Sonntag, 22. Juli 2012

MR. BROOKS (2007 Bruce A. Evans)



Der Geschäftsmann Brooks führt ein Doppelleben und tötet aus einem Trieb heraus Menschen. Bisher konnte man ihm nie etwas nachweisen, aber bei der letzten Tat wurde er von einem Fotografen gesehen, und der möchte beim nächsten Mal mit auf Mörder-Tour gehen...


Die Stimme in mir...

Ein Jahr nachdem der Massenmörder „Dexter“ im amerikanischen Fernsehen startete, da erschien im Kino „Mr. Brooks“, der seinem Killerkollegen aus dem TV recht ähnlich war. Zwar steht Brooks schon mitten im Leben und hat im Gegensatz zu Dexter ein Gewissen, aber beide sind triebgesteuerte Soziopathen, die nach außen hin ein braves Scheinleben führen, im inneren Dialog mit einer fiktiven Figur stehen und pingeligst darauf bedacht sind nach einem sicheren Schema vorzugehen um nicht geschnappt zu werden.

Dexter“ beruht auf einer Buchreihe, von der man sich ab Staffel 2 inhaltlich stark distanzierte. Somit nimmt „Mr. Brooks“, so sehr er sich auch an der Serie oder dessen literarischer Vorlage bedient, den späteren Staffeln der Erfolgsserie einiges vorweg. Der Gang zur Therapie mit Gleichsetzung von Drogensucht und Mordtrieb wird ebenso thematisiert, wie der Mitwisser der gelehrt werden möchte. Außerdem wird die Sorge angesprochen der Nachwuchs könne den mörderischen Trieb geerbt haben, ein Nebenerzählstrang der durch das jugendliche Alter der Tochter im hier besprochenen Thriller-Drama noch vielschichtiger angegangen werden kann als in der Vergleichsserie, keimt in Mr. Brooks doch der Verdacht auf, dass der mögliche geerbte Trieb seiner Tochter auch für sein frühzeitiges Ableben sorgen könnte.

„Mr. Brooks“ macht keineswegs den Eindruck seine Geschichte auf realistischer Grundlage erzählen zu wollen. Dafür übertreibt er viel zu sehr in Brooks Perfektion, dem Mischen diverser Handlungselemente und der Zufälligkeit dieser. Dennoch versucht Regisseur Bruce A. Evans in seinem ersten Film nach einer langen Pause nach dem Debut „Kuffs - Ein Kerl zum Schießen“ die Geschichte so konsequent wie möglich zu erzählen. Hierbei ist ihm der innere Konflikt zu Mr. Brooks am wichtigsten, dessen düstere Seite durch einen sehr gut spielenden William Hurt verkörpert wird, irgendwo pendelnd zwischen schlechtem Gewissen und imaginärem Freund.

Aus dieser Idee heraus zieht „Mr. Brooks“ seine Stärken, die für Freunde von Massengeschmack gleichzeitig zu seinen Schwächen werden. Da sich der Film immer auf den inneren Konflikt bezieht, und sich damit vieles nicht nur in der realen Welt, sondern auch innerhalb von Brooks Kopf abspielt, wird keine weitere Figur derart vertieft wie der Killer selbst. Brooks ist Zentrum des Films, und eine Konkurrenz ist nicht einmal im Ansatz vorhanden. Was man als Defizit auslegen könnte macht das Drehbuch jedoch dadurch wieder wett, dass den wichtigsten Rahmenfiguren zum Ausgleich inhaltliche Vielschichtigkeit beschert wird.

Im Falle der von Demi Moore gespielten Polizistin ist es neben der Suche nach Mr. Brooks der Andrang ihrer Tätigkeit (eine wichtige Parallele zu Brooks Antrieb), ein gerade laufender Scheidungsprozess, so wie ein aus dem Gefängnis ausgebrochener Serienkiller, der ihr Rache angedroht hat. Keiner dieser Subplots ist zu viel für den Film, da sie alle psychologische Wichtigkeit besitzen wenn es darum geht den Zuschauer in die Irre zu führen, Parallelen zu Brooks aufzuzeigen und die Figur als solche glaubhaft zu charakterisieren.

