Montag, 10. September 2012

MANTICORE - BLUTIGE KRALLEN (Manticore 2005 Tripp Reed)


In einem Dorf in einer irakischen Wüste wird ein Trupp Soldaten von einem geflügelten Löwen bedroht...


Feindflug...

Da haben wir mal wieder eines dieser schnell heruntergekurbelten Filmchen, wie sie dem Horror-Allesgucker von Fernsehsendern wie Ufo und Firmen wie Nu Image alle Nase lang vor die Nase gesetzt werden. Oftmals, so wie z.B. bei "Pterodactyl" oder im hier besprochenen „Manticore“, haben sie eigentlich interessante Kreaturen im Zentrum der Geschichte zu bieten. Die Enttäuschung ist jedoch immer dann groß, wenn man diese Monstren in Form von billigster Computeranimation zu Gesicht bekommt. Und da das inhaltliche Drumherum solcher Produktionen fast selbstverständlich dämlich zu nennen ist, sind die Filme auch meist selbst für genügsame Monsterfilm-Freunde schlichtweg schlecht.

"Manticore" bildet da eine kleine Ausnahme, obwohl auch dieses Werk typische Fehler dieser Art Produktion aufweist. Die eben erwähnte Computeranimation ist mal wieder als besonders schlecht zu bezeichnen. Kurz angedeutete, harte, blutige Effekte bilden den Gegensatz zu einer Billig-Kreatur, die einem das Gefühl gibt man würde einen Kinderfilm sichten (was bei dieser Art Horror ja auch irgendwie nicht ganz unwahr ist).

Einer der traurigsten Aspekte des Streifens ist, dass er Respekt für andere Kulturen vorgaukelt, um den Amerikaner als Befreier zu präsentieren. Dem hat man dankbar zu sein, der darf nicht kritisiert werden, wenn er in den Irak wandert. Höhepunkt dieser fragwürdigen Nerverei ist ein kleiner Junge, der immer wieder "USA" rufen darf und sein panisches Gesicht in ein widerliches Grinsen verwandelt, sobald er etwas amerikanisches erlebt oder sieht und seien es nur die Amerikaner selbst.

Doch die Idee, und wenn sie noch so Nährboden für Propaganda ist, einen US-Horrorfilm einmal im Irak spielen zu lassen und als Hauptfiguren die dort anzutreffenden amerikanischen Soldaten zu nehmen, ist gar nicht mal verkehrt zu nennen, ist man bei dieser Art Fließband-Produktion doch um alles glücklich, das sich vom üblichen Muster distanziert. Zwar wandelt man auch innerhalb dieses ungewohnten Szenarios wieder schnell auf den üblichen Klischeespuren, diese wirken aber im direkten Vergleich zu ähnlichen Genrebeiträgen dieser Art nicht ganz so ausgelutscht wie im 1000. Film, der in einem Tunnelkomplex spielt, oder im 10.000. Streifen, der ein Monster auf eine Kleinstadt loslässt. Hier werden die selben Klischees präsentiert, die dank frischer Kulisse weniger stören.

Für einen Billigfilm heutiger TV-Tage ist die Geschichte recht ordentlich, wenn auch vorhersehbar, erzählt. Die pflichtmäßigen, überdimensionalen Logiklücken sind freilich auch hier vorhanden. Was „Manticore“ den von mir gerne verrissenen Vergleichsfilmen wie „Raging Sharks“ oder „New Alcatraz“ zum Vorteil hat, ist die Tatsache einmal halbwegs sympathische Charaktere ins Zentrum zu setzen, die zudem auch noch von akzeptablen Mimen dargestellt werden. Der Verlauf der Geschichte selbst bietet ein paar überraschende Pausen, in denen die Handfläche die Stirn mal nicht berühren muss, und das ist für einen Schund-Horrorfilm dieser Art schon recht viel.

Um Gefallen an diesem Werk zu finden muss man jedoch Horrorfan sein und zudem zu den schnell zufriedenstellenden Vielguckern besagten Genres gehören. Diese Zufriedenheit darf man nur nicht in der  Computeranimation suchen und ganz bestimmt auch nicht im Spannungsbogen. Zumindest wird die billige Geschichte recht nett erzählt, bleibt dabei immer kurzweilig und es gibt eine andere Kulisse als üblich zu sehen und mit der Bedrohung durch einen geflügelten Löwen auch ein im Filmbereich selten verwendetes Monster. Ich wünschte nur, die Billigfirmen, die solchen Schund produzieren, würden einmal auf den Trichter kommen wieder handgemachte Kreaturen zu gestalten, das macht solche Werke in der Regel charmanter. Früher konnte man damit schließlich auch den Videomarkt zuschmeißen ohne Konkurs anmelden zu müssen.


OFDb

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