Dienstag, 13. November 2012

FREITAG DER 13. (Friday The 13th 2009 Marcus Nispel)


Ein junger Mann sucht seine verschollene Schwester und stößt auf eine Gruppe Jugendlicher, die im Haus eines Freundes Party machen wollen. Niemand ahnt, dass hier am Crystal Lake ein Menschenjäger sein Unwesen treibt und den Teens nach dem Leben trachtet...


Blaupausen sind immer blasser...

Von einem Remake zur „Freitag der 13.“-Reihe erwartet man sicherlich nicht viel. Zwar waren diese Filme neben den „Halloween“-Streifen mit die wichtigste, da genreprägendste Horrorslasher-Serie, aber sie waren schon immer lediglich für die schnelle Mark gedreht. Das zeigte sich allein schon am wirren, ewig wechselnden Konzept. Man war sich scheinbar nie sicher, wie es weiter gehen sollte. Da wechselten die Mörder, ab Teil 8 wurden die Enden der Vorgänger nicht mehr aufgegriffen, manche Filme wurden humorangereichert, andere wieder nicht, Haupttäter Jason wechselte sein Revier-Verhalten, machte in seiner Metamorphose Vor- und Rückschritte, und ab wann er nun wirklich als wandelnder Untoter galt, interpretiert jeder Fan für sich anders. Das einzig zu erkennende gleichbleibende Muster war die Erhöhung der Opferzahl und die Extreme, in welcher diese sterben durften.

Klingt so, als ob ein Remake zu dieser Reihe gar nicht schwierig wäre. Und allein dieser Satz beinhaltet schon, dass man auch auf den richtigen Spuren war: Kaum einer wollte ein Remake zu Teil 1. Jason war Kult, er ist es noch immer. Und wer würde es wagen ihn in einer Neuverfilmung auszulassen, erst recht wenn man sieht, wie sehr Filmemacher geschunden wurden, die des Fans liebsten Killer in Fortsetzungen wegließen („Freitag der 13. 5“, „Halloween 3“)? Da zudem ein Jason ohne Eishockeymaske nicht sein durfte, konnte man auch nicht einfach ein Remake der Teile 1 und 2 machen. Erst ab Teil 3 sah Jason aus, wie man ihn heute kennt (selbst wenn man nie einen der Filme gesehen hat) und so sollte er schließlich auch in der Neuverfilmung aussehen.

Das waren ziemlich viele Fanvorgaben, die einen in filmischer Kreativität extremst einschränken. Und deswegen muss man genau hier die Kernfrage stellen: Macht es Sinn eine Neuverfilmung nach den Wünschen der Fans zu drehen? Wenn man ganz ehrlich ist, war so ziemlich jeder Teil der „Freitag der 13.“-Reihe so eine Art Remake. Da gab es schlichte Zusammenhänge, wenn überhaupt waren die Teile 4 – 6 durch die Jarvis-Figur richtige Fortsetzungen. Aber eigentlich waren die Filme schon immer so arg plump, und auch durch all ihre leichten Veränderungen lediglich nur ein Aufguss des ewig gleichen Konzeptes, dass man nicht wirklich von Fortsetzungen sprechen könnte. Was wäre also sinnloser als eine offizielle Neuverfilmung nach gleichem Muster? So kurz nach „Freddy vs. Jason“ wäre eine Fortsetzung viel sinniger gewesen, zumindest dann, wenn man sich am Fan orientieren will, der immer das gleiche sehen möchte.

Ich selber bin Fan der Reihe und hätte wahrscheinlich gemotzt, wenn man zu viel geändert hätte. Eine völlige Neuinterpretation der Story hätte mir wahrscheinlich gestunken, auch wenn ich nicht uninteressiert an die Sache herangegangen wäre. Nun bekomme ich als Freund der Original-Reihe ein Remake präsentiert, das versucht sich direkt mit den Vorgängern zu identifizieren, und ich bin immer noch nicht zufrieden. Was habe ich denn eigentlich nun wirklich erwartet?

