05.04.2021

MEIN FREUND, DAS EKEL (2019)

Seit 15 Jahren kümmerte sich Elfie um ihren Bruder Olaf, nachdem dieser durch einen Schlaganfall in Frührente gehen musste. Nun hat sie es satt von diesem Miesepeter schlecht behandelt zu werden und geht mit ihrem neuen Freund auf Kreuzfahrt. Damit der ehemalige Lehrer nicht auf sich allein gestellt ist, lässt sie die ungebildete Trixi mit ihren Kindern bei Olaf wohnen, was diesem gar nicht gefällt. Nachdem sie sich trotz einiger Böswilligkeiten nicht vergraulen lässt, akzeptiert der Rentner widerwillig die Anwesenheit der Störenfriede. Und erst sehr langsam kommt man sich freundschaftlich näher...

Tschö mit Ö...

Das Rezept dessen, was in "Mein Freund, das Ekel" erzählt wird, ist alles andere als neu. Und letztendlich sind auch die einzelnen Stationen, welche die Geschichte abarbeitet, nicht gerade innovativ zu nennen. Nie hat man das Gefühl etwas Neues zu sichten. Dennoch weiß die Regie-Arbeit von Marco Petry zu gefallen. Zwar erreicht sie nie das Niveau seines großartigen "Schule", aber das muss sie auch gar nicht. Bereits das Ergebnis der lockerleichten, oberflächlichen Unterhaltung für den Feierabend reicht, um mit diesem schlichten Produkt zufrieden zu sein, welches mit Leichtigkeit von den beiden zentralen Schauspielern gestemmt wird. Die mir bis Dato unbekannte Alwara Höfels spielt die ungebildete Mama liebenswert und charakterstark, ohne dass mangelnde Bildung, wie z.B. in "Fack ju Göthe", wo sie die Caro mimte, blind toleriert und schöngeschrieben wird. So sehr "Mein Freund, das Ekel" auch aus einer arg unschuldigen Perspektive erzählt ist (gerade die Jugendsorgen von Trixies Kindern werden etwas arg naiv präsentiert), so sehr nimmt das Drehbuch die Probleme der Mutter ernst und zeigt die Umstände, mit denen sie zu kämpfen hat, glaubwürdig auf. 

Diesen obendrauf gesetzt wird der intolerante Muffel Olaf, verkörpert durch den wie immer brillant spielenden Dieter Hallervorden, der in seiner Interpretation des selbstgerechten Gebildeten immer wieder einen Hauch Herr Immer aus seinem Erfolg "Didi - Der Doppelgänger" aufblitzen lässt. Wohin die Geschichte führt, verrät bereits der Titel. Allerdings ist man gerade aufgrund von diesem überrascht, wie spät das Gefühlsleben des verbitterten, alten Mannes doch noch Klick macht, was der Geschichte tatsächlich zugute kommt, wenn man sich verfrüht im Irrglauben befindet, Olaf würde endlich Mitgefühl entwickeln. Dass der Weg dahin und die Art der Läuterung nicht von kniffeliger Psychologie begleitet wird, dürfte bei einem solch schlichten Unterhaltungsfilm klar sein. Dennoch gibt sich die Komödie inhaltlich nie dümmlich oder zu naiv. Außerdem arbeitet sie nie mit Moral und Heuchelei, sondern sieht sich einzig der amüsanten Zielsetzung verpflichtet. Dass diesem kleinen aber feinen Spielfilm demnächst als Fortsetzung eine Serie folgen soll, erfreut mich sehr, allerdings nur wenn die beiden Hauptdarsteller in ihren liebenswerten Rollen zurückkehren werden. Mit anderer Besetzung scheint mir das Rezept der Chose zu schlicht, um noch einmal überzeugen zu können.  OFDb

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