Samstag, 9. Februar 2013

SCARRED - NARBEN DES TODES (Scarred 2005 Jon Hoffman u.a.)


Ein Familienausflug endet im Horror. Im Wald, in dem man campen wollte, geht eine entstellte Frau um, die ein neues Gesicht für sich sucht...


Die Nichte von Leatherface...

„Scarred“ ist eine dieser belanglosen Schnellschuss-Produktionen für den DVD-Markt. Man sollte meinen, dass selbst untalentierte Autoren und Regisseure mittlerweile aus dem jahrzehntelangem Schaffen talentierter Menschen ihrer Branche gelernt hätten, um wenigstens ein passables Ergebnis erzielen zu können. Was der Zuschauer sehen will dürfte mittlerweile bekannt sein. Aber manche kapieren es scheinbar nie.

Wir erleben hier total uninteressante Schablonencharaktere. Ein Teil von ihnen hat ein familiäres Problem, völlig unwichtig für den Film, dennoch so deutlich in den ersten 10 Minuten aufs Auge gedrückt, dass auch der letzte versteht, was es bereits mit sehr deutlichen Hinweisen zuvor zu verstehen gab. Man campiert gemeinsam in einem Wald, der leider kaum Atmosphäre ausstrahlt, und man lässt sich von einem Waldhüter die Legende des Ortes erzählen. 

Laut ihr geistert eine todgeglaubte Frau durch den Wald, auf der Suche nach einem neuen Gesicht, denn ihr eigenes wurde ihr einst von ihrem bösen, versoffenen Vati abgeschnitten. Unser Waldhüter erzählt diese Story auf die klassische Lagerfeuer-Gruselgeschichten-Art, entschuldigt sich nach akzeptablem Angstergebnis allerdings mit den Worten, er hätte die Leute nicht erschrecken wollen. Wollte er nicht? Aha! Nur eine vieler Unlogiken.

Unter den wenigen Darstellern, die der Film zu bieten hat, wird in der ersten Hälfte fast nur der Beischlaf ausgeübt, oder zumindest dort hingearbeitet. Bevor sich der Voyeuranteil unter den Lesern zu sehr freut: Nacktheit gibt es trotz des ganzen Balzverhaltens nicht wirklich zu sehen.

Natürlich ist es die Frau aus der Legende, die tötet. In den meisten Legenden steckt ein Stückchen Wahrheit, diese hier stimmt komplett bis ins letzte Detail. Wie wahr sie ist, erfahren zwei Nebenpersonen, wenn sie auf die Hütte der Gesichtslosen stoßen. Weit sind sie dafür nicht gelaufen, sehr versteckt war sie also nicht. Obwohl wir uns in einem dummen Film befinden, frage ich mich sofort, ob der Waldhüter vielleicht mehr weiß, als er behauptet. Ist er ein möglicher Bruder der Killerin, von dessen Existenz niemand weiß? Wie könnte ein Mann mit diesem Beruf die Hütte nicht kennen? Aber weit gefehlt. Der olle Waldhüter ist von der Existenz der Legendenfrau ebenso überrascht wie die Touristen. Die Hütte hat er nie gesehen, was wohl bedeutet dass er seinem Beruf mit dem selben Verantwortungsbewusstsein nachgeht, wie dem Gesetz. Denn vor dem Beischlaf mit einer Teenagerin erfuhr er nichts über ihr Alter. Verführung Minderjähriger? Möglich, aber scheiß egal. Ein negativer Charakter? Ja, aber vom Drehbuchautor nicht so gemeint. Der olle Waldhüter soll ein strahlender Held mit tragischem Schicksal sein.