Um ehrlich zu sein nichts, konnte ich schon mit dem Remake zu „Blutgericht in Texas“ nur bedingt etwas anfangen, so dass mich die Nennung des Regisseurs in meiner Vorfreude bereits bremste. Aber um auf die Einleitung dieses Textes einzugehen: Was hätte ich denn eigentlich erwartet, wenn es theoretisch gesehen gar nicht so schwer ist ein Remake (nach Fangeschmack) der Originalreihe zu drehen?

Ich hätte erwartet, dass man relativ wenig am Konzept ändert, dass nervige Teens auf fiese Art ermordet werden, dass eine stimmige Waldkulisse und ein nicht näher erklärter Jason für eine dichte, wenn auch spannungsarme Atmosphäre sorgten (das war immer so, wenn überhaupt gab es mal in Teil 3 einen Anflug von Spannung) und dass es eine Heldin gibt mit der man sich identifizieren kann. Das sind nicht viele Erwartungen, schließlich ist wie bereits erwähnt die Originalreihe schon keine Fundgrube individueller Ideen gewesen. Diese wusste aber immerhin meist zu überzeugen.

Der „Freitag der 13.“ von 2009 macht in der Theorie so einiges richtig, er hinterlässt aber den Eindruck, dass wer am Werk war, der mit den Originalfilmen wenig anfangen konnte. Der Film guckt sich zu theoretisch. Ich könnte sicherlich mit viel Mühe auf primitive Art das Buch „Christine“ von Stephen King neu schreiben. Und auch wenn ich noch so versuchen würde den Stil des Buches zu treffen, würde ich doch nur eine Kopie ohne Seele hinterlassen. Dies tat Marcus Nispel mit „Freitag der 13.“.

Und es fällt mir schwer genau herauszuarbeiten, was denn da nicht richtig funktioniert hat. Sicherlich kann man zunächst einmal von den offensichtlichen Fehlern ausgehen:

- Figuren, die nur kurz auftauchen, erinnern an die typischen Hinterwäldler der beiden letzten Beiträge zum „Texas Chainsaw Massacre“. Das passt nicht wirklich zur Atmosphäre eines „Freitag der 13.
- Jason ist ein richtiger Jäger mit Fallen, professioneller Nutzung von Jagdwaffen, ja sogar elektrisches Licht nutzt dieser Mann. Das könnte man zwar alles als etwas positives sehen, immerhin kann man sich das Leben des aktuellen Jason im Wald vorstellen (jene Momente, die in den Filmen nie gezeigt werden). Das konnte man beim alten Jason nicht. Andererseits umwehte den Original-Vorhees-Sohn schon immer eine Mystik, wenn auch nicht so stark wie die eines Michael Myers. Das Geheimnisvolle, ja selbst das Ungeklärte an seinem lebendigen Zustand, musste eigentlich immer unangetastet bleiben, damit die Figur des Jason richtig funktionieren konnte. Unser 2009-Eishockeymasken-Killer ist ein mutierter Hinterwäldler, so wie wir ähnlich angelegte Figuren in „Wrong Turn“ erleben durften. Das war ein schöner Film, die Idee war nett, aber zu Jason passt das einfach nicht. Ganz oder gar nicht hätte die Devise heißen sollen. Ein Mix aus denkendem Jäger und debilem Original-Jason wird nun mal kein Ganzes. Irgendetwas will da nicht zusammenpassen. Ärgerlich ist in diesem Punkt auch, dass es fast parallele Szenen zum erwähnten „Wrong Turn“ gibt, wohl am auffälligsten in jener Einstellung, in der die Helden sich wo verstecken und der Killer vor ihrer Nase ein Opfer auf die Erde plumpsen lässt.
- Dass eine Frau Ähnlichkeit mit der wichtigsten Frau im Leben der Horrorfigur hat, ist ein alter Hut, den man allerspätestens aus Mumien-Horrors kennt. Zum klassischen Gruselfilm passt das wunderbar. Aber was hat dieser Bereich in einem Slasher zu suchen? Klar, es war die einzige halbwegs sinnvolle Erklärung dafür, warum Jason wen am Leben lassen sollte, aber musste dieser Bruch überhaupt hinein? Wozu Gefangene?
- Jason jagt in einem festen Revier. Das lässt die Frage aufblitzen, warum er nach all den Jahren urplötzlich, nur weil es Nispel zur Erhöhung der Opferzahl gerade in den Kram passt, die Behausungen der Bewohner aufsucht, die man zuvor kurzfristig kennen lernen durfte. Was hat ihn bewegt diesmal angrenzende Bewohner zu töten? Was hat ihn gehindert dies nicht schon vor Jahren gemacht zu haben?
- Wenn man schon unbedingt Teil 2 ehren will mit einer improvisierten Geschichtsbekleidung und unbedingt den Moment einfangen will, in dem Jason seine klassische Eishockeymaske bekommt, warum wurde dann dort nicht eine gewisse Mystik aufgebaut? Jason killt, Jason findet zufällig die Maske, na prima, zieh ich sie mir mal auf. Das ist wirklich peinlich zu nennen und dürfte wohl ein passendes Beispiel für die oben erwähnte „blasse Kopie“-Behauptung sein. Hier zeigt sich, dass „Freitag der 13.“ 2009 lediglich Auftragsarbeit war und nicht mit Kennerschweiß- und blut entstand.

