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Samstag, 10. Juni 2017

SHALLOW GROUND (2004 Sheldon Wilson)


In der Polizeistation von Shallow Valley taucht ein am kompletten Körper blutbedeckter Junge auf. Eine Analyse ergibt, dass es sich um das Blut diverser Opfer einer ungeklärten Mordserie handelt...


Blutjunger Nacktarsch...

„Shallow Ground“ findet sich auf allerhand wahllos zusammengewürfelten Horrorfilm-Boxen und taucht selbst in den häufigen Soloveröffentlichungen auf DVD ohne deutsche Untertitel auf. Als Vielseher des Genres vermutet man aufgrund dessen und veröffentlicht durch die gern lieblos vorgehenden Leute von Best Entertainment einen üblen Schnellschuss-Horror a la „Mexican Werewolf“ oder „Scarred - Narben des Todes“. Aber nicht nur dass überraschender Weise die deutsche Synchronisation recht gut ausgefallen ist, auch der Film selbst entpuppt sich als keinesfalls lieblos angegangen.

Ebenso wie mancher Synchronsprecher weiß auch nicht jeder am Projekt tätige Schauspieler zu überzeugen. Dank der stimmigen Inszenierung von Sheldon Wilson ist dies aber gar nicht weiter wild, hat dieser die Geschichte doch allein aufgrund der packenden Atmosphäre im Griff. Gerade in der ersten Hälfte, die besonders rätselhaft und irritierend wirkt, befindet sich der Streifen mit dieser auf einem Hoch, welches ich einem Film dieser Art Veröffentlichung ehrlich gesagt schon nicht mehr zugetraut habe. Sicherlich muss man Freund ruhigerer Stoffe sein, an einer interessanten Geschichte und blutigen Bildern mangelt es jedoch nicht.

Selbst wenn die Geschichte sich im Laufe der Zeit in einige Ungereimtheiten verstrickt und sich vieles des Gesichteten lediglich als quantitativer Schauwert herausstellt, der für den späteren Verlauf nicht mehr von Bedeutung ist, bleibt „Shallow Ground“ sympathisch erzählt und wird nie zur unfreiwillig komischen Lachnummer. Auf Nummer Sicher geht Wilson diesbezüglich nicht. Er sichert sich nicht mit einem ironischen Erzählton ab, präsentiert seine Geschichte stattdessen stets ernst erzählt und auch die Mimen lassen kein Augenzwinkern durchschimmern. Diese Ernsthaftigkeit dankt man aufgrund des geglückten Ergebnisses den Verantwortlichen als Freund auch kleinerer Horrorprojekte.

Ohnehin kann man großzügig mit dem dicht erzähltem „Shallow Ground“ umgehen, sind doch jegliche Effekte handgemacht, CGI findet nicht einmal in der Ausnahme statt. Zudem wurde nicht im Studio, sondern in echter Naturkulisse gedreht, auch dies weiß zu gefallen. Und der hemmungslose, aber keinesfalls reißerische oder lüsterne Umgang mit Nacktheit, der in Amerika längst keine Selbstverständlichkeit ist, weiß ebenso zu gefallen. Mögen die Charaktere auch nie all zu tief gehen, Stereotype sind sie in der Regel nicht. Und da zudem die Geschichte nicht vorhersehbar ist, sondern ganz im Gegenteil die Neugierde des Zuschauers zu wecken weiß, kann man wahrlich eine kleine Empfehlung aussprechen, vorausgesetzt man erwartet nicht all zu viel.

Interessanter Weise hätte der nicht näher erläuterte Hintergrund der Geschichte Substanz für Fortsetzungen geboten, werden doch zwar die Rätsel des speziellen hier erzählten Falles geklärt, nicht aber die des weitreichenderen Phänomens, welches sich in verschiedenen Teilen Amerikas gleichzeitig abspielt und in „Shallow Ground“ nur recht kurz angesprochen wird. Zu einem Sequel kam es jedoch nie, auch wenn dieses manch schnell zu enttäuschendem Zuschauer sicherlich Antworten geliefert hätte, die ich persönlich für einen geglückten Unterhaltungswert nicht benötige.

Wilsons Folgewerk „Die Vögel - Attack from Above“ wusste mir anbei nicht ansatzweise so gut zu gefallen wie der hier besprochene Film, was in so fern verwundert, als dass „Shallow Ground“ hauptsächlich von seiner geglückten Inszenierung lebt. Vielleicht liegt es auch daran, dass Wilson in „Shallow Ground“ als Produzent Mitspracherecht besaß, im auf SyFy-Niveau abgedrehten Vogelhorror jedoch nicht. Zumindest werde ich mir bei Zeiten mal „Scarecrow - Das Grauen stirbt nie“ ansehen. Hier war Wilson wieder in beides involviert und kann dort nun beweisen, ob „Shallow Ground“ ein Ausnahmewerk war, welches eher zufällig geglückt war, oder ob man auf Wilson ruhig mal trotz diverser Billigfilmchen wie „Mothman - Die Rückkehr“ ein Auge werfen sollte. Auch „Screamers 2 - The Hunting“ erscheint mir nach bisherigem Desinteresse am Projekt mit einem Mal durch die Regie Wilsons als reizvoll.


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