Montag, 23. Juli 2012

DER ROSAROTE PANTHER 2 (The Pink Panther 2 2009 Harald Zwart)


Nach 10 Jahren Abstinenz kehrt der gefürchtete Meisterdieb Tornado zurück und raubt Kunstwerke in ganz Europa. Eine Gruppe der genialsten europäischen Kriminalisten wird beauftragt die Identität hinter diesem Pseudonym aufzudecken. Für Frankreich wird der chaotische Clouseau angefordert. Da zuletzt der Diamant „Der rosarote Panther“ entwendet wurde, beginnen die Ermittlungen in Frankreich und enden dank des überheblichen wie trotteligen Schnüfflers Frankreichs auch recht schnell im Chaos...


Nümmero Deux...

Unter Cineasten gilt die Original-Reihe um Clouseau als großer kultureller Leckerbissen. Dementsprechend klar war, dass das amerikanische Remake viel Schelte einstecken müsste, egal wie gut oder schlecht es ausfallen würde. So wie meiner Meinung nach die Original-Filme, so war „Der rosarote Panther“ mit Steve Martin recht gewöhnlich ausgefallen, nicht ohne gelegentlich Sympathie für das Geblödel aufkommen zu lassen, aber weit unter den Möglichkeiten und weit unter dem Niveau eines Steve Martin, der an dem Stück Routine mitschrieb.

Seine Glanzleistungen der 80er und 90er Jahre lassen sich weder im Drehbuch noch im Spiel wiedererkennen, und so ergeht es auch seinem Talent in der drei Jahre später gedrehten Fortsetzung „Der rosarote Panther 2“. Nie gelingt es dem talentierten Mann an die Leistungen eines Peter Sellers heran zu kommen, jenem Mannes, der Clouseau in den meisten Werken verkörpert hatte. Waren dessen Filme meist gewöhnlich trotz talentiertem Spiel in der Hauptrolle, so ist im amerikanischen Remake gar das Gegenteil der Fall: der Film funktioniert trotz mittelmäßigem Hauptdarsteller.

Zumindest teilweise! Auch „Der rosarote Panther 2“ ist noch weit unter seinen Möglichkeiten, besteht er doch fast nur aus Handlungsfragmenten, die lieblos aneinander gekleistert wurden. Im einzelnen wissen diese Flicken jedoch zu gefallen. Sei es der sehr sinnlos eingebrachte Benimm-Unterricht, die Komik der einzelnen Kriminalisten und mancher Slapstick-Höhepunkt wie der Sturz des vermeintlichen Papstes von seinem Balkon oder das auf Stummfilm-Komik getrimmte Auseinandernehmen der Einrichtung des angeblichen Tornados.

Trotz der genannten positiven Beispiele ist es jedoch häufig der Slapstick, der durch seine zu gewollte Art den Film in seine Schranken weist. So ist es zwar lustig zuzusehen wie ein ganzes Restaurant Flaschen-jonglierend das Chaos Clouseaus verringert, der gerade einen Kampf mit einem übergroßen Weinregal führt, aber leider nicht so lustig wie es hätte sein können unter einer gekonnten Regie. Harald Zwart ist jedoch eher ein mittelmäßiger Regisseur, der in Filmen wie „Agent Cody Banks“ zu Hause ist. Seine Filme sind amüsant, aber nicht herausragend. Gerade eine Neuverfilmung der Reihe um den rosaroten Panther hätte aber eben aufgrund deren großen Rufes herausragend ausfallen müssen, ganz gleich ob der Ruf der Originalreihe nun berechtigt ist oder nicht.

Erstaunlicher Weise sind die meisten Negativpunkte der Fortsetzung bereits in Teil 1 vorhanden. Warum man diese trotz wiederholter Kritik in den Rezensionen nicht einfach für Teil 2 eliminiert hat ist mir schleierhaft. Clouseaus deutsche Stimme mit französischem Akzent wirkt weiterhin so gewollt wie seine äußere Erscheinung mit dem dämlichen Schnurbart (dessen unechtes Aussehen nicht einmal genutzt wird um hinten herum Poirot zu parodieren). Die Slapstick ist wie erwähnt zu bemüht, Steve Martin fehlbesetzt, die Charakterisierung Clouseaus widersprüchlich und willkürlich und die Geschichte schlussendlich zu unausgegoren präsentiert, inklusive vorhersehbarer Täteraufdeckung.

Dass der Handlungsverlauf fast eins zu eins wie im Vorgänger stattfindet ist ebenso einfallslos wie das ständige Wiederholen des Hamburger-Witzes aus Teil 1, der damals beste Witz im sonst so routinierten Ergebnis. Dass man Kevin Kline gegen John Cleese austauschte, ist somit noch das kleinste Übel, immerhin weiß der Ex-Monty Python den Vorgesetzten Dreyfuss ebenfalls gekonnt zu verkörpern. Dennoch war Kline in dieser Rolle eine Spur besser als der beliebte britische Komiker.

Mit weit herunter geschraubten Erwartungen macht „Der rosarote Panther 2“ jedoch Spaß, was man bei all den Negativpunkten nicht meinen sollte. Jedoch wird er nur bei einem kleinen Publikum seinen Zuspruch finden, denn der um Längen bessere „Johnny English“ war bereits Zielscheibe des Cineasten-Spottes, da braucht es nicht wundern wenn ein routiniertes Unterhaltungsfilmchen wie der hier besprochene Streifen negatives Feedback erntet, obwohl er doch immerhin seinen Hauptzweck erfüllt: zu unterhalten. Dies tut er jedoch unter Niveau der Originale, unter Niveau eines Steve Martin und sogar unter Slapstick-Niveau.


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