Montag, 23. Juli 2012

DIE KRÄHEN (2006 Edzard Onneken)


Ein großer Schwarm Krähen bedroht eine Stadt mit tödlichen Attacken. Eine Tierärztin, der das aggressive Verhalten der Viecher bereits zuvor aufgefallen ist, versucht herauszufinden wie es zu dem ungewöhnlichen Verhalten der Vögel kam. Auf der Suche nach der Wahrheit stößt sie nicht nur auf wissenschaftliche Experimente als Ursache des Problems, sondern auch auf die Tatsache, dass die Krähen wohl auf Kommando angreifen...


Tatwaffe: Die Vögel...

Sat 1 veröffentlichte diese Eigenproduktion als Horrorfilm zu einer Zeit, in welcher sich besagtes Genre 9 Jahre nach „Scream" noch immer auf einem Erfolgshoch befand. Dabei streift diese filmische Vogelattacke diesen Bereich eigentlich nur. Somit ist der in Medien häufig vorzufindene Vergleich von "Die Krähen" auf den Hitchcock-Klassiker "Die Vögel" eher unsinniger Natur. Dann könnte man auch "Mörderspinnen" mit dem Sherlock Holmes-Klassiker "Das Spinnennest" vergleichen. In dem einen Film geht es um böse Tiere und in dem anderen um einen Mörder, der sich diese Tiere zu Nutze macht.

So auch in "Die Krähen", wo die schwarz gefiederten Freunde darauf abgerichtet werden auf ein bestimmtes Signal hin zu töten. Man benutzt diese Viecher als Mordinstrument. Somit befinden wir uns in einem Kriminalfilm, wenn auch in einem mit leicht bizarrer Thematik. Diesen Fakt verschleiert der Film zunächst, weswegen man ihn auch anfangs wie einen Horrorfilm guckt. Wenn sich die Geschichte später aber zum Kriminalfilm wandelt, ist der Horror widerlegt, ähnlich manchen Wallace-Filmen. Der Täter ist ein halbwegs normaler Mensch, ein Verbrecher, aber kein Psychopath wie ein "Willard". Zudem findet eine Ermittlung statt welche den Täter als solche outen soll. Und auf diese wird wesentlich mehr Augenmerk gelegt als auf die ab und an auftauchenden Vogelattacken. Also gilt auch unter diesem Gesichtspunkt: Krimi anstatt Horror.

Wenn man dies grundlegend erkannt hat, bleibt nur noch eine Frage wichtig: funktioniert dieser Kriminalfilm? Und da muss ich leider sagen: nein. „Die Krähen“ ist viel zu gewöhnlich umgesetzt. Überraschungsarmut hat Vorfahrt, Spannung entsteht überhaupt nicht, nicht einmal während der sehr seltenen Vogelattacken. Eine unheimliche Atmosphäre, so wie es mancher Miss Marpel-Film positiv vorgemacht hat, baut sich ebenso niemals auf. Selbst die Auflösung ist ziemlich enttäuschend, auch da kann dieses TV-Produkt mit nichts überzeugen. Und die Anwesenheit des „RTL Samstag Nacht"-Ex-Promis Stefan Jürgens reißt ebenfalls nichts rum, ganz im Gegenteil, der wirkt hier so blass wie alle anderen Darsteller.

Also liebe Filmfreunde: wer Horror mag ist fehl am Platz, und wer einen anständigen Grusel-Krimi sichten möchte, der weiß wo er erfolgreicher zu suchen hat: bei den 40er Jahren-Sherlock Holmes-Filmen und bei der deutschen Edgar Wallace-Reihe aus den 60er Jahren. Nur ganz hartgesottene Freunde von Krimis, sprich auch solche die bei "Mord ist ihr Hobby" nicht abschalten, können ein Auge riskieren. Denen wünsche ich viel Glück!


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