Freitag, 20. Juli 2012

TORMENTED (2009 Jon Wright)


Ein ewig gemobbter Schüler ist tot. Seine Peiniger sterben nach und nach. Kam der Tote zurück um sich zu rächen oder übernimmt wer Lebendes den Rachefeldzug für ihn?...


Brauchen Geister Asthma-Spray?...

Es sind immer wieder die Nerds auf denen in Teen-Filmen herumgehackt wird, und es sind eben genau sie, die in Horrorfilmen zurückkehren, um sich zu rächen. Das war schon in „Die Todesparty“ so, und so war es auch in „Monster im Nachtexpress“, um zumindest zwei Beispiele genannt zu haben. In Werken wie „Die Teufelsbestie“ war es zwar ebenso, aber der war eher eine Monstergeschichte wie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, wohingegen die klassische „Gemobter tötet Peiniger“-Geschichte im Slasher-Bereich anzusiedeln ist. „Tormented“ ist die erweiterte Version dieser Grundidee, da er bis zur Hälfte des Streifens mit der Frage spielt, ob ein menschlicher Killer umgeht oder ein Geist.

Wirklich wichtig ist die Frage nicht, und somit macht es Sinn die Auflösung dieser nicht an den Schluss zu legen, zumal das verfrühte Einweihen des Zuschauers Möglichkeiten lässt das bislang Erzählte auf andere Art in Ruhe zu einem Ende zu führen. Jede Art erweiterte Möglichkeiten tut einem solchen Film auch sichtlich gut, schließlich sind wir hier in keiner Geschichte zu Hause, die der Standard-Horrorfan nicht schon einige Male in etwa so gesehen hätte. Sei es das Grundszenario oder auch die charakterlichen Stereotype, nichts ist neu und so benötigt ein solches Werk somit die ein oder andere Räuberleiter um dennoch funktionieren zu können.

Gleich vorweg: „Tormented“ ist kurzweilig ausgefallen, und das schafft er u.a. deshalb, weil er humoristisch umgesetzt wurde. Auch die Ironisierung des alten Rezepts ist kein neues, weiß aber erstaunlicher Weise immer wieder mal zu wirken, zumindest für Genre-Freunde für die es auch auf Teenie-Komödien-Niveau etwas alberner zugehen darf. „Tormented“ schafft genau den Mittelweg zwischen Horror und Komödie, vernachlässigt nie erstgenanntes Genre, ist aber witzig genug um tatsächlich als Horror-Komödie tituliert werden zu können.

Seinen Horrorgehalt erntet er freilich nicht aus Schockmomenten oder Suspense. Das machen in der Regel nicht einmal die komplett ernst gemeinten Beiträge dieser Randgattung Horrorfilm. Auch der Nicht-Komödien-Gehalt orientiert sich am Partyfaktor solcher Filme, sprich es darf auf fiese Art gemordet werden, wie erwähnt eine Zeit lang Mörderraten gespielt werden, und bei guter Umsetzung reicht dies bereits um einen Slasher zufriedenstellend zu erzählen.

Komödienbereich hin oder her, so genau weiß ich gar nicht wie es Regisseur Wright, der drei Jahre später „Grabbers“ inszenierte, es geschafft hat „Tormented“ so unterhaltungsfreundlich fertig zu stellen. Aber es ist einfach so: der Streifen ist kurzweilig, lässt Sympathie für die Hauptfigur entstehen, mehr noch, er schafft es sogar, dass die aufblühende Romanze im geringen Maße zu knistern weiß. Man wünscht der Heldin eine Zusammenkunft mit dem sie umgarnenden Schüler, wissendlich dass dieser zu einer fiesen Clique gehört, womit ein böses Erwachen möglich wird. Zu aufdringlich wird der romantische Teil nie präsentiert, obwohl er doch ein Hauptaugenmerk der Geschichte ist und für das gesamte Geschehen im Film sehr wichtig.

Dass der verstorbene Loser Teilschuld an seiner Mobbing-Karriere trägt, wird nicht thematisiert. Wie üblich im Horrorfilm steht der Gepeinigte lediglich für die Rolle des Opfers und Rächers, und selbst über Rückblicke, in welchen wir sehen, wie dem Opfer mitgespielt wurde (und da darf einem zu Recht anders bei werden), wird ihm eine Mitschuld nicht zugeschrieben. Da tut es um sehr mehr gut, dass der Aspekt, dass der Verstorbene Gefühle für unsere Heldin hatte, nicht romantisiert wird. Seine Gefühle werden als Fakt behandelt, von denen die Heldin nicht betroffen ist. Sie muss nicht zurücklieben oder sich dafür schämen dem Opfer nie eine Chance gegeben zu haben. Es war eine hoffnungslose Liebe wie so vieles stille Schmachten im Leben, und da bleibt „Tormented“ konsequent.

Was die Rolle des Gepeinigten ebenfalls vom Standard unterscheidet, ist die Art seiner Person. Wurde in der Horrorfilm-Vergangenheit meist das Genie gequält, eben weil es klüger war und nicht den Partykurs mitfuhr, so ist es in Wrights Film ein dicker Asthma-Kranker, ein eher dröger Typ, der selbst nach seinem Tod noch spöttisch Shrek genannt wird.

Kurzweiligen 87 Minuten steht nicht wirklich etwas im Weg, außer vielleicht die Abnutzungserscheinung des Altbekannten, welches manch einem Dauergast im Horror-Genre eventuell nicht mehr hervorlocken kann. Aber der Film ist flott erzählt, bietet einige fiese Todesarten, arbeitet mit vielen witzigen Ideen und macht allein schon deshalb Spaß, weil die selbst gesetzten Stereotype ständig aufs Korn genommen werden, in dem man sie in ihrem Grundkern stets mit ihren Negativseiten entlarvt. Positiv kommt nicht einmal die Heldin weg. Für derart gewollt flache Charaktere weiß man trotzdem mit der Hauptrolle mitzufiebern, mitzulieben und mitzuleiden, was schon ein Kunststück für sich ist bei diesem an sich bekannten Stück Erzählung.


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