Donnerstag, 22. November 2012

ABERRACION (2001 Patricio Valladaris)


Nach dem Verzehr von Drogenpilzen mutiert ein WG-Bewohner zu einer killenden Bestie und jagt seine Mitbewohner...


Ohne Talent geht’s auch...

Ein Amateurfilm aus Chile? Spanisch gesprochen ohne Untertitel? Versteht man da denn überhaupt etwas? Oh ja, und wie! Denn „Aberracion“ zeichnet sich nicht gerade durch eine sensible Thematik angereichert mit pfiffigen Dialogen aus. Er ist ein Amateur-Horrorfilm wie so viele: Er will nur unglaublich abartige Sequenzen aneinander reihen und baut eine dünne Story drum herum, damit es am Ende ein Ganzes ergibt. Gesprochen wird da kaum.

Die meisten solcher Werke sind unglaublich langweilig und belanglos. Dies trifft bei „Aberracion“ nicht unbedingt zu. Er ist nun nicht der kleine, flotte Amateurfilm geworden, den sich jeder Fan mal ansehen sollte, aber er hat etwas, das ihn von ähnlichen Vertretern seiner Gattung abhebt und damit wesentlich erträglicher macht als z.B. so ein oller „Zombie 90“: Was man hier sichtet ist hausgemacht. Andere Amateurproduktionen versuchen möglichst professionell vorzugehen. Was man aber in diesem chilenischen Streifen sichtet ist alles flink nachdrehbar. Es gibt auch keinen Effekt, den man nicht flott zu Hause wiederholen könnte. Alles ist wie selbstgedreht und soll auch wie selbstgedreht sein. Dieser letzte Punkt ist der entscheidende Unterschied.

So kommt es mal vor, dass eine Leiche bzw. ein Dahinsterbender lachen muss. Oder man sieht nach dem Rauspulen eines falschen Auges das zugekniepte eigentliche. Und es ist den Machern vollkommen egal. Ihr Film soll einfach nur Party sein. Die Dreharbeiten waren es wahrscheinlich sogar mehr als das fertige Produkt. Die Tricks gehen nie über ein Innereien auf die Haut legen und blutverschmiert wieder abnehmen hinaus. Mit Kunstblut und Metzgereiprodukten wird nicht gespart. Flinke Schnitte sorgen für Kurzweile, werden aber natürlich hauptsächlich dafür genutzt, manche billigen Tricks umzusetzen, ohne den letzten Schritt ins komplett Lächerliche zu beschreiten. Nachvollziehbar bleiben auch diese Tricks, da gibt es einfach keine Ausnahme. Untermalt wird das ganze Treiben mit genrepflichtigem Heavy Metal.

Wer mal daheim einen kleinen Streifen gedreht hat, in dem mit irgendetwas herumgesaut wird, dem wird auch eine andere Tatsache des Selberdrehens auffallen: Jede blutige, sabbernde und andersartig eklige Aktion findet, sofern man sich im Haus befindet, entweder in der Küche oder im Badezimmer statt. Halt dort, wo man hinterher besser sauber machen kann, einfach dort, wo es Kacheln und keinen Teppichboden gibt. Besonders auffällig wird diese Tatsache bei einer Szene, in der ein WG-Bewohner im Wohnzimmer vor dem Fernseher sitzt und von dem mutierten Mitbewohner bedroht wird, ohne dass dieser, wie in den vorherigen Szenen, sofort auf sein Opfer stürzt. Nein, der Betroffene rennt zunächst erst mal in die Küche (oder war es das Badezimmer? Ach egal...) um dann dort den Attacken des Drogenmutanten ausgesetzt zu sein.

Handgemacht und nicht verschwiegen, ein Motto, an das sich Hobbiefilmer viel öfter anlehnen sollten, macht es ihre Werke doch für Fremde so viel guckbarer. Dennoch gibt es Punkte, auch gerade durch diese Herangehensweise, die „Aberracion“ wieder etwas kaputt machen: Der Schnitt ist häufig nicht sauber, und der Ton ist streckenweise auch recht nervig. Es gibt Sequenzen in diesem Film, da fehlt er einfach. Dies allerdings nicht des Effektes wegen (könnte ja ein gruseliges Stilmittel sein), sondern einfach aus anderen Gründen. Einer wäre Beispielsweise das Einfügen von Zeitlupenaufnahmen. In der Zeitlupe gibt das Selbstgedrehte keinen Ton mehr von sich, wie jeder Besitzer einer Videokamera weiß. Da es im Film allerdings immer mal musiknachsynchronisierte Szenen gibt, fragt man sich, warum dies nicht auch in den Zeitlupesequenzen gemacht wurde. Vor- und Abspann sind ebenso stumm. Bei Schnitten kommt es all zu häufig vor, dass der Ton etwas zu spät in der neuen Einstellung einsetzt. Die Nachvertonung findet in Szenen- und Einstellungswechseln häufig einen unangenehmen plötzlichen Abbruch oder eine billig dahingeschluderte Unterbrechung. Das ist schon etwas schade, auch wenn es dem Reststil des Filmes entspricht.

Auch andere Punkte fallen negativ auf. Da wäre die Langsamkeit einiger weniger Szenen zu nennen. Man kann im Selbstgedrehten einfach nicht alles zeigen wie im Professionellen. Und wenn ein unrealisierbarer Trick zu kontraproduktiv wird, sollte man auf ihn lieber verzichten. Daran hat man sich hier leider nicht gehalten. Da wird jemandem ein Gegenstand in den Kopf gerammt, und damit das umsetzbar war, musste man das ganze natürlich auf eine Art machen, die der Rolle des Opfers keine Verletzungen zufügt. Und genau deswegen wirkt das Hereinrammen in den Kopf zu langsam, vorsichtig und zu früh gestoppt. Das ist die Art Billigtrickfehler, die nicht sein darf. Die anderen Tricks, die man wie erwähnt alle schnell durchschaut und theoretisch flink nachgemacht hat, zeigen spielerisch was mit simplen Mitteln möglich ist. Die Szenen wirken nur billig, nicht untauglich. Das Kopframm-Beispiel kann sich da leider nicht mit einreihen.

Das ist natürlich alles Kleinkrämerei für ein olles Amateurprodukt der Kategorie Heimarbeit. Aber ein Home Made-Amateurfilm darf ruhig auch mal eine genauere Besprechung erleben. Diese soll auch gleich enden, zunächst aber noch etwas, das wegen seiner ungewöhnlichen Art, ruhig erwähnt werden sollte: Es gibt einige Zwischensequenzen mit Horrorcomicbildern. Positiv hervorzuheben ist hierbei eine Sequenz, in der die Macher spaßeshalber eine billigst selbstausgeschnittene, schwarze Pappfigur über einen gemalten Hintergrund wandern ließen, um eine Monstersequenz einmal auf andere Art geschehen zu lassen. Etwas ähnliches darf man auch vor dem Vorspann sichten, dort fehlt allerdings mal wieder der Ton, so dass dies nicht so fröhlich anzuschauen ist, wie die besagte Szene innerhalb des Filmes.

Ob der Film eventuell sogar noch etwas besser als von mir wahrgenommen ist, könnte ich nur dann einschätzen, wenn Spanisch in meinem Sprachrepertoire vorhanden wäre. Bei witzigen Dialogen könnte „Aberracion“ sogar noch ein wenig besser sein.


OFDb

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