Mittwoch, 21. Juni 2017

PROM NIGHT 3 (Prom Night 3 - The Last Kiss 1990 Ron Oliver u.a.)


Nachts trifft Durchschnitts-Teenager Alex in der Highschool auf die tote Mary Lou, lässt sich auf eine Liebschaft mit ihr ein und muss schnell die Schattenseiten dieser Beziehung erkennen. Aus Liebe ermordet Mary Lou jede Person die Alex im Weg steht, während dieser die Leichen zu entsorgen hat. Alex möchte einen Schlussstrich ziehen, doch das lässt Mary Lou nicht zu...


Die Vorgängerin der Super-Ex...

Zwar baut „Prom Night 3“ inhaltlich so gut wie gar nicht auf „Prom Night 2“ auf, mit dessem Bösewicht, dem Geist Mary Lou, verbindet die Filme aber zumindest ein hauchdünner Plot, was bereits mehr Zusammenhang bedeutet, als es Teil 1 und 2 zueinander hatten. In den 90er Jahren angekommen, zu einer Zeit in der düstere Mörder wie Jason, Michael und der frühe Freddy ersetzt wurden gegen augenzwinkerndere Kreaturen wie Chucky, dem Leprechaun und dem späteren Sprüche-klopfenden Freddy, versuchte man aus allerhand Horrorfiguren eine ähnliche Kultfigur herauszukitzeln. Und so traf „Prom Night“ das selbe Schicksal wie „Night of the Demons“: ihre zentralen Fieslinge wurden zu Möchtegern-Horrorikonen aufgebläht.

Bereits „Prom Night 2“ erinnerte stilistisch ein wenig an die „Nightmare on Elm Street“-Reihe. Nun mit Teil 3 einen großen Schritt Richtung Horror-Komödie gegangen, lässt sich die gewollte Anlehnung an besagte Erfolgsreihe nicht mehr übersehen. Nur leider tauschte man die ausgedehnten, kreativen, übernatürlichen Szenarien gegen schnelle, skurrile Tötungsmethoden, und hier verrät die bereits damals aufgedrückte FSK 16, dass es nicht sonderlich blutig zugehen wird. Wirklich einfallsreich sind die grotesk gewollten Morde nicht zu nennen, aber damit passen sie ganz gut zu einem Film, der viel zu ängstlich einen Erfolg imitieren möchte, als dass er mutig oder individuell daherkommen könnte.

Nach einem ernüchterndem Einstieg ins Geschehen, indem alle wichtigen Handlungspunkte viel zu schnell, unsensibel und lückenhaft stattfinden, fängt sich das Produkt überraschender Weise und entpuppt sich als doch wesentlich gourmierbarer als zunächst vermutet. Zwar baut man keine wirkliche Identifikation mit Alex auf, da dessen Vergehen keine verzeihbaren Kavaliersdelikte sind, aber die Geschichte funktioniert als kleiner, sich nicht selbst ernst nehmender Videotheken-Horror recht passabel. Vorbilder wie „Return of the Living Dead“ sind noch lange vor zu billig ausgefallenen Zombieszenen zu erkennen, humoristische Einlagen, wie die Direktorsprüche über die Schulsprechanlage, sorgen mit Treffsicherheit für Auflockerung.

Für ein wenig Desorientierung sorgen einige Momente, die direkt auf den Stil von „Nightmare on Elm-Street“ anspielen sollen, es sind jene in welchen Alex in die Fantasiewelt Mary Lous eintaucht. Solche Momente geschehen mitten in Alex‘ Alltag, in Anwesenheit anderer Personen, und doch wird nie klar ob nun alle anderen Personen Alex‘ Perspektive miterleben, ob Alex eine Art Tagtraum hat, oder ob Mary Lou für diese Momente eine Art Parallelszenario erschafft. Bei Freddy war die Linie zwischen Traum und Realität immer klar getrennt, wenn für manchem Überraschungseffekt auch oftmals erst im Nachhinein. Der Wahrnehmungssprung in „Prom Night 3“ will hingegen keinen Sinn machen, so dass wir eventuelle Gesetzmäßigkeiten nicht greifbar gemacht bekommen.

Von den Darstellern reißt sich keiner ein Bein aus, niemand sticht als talentiert hervor. Gut genug besetzt, damit das Ganze funktionieren kann, ist „Prom Night 3“ durchaus, bedient sich also auch diesbezüglich der Mittelmäßigkeit des Gesamtproduktes. Leider wird es Richtung Finale inhaltlich wieder etwas schlechter, gerade dann wenn es völlig überraschend auf „Poltergeist“-Art auf der anderen Seite beider Dimensionen weiter geht. Die entpuppt sich als kostengünstig, wie einfallslos zurecht gemacht, so als habe man eine Highschool für ein Halloween-Fest dekoriert, und das enttäuscht dann selbst nach dem bisher miterlebten akzeptablen Durchschnitt.

Wie es sich bereits herausliest: man kann als Dauergast des Genres zwar mal in „Prom Night 3“ hereinschnuppern und recht passabel auf schlichtem Niveau mit geringen Erwartungen als Vielseher unterhalten werden, den Film schlichtweg zu ignorieren ist jedoch die bessere Idee. Das sympathische Ergebnis von Teil 2 macht jedoch selbstverständlich neugierig auf die ebenfalls von Mary Lou handelnde Fortsetzung, da werden trotz Vorwarnung dennoch manche Freunde von Teil 2 sicherlich enttäuscht werden. Mit Blick auf „Prom Night 4“, der erneut alle Vorgänger ignoriert und etwas völlig eigenständiges erzählt, darf man zumindest mit einem inneren Lächeln vermuten, dass das verkrampfte Imitieren eines Freddy-Filmes seinerzeit nicht den gewünschten Erfolg erzielt hat.


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