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Sonntag, 17. August 2014

DER RIPPER KOMMT AUF LEISEN SOHLEN (Casa D'Appuntamento 1972 Ferdinando Merighi)


Ein mutmaßlicher Prostituiertenmörder wird vor Gericht schuldig gesprochen. Er stirbt auf der Flucht, und kurz nach seinem Tod gehen die Morde mit gleicher Handschrift weiter...


Mit Lackschuhen ist nicht leise treten...

Mit seinem dritten und letzten Film beteiligte sich Regisseur Ferdinando Merighi recht früh an der aktuell in Mode gekommenen Giallo-Welle. Dass er mit dem ziemlich schluderig heruntergedrehten Film nichts Großes hinterlassen hat, wundert nicht. Dass „Der Ripper kommt auf leisen Sohlen“ selbst innerhalb der Fan-Kreise um Giallos nicht wirklich ernst genommen wird, wundert nach Sichten allerdings ebenso wenig.

Okay, um Logik geht es in Giallos nur all zu selten. Sinnvolles Handeln steht da auch in manch besseren Werken hinten an. Aber „Das Auge des Bösen“ (Alternativtitel) ist so wirr erzählt und mit einer Masse an Füllszenen angereichert, die keinerlei Bezug zu zukünftigen Ereignissen haben, dass man fast an dem Vorhandensein eines Drehbuches zweifeln darf. Zumindest fehlt es Merighi an der Übersicht, und so schaut sich der Streifen mit seiner wirren Handlung im Retro-70er Stile mit stimmiger im besagten Jahrzehnt festsitzender Hintergrundmusik untermalt zwar ziemlich unnötig, aber auch unterhaltsam, zumal bei dem oft unzusammenhängenden Aneinanderreihen von Szenen eigentlich nie Desinteresse und Langeweile aufkommt.

„Casa D‘Appuntamento“ (Originaltitel) ist kein Goethe, aber ein angenehmer Schundfilm durchaus, jedoch auch einer von dem man nicht all zu harte Szenen erwarten sollte. Gore und Erotik sind für einen italienischen Film stark zurück geschraubt. Und andere Schauwerte sind in der simpel abgefilmten Optik ebenfalls nicht enthalten. Da wird bei den Morden das Bild farblich manipuliert und kurz darf man auch mal eine Szene im Negativmodus sichten, aber aufregend ist das alles nicht, so dass selbst handwerklich gesehen „Der Ripper kommt auf leisen Sohlen“ kein klassischer Giallo ist. Da passt es schon, dass er bei einer Deutsch-Italienischen Gemeinschaftsproduktion völlig untypisch in Frankreich spielt.

Dass die Auflösung ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist, wundert nach den 90 Minuten die man zuvor gesichtet hat nicht, zumal man bis dahin viel wunderlichere Szenen gesehen hat, wie z.B. das Sezieren eines Augapfels im Grobmotoriker-Verfahren, das penetrante Rauswerfen von Menschen nach den dümmlichsten Verhören und einen Motorradunfall mit höchst unglaubwürdigen Folgen. Da wartet viel unfreiwillige Komik auf den Zuschauer, die gefördert wird von einem Hauptdarsteller im Humphrey Bogart-Stile, gespielt von einem Mann der dem jungen Horst Tappert stark ähnelt. Zudem lauern die typisch überzogenen Handlungsweisen notgeiler Italiener und zickiger Italienerinnen auf den eher rational zuschauenden Deutschen, was zwar nicht in einem solch großen Affentheater endet wie im völlig grotesken „Torso“, einen aber schon recht oft schmunzelnd die Augen verdrehen lässt.

Dank seiner Stimmung, an der die eben erwähnte Hintergrundmusik viel Anteil dran hat, schaut sich „French Sex Murders“ (Alternativtitel) jedoch nie nur unfreiwillig komisch. Zugegeben, wahre Stärken besitzt der Streifen nicht, aber Retro-Freunde, die sich in schäbigen 70er Jahre-Filmen zu Hause fühlen, werden auch hier mental ankommen und für etwa 90 Minuten mal jene Art vergangenen Schmuddelfilm genießen, der in der heutigen cineastischen Landschaft längst nicht mehr möglich wäre. Die unfreiwillige Komik geht hier auf angenehme Art Hand in Hand mit der angenehm schundigen Atmosphäre, die geradezu typisch für den italienischen Film dieser Zeit ist.

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