Aber mit Neuerungen und Änderungen musste man wohl rechnen. Das erklärt allerdings trotzdem nicht, warum die Teenager so extrem unsympathisch gewählt wurden. Auch mit denen der Original-Reihe hat man nur selten mitgefiebert. Die Teenager der Neuverfilmung sind alles Sprücheklopfer, nicht einmal Teenager in ihrer Persönlichkeit, sondern kleine Erwachsene, die nicht einmal Partyspiele spielen können ohne bieder herumzukeifen. Zudem sind sie strohdumm, sprich im Vergleich einfach noch dümmer als die Teens, die man sonst immer sichten durfte. Teenager sind leichtsinnig, denken nicht alles zu Ende und ihren Lebensabschnitt nennt man nicht umsonst die Flegeljahre. Die Jugendlichen des Remakes sind nur noch Freaks, nur noch Außenseiter der Gesellschaft. Jene die es nicht sind, sind Abziehbilder schleimiger Vorzeige-Teenager, wie man sie auch in der Werbung zum Mc Donald-Scout oder zum Lidl-Azubi sichten darf, so wie sie auf dem Becks-Schiff sitzen oder in Musikvideos und Modeheften auftreten. Politisch korrekte Schleimscheißer ohne Seele und ohne eigenen Charakter. Diese verärgern beim Zuschauen noch mehr als die Freaks. „Freitag der 13.“ muss kein realitätsnahes Werk sein, aber es wäre zu wünschen gewesen wenigstens greifbare Menschen aus dem Leben zu verwenden und nicht irgendwelche seelenlose Produktklone aus dem breitgefächerten Bereich der Werbeindustrie.

Die beiden weiblichen Hauptcharaktere sind leider auch nicht sonderlich überzeugend. Die Gefangene sieht aus wie Franka Potente, spielt nur wesentlich plumper (mag auch nur den Anschein erwecken, da das Drehbuch ihr auch nicht allzu viele Chancen ließ) und die andere wirkt wie die blasse Jennifer Love Hewitt in „Ich kann’s kaum erwarten“. Sie soll lediglich niedlich sein, aber sie wirkt zu mauerblümchenhaft, in ihr steckt nicht das Zeug einer Heldin. Gut, das hat Nispel begriffen und die eigentliche Heldin ist der Potente-Klon, da dieser aber fast auf der Gesamtlänge des Films nur eingesperrt ist, dient der Hewitt-Klon als Lückenfüller. Und nicht einmal das haut hin. Dass die seit Wochen Eingesperrte nach all der Zeit noch immer ausschaut, als sei sie aus einem Modeheft entlaufen, verärgert in der hier gezeigten Extreme auch in einem Film für Teenager.