Das erstaunliche an „Scarred“ ist, dass nach 50 Minuten schlecht erzähltem Horrorfilm plötzlich etwas Schwung in die Bude kommt. Der blasse Charakter des Bruders der Heldin wird interessanter und erinnert etwas an den Kerl aus „Jeepers Creepers“, die bisher sinnlos wirkende Einführungssequenz wird Teil der Gesamtgeschichte, und man schaffte es sogar, das ein oder andere Mal das Interesse des Zuschauers zu wecken. Etwas Innovatives sichtet man weiterhin nicht, aber es macht langsam wenigstens etwas Spaß. Nicht Spaß genug um den Film zu retten. Dafür ist er mit ca. 50 Minuten dem Zuschauer schon viel zu lange auf den Wecker gegangen.

Zumindest werden die Aktionen interessanter, die Dialoge erträglicher und blutiger wird es langsam auch. Nicht blutig genug um Gore-Herzen höher schlagen zu lassen, aber immerhin nicht mehr nur angedeutet wie zuvor. Schlecht bleibt weiterhin die Psychologie und die Logik. Ewig werden Gesichter abgeschnitten. Diese bekommen die Leichen mal zurück aufs Gesicht gesetzt, um wen Überlebendes zu erschrecken, manchmal bleibt das abgeschnittene Gut auch einfach liegen. Einige Gesichter hat die Psychotante auch in ihrer Hütte hängen. Tragen tut sie diese nie. Nun ja, einmal zieht sie sich ein Gesicht über, vor ihrer Hütte rumgammelnd und in einen Spiegel guckend. Dauerhaft wird die Haut aber scheinbar nie aufgesetzt. Wozu also abschneiden? Rein aus Rache? Eigentlich nicht. Aber egal!

Viel lustiger ist allerdings die Dummheit der anderen Figuren. Die weibliche Nebenfigur, die im Laufe des Streifens sterben wird, wird zunächst verschont, da ihr Gesicht mit Creme zugeschmiert ist. Trotz ihrer Kenntnis über die Legende, kommt sie nicht auf des Rätsels Lösung. Also muss sie später zurecht sterben.

Bekloppt zu nennen ist auch die Hauptfigur des Streifens. Sie kennt die Legende ebenfalls, stößt auf weitere Infos im Laufe des Filmes und am Ende sogar auf die Lösung. Sie macht sich selber hässlich und bietet dem Monster nun die Freundschaft an. Nobel! Fast denkt man der Autor arbeitet nun doch mal sinnig. Aber nein! Das Freundschaftsangebot war nur eine Falle, um es der bösen Frau, die von den Protagonisten ohnehin schon fragwürdig die ganze Zeit nur als „es“ bezeichnet wird, nun ein Ende zu bescheren. Sie ist ein Monster, sie muss sterben.

Als aufgeklärtes Wesen ist die „Scarred“-Heldin nie auf die Idee gekommen, dass jenes Es psychologische Betreuung bräuchte. Das Es wurde bereits von der Heldin beruhigt, nun hätte man sich in Sicherheit begeben und Hilfe holen können, denn der Täter ist schließlich selber ein Opfer. Aber nein! Unsere Heldin weiß was in einem solchen Film/Fall zu tun ist. Das Es muss sterben. Als Mensch wird „Es“ gar nicht gesehen, als Frau erst recht nicht. Fragwürdigkeit Du lebest hoch! Aber ohne diesen Irrsinn würde es ja auch nicht Spaß machen, diese eigentliche Spaßbremse zu sichten. Ohne diese dummdreiste Ignoranz für Logik, Ethik, was auch immer, gäbe es überhaupt keinen Grund mehr Werke wie diese zu gucken. Dann wären sie nur langweilig, nicht aber unfreiwillig komisch.

Blöder Film, ungruselig, nicht blutleer aber relativ unspektakulär, ohne Schocks und mit einem Bösewicht, der eine sehr unwirksame Maske trägt. Nach 50 Minuten wird es interessanter, manchmal sogar recht flott, ein halbwegs annehmbares Werk wird der Film dank dieser plötzlichen Unterhaltungsüberraschung trotzdem nicht mehr. Dafür ist er einfach zu unmotiviert und plump. Immerhin gibt es unfreiwillig komische Szenen und einige wenige taugliche. Das reicht zumindest um die Gülle zu Ende zu gucken.


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