18.11.2018

UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER (Groundhog Day 1993 Harold Ramis)


Der egomanische TV-Wetterfrosch Phil Connors hasst es jährlich nach Punxsutawney zu reisen, um dort der Tradition beizuwohnen, dass ein Murmeltier die Länge des Winters prophezeit. Um so schockierter ist er, als er am nächsten Morgen feststellt, dass sich der Murmeltiertag wiederholt. Dies tut er wieder und wieder, denn Phil ist gefangen in einer Zeitschleife. Nach der ersten Begeisterung ohne Konsequenzen alles erleben zu können, tritt eine Ernüchterung aufgrund des Gefangenseins in der ewig scheinenden Wiederholung auf...


Es ist jeden Morgen saukalt da draußen...

Mag literarisch auch die Kurzgeschichte "12:01 PM" der erste Beitrag zum Thema Zeitschleife als Tageswiederholung gewesen sein, aus filmischer Sicht war "Und täglich grüßt das Murmeltier" das erste Produkt seiner Art. Diesem folgten zunächst TV-Produktionen wie "Und täglich grüßt der Weihnachtsmann", später aber auch die Großproduktion "Edge of Tomorrow". Egal wie gut ("12:01"), unterhaltsam ("Happy Deathday"), oder mäßig ("Und täglich grüßt der Bräutigam") die Ergebnisse auch ausfielen, so berühmt wie die mit Bill Murray in der Hauptrolle besetzte Komödie von Harold Ramis wurde keiner dieser Streifen. Wann auch immer sich ein Film wie "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" mit der Thematik der Wiederholung des immer gleichen Tages beschäftigt, er muss sich mit der hier besprochenen Fantasy-Komödie messen, die sich im Gegensatz zu manchem Nachzügler kein bisschen dafür interessiert warum es zu besagter Zeitschleife kommt.

Freilich wissen wir, dass sie der Läuterung Connors Charakter dient, wodurch sie tatsächlich ausgelöst wird, bzw. welche Kraft hinter dieser Chance steckt, und warum Connor sie sich scheinbar verdient hat, wird jedoch nie erklärt oder auch nur im Ansatz hinterfragt. Vielleicht steckt Amor dahinter, denn "Groundhog Day" (Originaltitel) beschäftigt sich deshalb nie mit dem Rätsel hinter den Ereignissen, weil er sich auf seine Liebesgeschichte konzentriert. Dass das Ergebnis trotzdem nicht auf den Bereich RomCom reduziert werden kann, beweist die Grundidee, die bereits bei weniger kreativem Herangehen ein Selbstläufer gewesen wäre. Da aber Komödienspezialist Harold Ramis ("Caddyshack", "Reine Nervensache") den Film geschrieben und inszeniert hat, wird das Ergebnis gar zum Party-fördernden Happening, denn das Drehbuch sprudelt nur so vor wunderbaren Einfällen, gut gesetzten Pointen, herrlich flachen Kalauern und cleverem Humor. Unterstützt durch Murrays zynisches Spiel ist eine höchst unterhaltsame Komödie entstanden, die man tatsächlich alle Jahre wieder hervorholen kann, um sich erneut am grandiosen Ergebnis zu erfreuen.

Das einzige Makel, meiner Meinung nach, besteht im überraschend humorarmen Schluss, der nach dem wundervoll komischen "Bleib hier" keinen einzigen Versuch mehr unternimmt etwas Humorvolles ins Geschehen einzubauen. Da sprechen wir zwar nur von wenigen Minuten bis zum Einsatz des Abspanns, überraschen tut mich diese Vorgehensweise aber dennoch immer wieder aufs Neue, wirkt der Schluss doch damit etwas zu kitschig und eher aus Pflicht einen Schluss präsentieren zu müssen inszeniert. Aber was soll man jammern, wenn der Weg bis dahin bestens funktioniert? "Und täglich grüßt das Murmeltier" trumpft nicht nur mit vielschichtiger Komik und einer guten Besetzung, seine Liebesgeschichte weiß einen mitzureißen, kurze dramatische Momente stecken an, und wenn es Richtung Läuterung geht verzichtet der Film auf den erhobenen Zeigefinger, sprich die Moral hält sich stark zurück, so wie es der Kitsch stets zuvor tat, wenn Connor anfängt Empathie und Zuneigung zu seiner Produktionsassistentin zu empfinden. Wer je an einem Film mitgewirkt hat, wird zudem Gefallen daran finden, dass Fehler stets zu Wiederholungen der selben Szene führen, so wie man es tatsächlich von Dreharbeiten kennt, ohne dass besagte Szenen üblicher Weise je den Weg in einen fertigen Film finden würden. Zur Entstehungszeit von Ramis Werk guckten sich diese Momente erfrischend anders. Die Filme, die sich heutzutage mit der Zeitschleifenthematik beschäftigen, finden oft noch alternative Möglichkeiten die Wiederholung darzustellen. So oder so müssen sie sich aber trotzdem auch immer wieder an der Methode Ramis bedienen. Ohne diese geht es dann doch nicht.


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