Jason selber wirkt nur bedingt. Ich kann nicht genau ausmachen was es ist, aber er wirkt nicht wie Jason. Mit der Eishockeymaske stimmt etwas nicht, die Gangart ist nicht richtig und er ist eine viel zu ernsthafte Bedrohung und wirkt dadurch paradoxer Weise weniger bedrohlich. Ich kann es jedoch nicht wirklich erklären. Zudem bevorzuge ich das Jason-Outfit ohne Haare, hier haben wir wieder einen Struwel-Killer a la „Freddy vs. Jason“.

Etwas schade fand ich, dass man die Erzählung zu Teil 1 so kurz gehalten hat. Erst recht wenn man bedenkt, dass man in den ersten 20 Minuten eine Kurzvariante dessen zu sehen bekommt, was im Rest des Filmes langgestreckt noch einmal passiert. Hätte man diesen ersten kurzen Part weggelassen und gegen eine längere Vorgeschichte der Geschehnisse um Jasons Mutter ausgetauscht, wäre der Wiederholungsaspekt nicht so groß gewesen, und die Laufzeit würde nicht so gestreckt wirken. Allerdings wäre auch der Bodycount geringer. Und das wollte man wohl verhindern, wenigstens etwas, das vom Urkonzept unverfälscht bleiben sollte.

Haltet mich für jemandem, dem man es nie recht machen kann, aber in meinen Augen wäre dies der entscheidende Punkt gewesen, Veränderungen vorzunehmen. Hier werden die Morde und die Art derer von den Originalen kopiert, sicherlich auch stellenweise ehrfürchtig gemeint. Aber das Horrorgenre ist härter geworden. Und ob man das nun gutheißt oder nicht, zum Slasherbereich gehörte seit je her die wachsende Härte. Und da reicht es über 20 Jahre nach dem Original einfach nicht, die selbe Gangart wie einst einzuschlagen. Gerade Filme wie „Hatchet“ haben doch gezeigt, wie abartig und grotesk man die Morde eines Jason, Freddy und Michael in der Moderne weiterspinnen kann. Da braucht man zwar einen harten Magen, aber diese Extreme findet auch nicht ohne Augenzwinkern statt.

Der klassische geistfreie Slasher ist kein Genre mehr, das man ernst nehmen kann. „Freitag der 13.“ 2009 hätte keine Horrorkomödie werden müssen wie „Hatchet“, aber ein ironischer Umgang mit dem Thema wäre schon wünschenswert gewesen. Auch wenn man versucht hat den Jason-Charakter griffiger zu gestalten, und er somit nicht mehr das Hohlbrot der Originale ist, so hat man ansonsten doch viel zu sehr das klassische Slasherrezept aufgegriffen, als dass es nicht leicht zu parodieren gehört hätte. Selbst die ursprüngliche Reihe um Jason erkannte dies und ließ Humor nicht außen vor. Im Remake blitzt dieser nur in Teenagersprüchen auf. Dort erntet er sicherlich genug Schmunzler, hier war aber nicht die entscheidende Stelle um Komik zu setzen.

„Freitag der 13.“ bietet sicherlich vieles was man von einem Slasher erwartet, er guckt sich aber nicht wie ein „Freitag der 13.

Da könnte ich auf dem zweiten Blick mit leben, aber selbst als Slasherbeitrag für sich finde ich ihn zu müde umgesetzt. Alles wirkt etwas zu steril, alles etwas zu glattpoliert, einfach wie ein Produkt. Wahrscheinlich wäre man mit einem völlig eigenem Slasherbeitrag wesentlich besser gefahren. Ums Leben rennende Teenager zu sehen, die vor Mördern mit Maske flüchten, macht, warum auch immer, einfach fast jedes Mal Spaß, so auch hier. Letztendlich ist Nispels Film aber einfach zu gewöhnlich ausgefallen und zeigt rein gar nichts, was den Streifen hervorgehoben hätte. Vielleicht hätte auch hier wieder eine entscheidende Veränderung im Hinblick auf die Originale stattfinden müssen: Vielleicht hätte Nispels Film einfach der erste „Freitag der 13.“ sein müssen, der Nervenkitzel erzeugt.

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