Finale einen Mann mit der Säge zerlegen, eine kindlische Freude ausstrahlend, eine Unreife lebend, geistig entrückt kein natürliches Empfinden für ihre schreckliche Tat aufblitzen lassend. Es sind keine mündigen Frauen, wie sie es als Emanzen sein möchten, es sind nicht erwachsen gewordene Weibchen mit unreifem Schwarz/Weiß-Denken.


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