Fast spannender ist hingegen der etwas zu vernachlässigte Nebenstrang die Tochter betreffend, da das was wir über sie wissen fast nur im Kopf von Brooks stattfindet, so dass wir nie wissen was es mit ihr tatsächlich auf sich hat.

Was die Besetzung betrifft, so darf man wohl besonders überrascht sein wenn es um die Besetzung von Mr. Brooks selber geht. Der wird von Kevin Costner gespielt, der damit nicht nur eine Rolle verkörpert die geradezu untypisch für den Saubermann ist. Der gute Mann hat den Film gleich mitproduziert, woran man erkennt wie viel Vertrauen er in dieses Projekt hatte. Für jemanden der mir innerhalb meiner Cineastenwelt bislang ziemlich egal war, auch wenn ich „JFK“ sehr geglückt finde, habe ich doch einen gewissen Respekt vor diesem Mann bekommen, der es schafft den Soziopathen mit gekonnter Zurückhaltung glaubhaft zu verkörpern.

Brooks ist nicht nur Identifikationsfigur, er ist auch der Sympathisant des Films. Das sorgt für eine gewollte Irritation beim Zuschauer und ist durch den simplen Kniff geglückt, dass Brooks des Mordens müde ist, durch seinen Trieb nicht anders kann, und, wenn er nicht gerade seiner dunklen Seite folgt, ein liebenswerter Familienmensch ist, der es weiß selbstlos zu handeln und der Ehrgeiz und Engagement besitzt was seine berufliche Karriere betrifft. Zwiespältig wird es beim Thema Ehrlichkeit. Zwar kann er nicht über seine Taten sprechen, mehr noch, er muss sein Umfeld, welches ihm am Herzen liegt, pausenlos belügen, um sein wahres Ich zu verdecken, aber auch hier gilt was für den Rest von Brooks Leben gilt: von den mit seiner dunklen Seite einhergehenden Bereichen einmal abgesehen ist er eine ehrliche Seele von Mensch.

Diese innere Zerrissenheit vom Zuschauer und die der Hauptfigur sind der Antriebsmotor über den der komplette Film zu funktionieren vermag. Weder die Rolle der Demi Moore, noch jene des Erpressers sind eine wirkliche Bedrohung für den Perfektionisten, von dem wir die ganze Zeit wissen, dass er dies auch ist. Es entstehen keine Momente wahrer Bedrohung die düstere Existenz könne auffliegen, ein Spannungsgehalt den die zweite Staffel von „Dexter“ zu einem solch hohen Unterhaltungsniveau verhalf. „Mr. Brooks" bekommt diesen ganz im Gegenteil durch das kühl kalkulierende Tun und Denken der Hauptfigur, und da Brooks kultiviert und intelligent ist, hat das einfach Stil. So mischen sich schwarzhumorige Augenzwinkerei mit Thrill und Dramatik, ohne dass eine dieser Komponenten sonderlich dominiert.

Das könnte manch einem zu theoretisch erscheinen, in einem solchen Fall wird jener „Mr. Brooks“ auch zu dialoglastig empfinden, aber Evans zweite Regiearbeit ist nun einmal kein Popkorn-Unterhaltungskino, sondern ist sich seines Niveaus durchaus bewusst, und dessen sollte sich auch der Zuschauer bewusst sein, von dem trotz diverser Actionszenen ein gewisser Grad Konzentration erfordert wird. Dafür wird man mit einem Film belohnt der weiß was er will und weiß wie er sein Ziel erreicht. Sollen Dialogmuffel und Psychologie-Verweigerer ruhig maulen. Mir hat der Ausflug in Brooks Kopf jede Menge Spaß bereitet. Schön dass es noch Thriller zu sehen gibt die Köpfchen besitzen.


1 Kommentar:

  1. Ich muss zugeben: Mich hat vor allem William Hurt, der ohnehin jeden Film zum Ereignis macht, als die "böse Seite von Costner" beeindruckt. Was Demi Moore anbelangt: Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, die sich auf dem absteigenden Ast befindliche Schauspielerin habe sich ihre Rolle regelrecht erkauft und verlängern lassen. Der als spannender "Serienkiller-Film" angekündigte Thriller zerfällt deshalb in zwei wenig zusammenhängende Teile und vermag mich beim besten Willen nicht zu überzeugen. - Man hätte mehr daraus machen können. :(

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