05.04.2021

HORROR INFERNAL (1980)

In einem mystischen Buch stößt die Italienerin Rose auf die Information, dass sich ihre New Yorker Wohnung in einem von drei Häusern befindet, die seinerzeit von einem Architekten im Auftrag von Hexen erbaut wurden. Sie kontaktiert ihren Bruder in Rom, doch als dieser eintritt ist Rose bereits verschwunden. Von den Umständen so wenig Ahnung wie von der Kenntnis, dass seine Schwester tot ist, forscht er nach und stößt schließlich ebenfalls auf das Geheimnis des Hauses...

Die Schwester der Seufzer und der Tränen...

Nach seinem Erfolg "Suspiria" setzte Dario Argento diesen mit "Horror Infernal" fort und erweitert die Geschichte inhaltlich zu einem Dreiteiler, dessen Schluss er erst im Jahre 2007 mit "Mother of Tears" nachreichte. Visuell wird Teil 2 ebenso gestaltet wie das Erstling, teilweise sogar stärker ritualisiert, doch diesmal gelingt es dem italienischen Horrormeister weit weniger als im Original über eine inhaltliche Leere hinweg zu täuschen. Der rote Faden ist gar noch dünner, da episodenhafter, ausgefallen als in Teil 1, dessen Handlungsabfolge zumindest stets Sinn ergab. Die Geschehnisse in "Feuertanz" (Alternativtitel) sind jedoch lediglich Aufhänger um reißerische Szenen zu zelebrieren, die dank der enormen Regiefähigkeit Argentos zwar durchaus Kraft besitzen, lieblos aneinander gereiht wie geschehen aber kein spürbares Gesamtes zaubern. Akzeptiert man einmal keiner tatsächlichen Geschichte beizuwohnen, sondern sich lediglich von der stilistischen Wucht mitreißen lassen zu sollen, funktioniert "Horror Inferno" (Alternativtitel) sogar recht passabel, wenn auch nur mit heruntergeschraubten Erwartungen. 

Aber selbst dann entlädt der Streifen keine solch lebhafte Energie, wie es sein Vorgänger schaffte. Der wusste einen zu ängstigen, zu beunruhigen, "Inferno" (Originaltitel) hingegen berauscht lediglich nur. Hier wie dort werden keine drastischen Szenarien gemieden, "Feuertanz der Zombies" (Alternativtitel) fällt so blutig aus wie der Kunstfilm, den er fortsetzt, und doch schockieren die einzelnen Szenen nicht so gekonnt wie dort, eben weil man weder in eine spürbare Geschichte eintaucht, noch eine Identifikation zu einer der je nach Filmphase wichtigen drei Figuren geknüpft bekommt. Zudem wirkt der Soundtrack nicht so intensiv, wie jener der Band Goblin, auch wenn die hier gewählte Alternativband versucht an deren Stil anzuknüpfen. Allerdings wählt Argento diesmal eine abwechslungsreichere Musikbegleitung, und die trumpft überraschender Weise meist dann am besten, wenn klassische Melodien das Geschehen untermalen. 

Kurzum: an sein Meisterwerk "Suspiria" kommt "Inferno - Horror Infernal" (Alternativtitel) nicht im Ansatz heran. Für sich gesehen ist er jedoch ein unterhaltsames aufgeblähtes Nichts, das sich mittels einiger beeindruckender Szenen gerettet bekommt, z.B. bei der legendären Unterwassersequenz im Keller, oder des herrlich abartigen Ablebens des Antiquariat-Betreibers im örtlichen Kanal. Visuell überzeugt "Feuertanz - Horror Infernal" (Alternativtitel) ebenso, auch wenn Argento seine vorangegangene Arbeit etwas zu penetrant selbst zitiert. Etwas mehr Eigenständigkeit hätte dem Ergebnis nicht geschadet. Und dass wir hier angeblich der Geschichte der mächtigsten und gefährlichsten der drei Hexen beiwohnen, diese aber wehrlos, auf äußerst einfachem, fast schon Suizid anmutendem, Wege zu besiegen ist, beschert dem nicht unsympathischen Streifen dann leider zum Schluss auch noch einen unfreiwillig komischen Touch. So oder so dürfte "Horror Infernal" aber ohnehin nur den treuen Anhängern Argentos gefallen. Aber im Gegensatz zu dem, was er alles nach "Sleepless" abgeliefert hat, ist der hier besprochene Film noch immer Gold wert.  OFDb

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