24.11.2018

SIGNS - ZEICHEN (Signs 2002 M. Night Shyamalan)


Der auf einer Farm lebende, ehemalige Pfarrer Graham Hess entdeckt eines Tages mysteriöse Kornkreise auf seinen Feldern. Wie sich zeigt wiederholt sich das Phänomen weltweit. Zunächst gibt sich Hess der Hysterie, welche dieses Thema auslöst, nicht hin, u.a. auch um seine Kinder zu beschützen, aber als Aufnahmen von Ufos und Außerirdischen in den offiziellen Medien auftauchen, gibt es keine Ausflüchte mehr. Die Fremdlinge sind tatsächlich da, und keiner weiß was sie wollen. Hess verbarrikadiert sich zusammen mit seiner Familie in seinem Farmhaus...


Drei Fingerstümpfe...

Nach seinen beiden hervorragend ausgefallenen Werken "The Sixth Sense" und "Unbreakable" galt Autor und Regisseur M. Night Shyamalan als eine Art Wunderkind des amerikanischen Kinos. Der Ruf verflog recht schnell wieder, und "Signs - Zeichen" gibt uns einen ersten Blick darauf, warum dem so war. Bruce Willis, der Star der beiden Vorgängerfilme, ist diesmal nicht mit an Bord, ich wüsste aber gerne einmal ob er gefragt wurde erneut die Hauptrolle zu übernehmen, und ob er aufgrund des schwachen Drehbuchs einst nein sagte. Es würde für ihn sprechen. Stattdessen ist der Folgefilm der beiden Erfolge mit Mel Gibson besetzt, der zwar ein ähnlich starkes Charisma zu versprühen weiß wie der gute Bruce, aber nicht dessen Schauspielstärken besitzt, was gerade in den tragischer ausgefallenen Szenen aufzufallen weiß. Dennoch weiß er großteils zu wirken und spielt weitaus engagierter als es das Buch verdient hätte.

Dieses walzt zunächst jegliches Klischee um Aliens und Kornkreise breit, zwar nicht ohne um Realismus und kritische Worte bemüht zu sein, letztendlich aber zu sehr auf dem Altbekannten dieser Thematik herumreitend, als dass es der Geschichte gut tun würde. Mit dem Auftauchen der Fremden in den Medien bekommt der Film eine interessante, unerwartete Wende, so dass sich das Phänomen nicht mehr nur im kleinen Kreis von Hess Familie offenbart, sondern zu weltweiter Beachtung führt. Mit dem Spannungsfaktor um den Fakt, dass die Außerirdischen tatsächlich existieren und wir nicht wissen was sie wollen, gelingt Shyamalan unerwartet eine Wendung der Aufmerksamkeit des bis dahin nicht überzeugten Zuschauers, da sich eine Art ruhig erzähltes "Krieg der Welten" ankündigt, dass wie typisch für den Regisseur und Autor auf wilde, laute Szenen verzichtet, und allein schon aufgrund des über allen schwebenden Vielleichts lediglich besonnen und langsam mit dem Erzählen der tatsächlich aufregenden Ereignisse vorgeht.

Shyamalan schafft es in den besten Momenten des Streifens aus einem eher mittelmäßigen Thema einen Interesse weckenden Film zu gestalten, der an einigen Stellen ein enorm hohes Spannungspotential aufweist. Obwohl man es von dem Mann gewohnt ist eher friedliche Wege zu beschreiten und man deswegen vermuten könnte, dass die ganze Hysterie um die Aliens unnötig ist, wachsen Zweifel an der möglichen Friedfertigkeit der Besucher, welche unsere Helden der Geschichte hingegen nie wirklich in Betracht ziehen. Leider schafft es Shymalan nicht dieses späte Wecken des Interesses auch zu einem interessanten Schluss zu führen. Dieser verpufft geradezu in seiner zu distanzierten Art und lässt den Zuschauer fragend zurück, warum er für die Schlusserkenntnisse durch diese Story hindurch musste. Das Ergebnis ist unbefriedigend, am Ende zeigt sich lediglich das Gefühl von Leerlauf dort, wo man etwas Handfesteres erwartet hätte.

Klar, man war es durch die beiden Vorgängerfilme gewohnt, dass Shyamalan seine Geschichten mit einem Paukenschlag beendet. Aber es ist nicht der Verzicht darauf, der das Ende von "Signs" nicht wirken lässt, es ist die Ernüchterung der Erfahrung dessen, dass der unaufgeregte Erzählstil des Regisseurs nur dann in seiner Reduzierung Beiläufigkeiten zu aufregenden Geschehnissen werden lassen kann, wenn auch die Dramaturgie des Stoffes zu funktionieren weiß. Und die will diesmal so gar nicht wirken, ist doch bereits der Aufhänger, dass der ehemalige Pfarrer Hess seinen Glauben aufgrund eines schrecklichen Ereignisses verloren hat derart klischeebeladen thematisiert, dass man dem verkrampft traurig spielenden Gibson die Gefühlswelt seiner Figur niemals abkauft. Aus gutem Grund hat sich "Scary Movie 3" einst auf genau diesen Aspekt des Streifens konzentriert, um ihn zu verarschen. Hess' Schicksal und sein Kampf um seinen Glauben wirkt aufgesetzt und nervig, steckt emotional nie an, selbst dann wenn Shyamalan die hier selten im Vordergrund schwebende Dramatik des Stoffes hoch theatralisch ins Zentrum setzt (was auf seinem Höhepunkt angelangt bei einem verweigerten Essensgebetes zur unangenehmsten Szene des Streifens führt).

Besonders ärgerlich ist dieser Aspekt zu nennen, wenn wir am Schluss des Streifens erfahren müssen, dass uns all die ganze Zeit die Geschichte um die Außerirdischen nur deswegen erzählt wurde, um die Wiederentdecken des Glaubens von Hess mitzuerleben. Das ist der Grund warum die Alienthematik zum Schluss in scheinbarer Nichtigkeit verpufft und dem Drehbuch relativ egal ist. Shyamalan geht es um den Menschen im Zentrum und nicht um das große Drumherum. Leider hat er diesen hervorragenden Ansatz auf einer Figur aufgebaut, deren Schicksal sich nicht echt anfühlt, und deren Darsteller nicht in der Lage ist die unangenehmen Facetten des Drehbuchs mit überzeugender Mimik etwas abzumildern. Warum einem Autor das Schicksal des Protagonisten derart wichtig ist, dass alles andere darüber hinaus egal wird, obwohl der Dramengehalt des Werkes im Vergleich zu den beiden vorausgegangenen Filmen derart reduziert wurde, will mir nicht klar werden. Während der Alienaspekt fast schon im Nichts verpufft, schwankt die zu theatralische und geheuchelte Thematik um den Glauben des Ex-Pfarrers zum Ende hin hoch, so dass der Esoterikgehalt, den wir in fast allen Shyamalanfilmen vorfinden, auf unangenehme Art zum Zentrum allem Erzählten wird. Scheinbar erkannte man die Schwächen von "Signs" seinerzeit nicht, denn mit "The Village - Das Dorf" folgte ein noch schwächerer Film, dem man jedoch einen Pseudo-Knalleffekt am Schluss beschert hat. Scheinbar glaubte man der hier besprochene Streifen würde scheitern, weil er diesen nicht besaß.


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