Dienstag, 4. September 2012

MENSCH, DAVE! (Meet Dave 2008 Brian Robbins)


Gina fährt Dave mit dem Auto an. Dieser überlebt überraschender Weise. Kein Wunder, denn Dave ist ein Raumschiff, das aussieht wie ein Mensch und dessen Crew verzweifelt nach einem verloren gegangenen Objekt sucht. Von all dem hat Gina nicht die geringste Ahnung. Aber ihr Sohn erkennt die Wahrheit hinter Dave und hilft...


Raumschiff Eddie Murphy...

Über die grundlegende Idee dieses Streifens kann man wahrlich nicht meckern. Es geht um ein Raumschiff, welches aussieht wie ein Mensch, gesteuert von einer Crew Miniatur-Aliens, dessen Captain so aussieht wie Dave, das Raumschiff. Daraus ließe sich einiges machen. Doch schon die Anwesenheit Eddie Murphys lässt einen daran zweifeln, hatte der Komiker doch nach „Der Guru“ und „Bowfingers große Nummer“ kaum noch Nennenswertes gedreht, da er entweder im Mainstream oder im Fäkalhumor badete.

Um so interessanter ist es, dass wir das negative Ergebnis von „Mensch, Dave!“ diesmal nicht Murphy zu verdanken haben. Im Gegenteil, dieser agiert mit viel Spielfreude, darf sich mal wieder richtig austoben und weiß zu wirken, zumindest so weit es Regisseur Robbins inmitten von selbstzweckhaften Spezialeffekten, Moral und Kitsch zulässt, womit die Negativpunkte des Films bereits fast alle aufgezählt sind.

Der Film folgt einem viel zu braven Muster, das überraschende Storywendungen ebenso ausgrenzt wie die Möglichkeit all jenen Humor einzubauen, den diese Geschichte verdient hätte. „Meet Dave“ (Originaltitel) musste leider ein Familienfilm werden, in welchem Murphys Herumgealber wahren Humor ersetzen darf. Das macht Murphy wie erwähnt auch mit viel Spaß und Talent, aber leider, und da kann der gute Mann nun gar nichts für, nur innerhalb infantiler Grenzen. Entweder bedient man sich der Komik, die mit der Story fast automatisch einhergeht, oder man konzentriert sich auf plumpe Albernheiten, die auch einem 10jährigen eingefallen wären.

Ein augenzwinkernder Umgang mit „Raumschiff Enterprise“ ist damit ebenso wenig möglich wie das Spiel mit Gesellschaftskritik. Im Gegensatz zu Erstgenanntem ist zweites aber ohnehin nicht erwünscht, ganz im Gegenteil wird genau das Gegenteil zelebriert: alles in unserer Kultur ist gut, die menschliche Rasse ebenso wie ihr Hang zu Oberflächlichkeiten, die in der Spaßgesellschaft zum Zentrum menschlicher Freude aufgepuscht werden.

Wieder einmal wird dem Gefühl mehr Bedeutung zugeschrieben als dem Verstand, und damit ist der Weg frei gegeben zu einer Manipulation, die nicht nur den Zuschauer beeinflusst und/oder beleidigt, sondern auch in ihrem Inhalt fragwürdiger Natur ist. Kommt alle her! Wir sind das Land der Freiheit! Hier wohnen alle Kulturen fröhlich vereint, vorausgesetzt man ignoriert seine eigene Kultur und lebt die Spaßgesellschaft im Kapitalismus.

So dick wie ich hier meine Kritik am Film auftrage, trägt dieser die besagte Manipulation auf. Beim Entdecken irdischer Freuden, die im gefühlskalten Weltall längst vergessen waren, darf der schwule Klischeemann ebenso wenig fehlen wie der unverbesserliche Bösewicht, denn was wäre das amerikanische Weltbild ohne vorhandenes Feindbild? Klingt amerikafeindlich? Aber wieso arbeitet dieses Land in seinen Filmen dann immer wieder mit solchen Stereotypen? „Mensch, Dave!“ soll scheinbar nicht nur dem Zweck der Unterhaltung dienen, sondern dem Erziehen des Zuschauers. Und je mehr Filme dieser Art das Publikum guckt, um so besser funktioniert diese Gehirnwäsche.

Man ist solche Filme aus Amerika längst gewohnt. Es schockt nicht mehr wirklich, wenn eine intelligente Rasse aus dem All die Liebe lernen muss, und dies in einer psychologisch wie naturwissenschaftlich völlig sinnlosen Art mit hanebüchenen Begründungen. Die Disney-Studios arbeitet seit den 90er Jahren daran dieses Weltbild zu formen. Zumindest begann in dieser Zeit die Tendenz den Zweck über die Geschichte zu stellen. Warum ich mich darüber nach all der Zeit noch aufrege? Mich ärgert es, dass hier eine Filmidee kaputt gemacht wurde, die in guten Händen das Ergebnis eines „Zurück in die Zukunft“ hätte haben können.

Eben weil ich diese Manipulation als Vielseher bereits gewohnt bin, kann ich sie in gewisser Weise noch halbwegs ausblenden. Theoretisch hätte ein mit solchen Mitteln arbeitender Film nicht viel Beachtung verdient. Aber ich bin durch die häufige Begegnung mit derartigen Streifen diesbezüglich etwas abgehärtet und konnte somit manch nette Idee im fertigen Streifen entdecken, die mich versöhnlicher mit "Mensch, Dave!" stimmt als die Qualität des Filmes eigentlich zulässt. Neben der grundlegenden Idee des Streifens ist es meist das wirre Gerede des „Außerirdischen“, das einen zumindest noch halbwegs versöhnlich stimmt.


Trailer,   OFDb

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