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Donnerstag, 4. September 2014

FRÖSCHE (Frogs 1972 George McCowan)


Auf einer Insel bereitet sich eine Industriellen-Familie auf eine Geburtstagsfeier vor, als ein Umweltschützer zu ihnen stößt. Nach und nach werden Mitarbeiter und Mitglieder der Familie Opfer diverser Tiere, die auf der Insel heimisch sind...


Gastauftritt: die Vögel...

Ziemlich zu Beginn der in den 70er Jahren aufkeimenden Tier-Horror-Welle erschien „Frösche“, der im Gegensatz zu dem was uns der Titel weiß machen will keine spezielle Tierart auf den Menschen losließ, sondern ähnlich wie später in „Panik in der Sierra Nova“ gleich alle möglichen. Es tauchen Schlangen, Echsen, Schildkröten und Frösche auf, aber auch Vögel und Spinnen. Ähnlich dem Kinderfilm „Konferenz der Tiere“ tun sich sämtliche Gattungen zusammen, um dem Menschen eine Lektion zu erteilen. Freilich ist ihr Weg grausamer als jener aus der Kinderliteratur, ihr Vorgehen und ihr Beweggrund erinnert eher an Hitchcocks „Die Vögel“. Der Mensch soll Respekt vor den Tieren lernen, und im Gegensatz zu Hitchcocks gewählten Protagonisten sind die des hier besprochenen Streifens alles andere als lernwillig.

Ein Fehler des Autors und ein Nichtverstehen des Ideengeber-Filmes aus den 60er Jahren? Scheinbar nicht, denn die Ignoranz jeglicher Lernwilligkeit wird bestraft, so dass keiner der hier agierenden Figuren ein Happy End erfahren wird. Die Lernwilligen aus „Die Vögel“ scheinen zumindest eine Chance zu erhalten, fahren jedoch in ein ungewisses Ende. In „Frogs - Killer aus dem Sumpf“ (Alternativtitel) sind sie alle verdammt - auch wenn dem Film die apokalyptische Wirkung aus Hitchcocks Meisterwerk fehlt.

Dafür ist „Frogs“ (Originaltitel) zu einfach gestrickt und zu simpel heruntergefilmt. Aber wenn der Name des Produzenten Samuel Z. Arkoff im Vorspann erscheint, ist man als Cineast ohnehin vorgewarnt und erwartet nichts weiteres als Trivialunterhaltung, ob nun gelungen oder nicht. Arkoff ist durch seine fürs Autokino produzierten Monsterfilme der 50er Jahre berühmt, von denen so einige unter der Regie Roger Cormans fertiggestellt wurden. Die Firma, welche „Frösche“ fertig stellte, ist gar die selbe wie einst, was nur zeigt wie erfolgreich Arkoffs billig heruntergedrehtes Alternativprogramm zu professionell gedrehten Kinofilmen war.

„Die Frösche“ (Alternativtitel) wird die Gemüter spalten. Billig herunter gedreht aber noch halbwegs passabel besetzt erzählt er nichts was man nicht schon einmal gesehen hätte, und er erzählt es im Vergleich mit Hitchcocks Werk schlechter. Interessant ist jedoch dass er trotz der Thematik diverser Umweltverbrechen und der Rolle eines Umweltschützers im Zentrum keineswegs einer dieser Öko-Filme a la „Barracuda“ und „Doomwatch“ geworden ist. Viel mehr ist er eine Satire die in alle Richtungen ausschlägt und selbst den Umweltschützer als regulären Teil der unangenehmen Gattung Mensch zeigt. Selbst der bessere Mensch ist nichts anderes als ein Aggressor.

Wer das Flaire der 70er Jahre mag und sich mit einer routiniert erzählten Geschichte zufrieden gibt, kann Freude mit George McCowans „Frösche“ haben, einem Film in welchem die titelgebenden Tiere kaum tätig werden und eher wie Beobachter, wie die Vorhut wirken. Nach Sichten des Filmes wundert es nicht, dass McCowans Karriere hauptsächlich im amerikanischen TV fruchtete. Als Regisseur von Serien wie „Starsky und Hutch“, „Drei Engel für Charlie“, „Krieg der Welten“ und „Fantasy Island“, um nur einen kleinen Auszug zu nennen, war er immerhin des öfteren an berühmteren und/oder sympathischen Projekten beteiligt, aber durch sein eingeschränktes Talent eben fast ausschließlich nur im Fernseh-Bereich.

Ob ein besserer Regisseur viel mehr aus „Frösche“ hätte herausholen können sei jedoch dahin gestellt. Zwar wirkt der Streifen in der ersten Hälfte straffer erzählt und mit einem konsequenteren roten Faden versehen als zur zweiten Hälfte hin, was ein Fehler der Regie sein könnte, aber allein das Fehlen echter Spezialeffekte stellt „Frogs“ ein Beinchen für Menschen, die mehr als netten Trash sichten wollen. An Attrappen wird gespart, es wird lediglich mit realen Tieren gearbeitet, und deren Taten wirken weder echt noch bedrohlich. Durch das Ausblenden einige der Aktionen dürfen auch gerne einmal Fragezeichen über den Köpfen der Zuschauer tanzen, so z.B. bei der Frage wie die olle Schildkröte sich wohl seine Opfer geholt hat.

Aber wenn man sich an diesen Szenen, die eigentlich Hauptaugenmerk solcher Streifen sind, nicht stört oder sie trashig charmant findet, kann man durchaus Gefallen an „Frösche“ finden, strahlt er doch seinen eigenen individuellen Reiz jenseits reiner unfreiwilliger Komik aus, auch wenn sich die Geschichte gerne einmal im Kreis dreht, gerade dann wenn es um das Familienoberhaupt geht, verkörpert vom schauspielerischen Urgestein Ray Milland, den viele aus „Kampfstern Galactica“ und „Der Mann mit den Röntgenaugen“ kennen werden. Es ist seine starrsinnige Figur, die den Satiregehalt der ganzen Chose besonders deutlich macht.

„Frogs“ ist mit Schönheitsfehlern versehen und aufgrund seiner Produktionsmängel kein großer Film seiner Zeit. Aber mit heruntergeschraubten Erwartungen und dem Spaß am 70er Jahre-Stil kann er schlichten Gemütern durchaus gefallen. Man muss dem alten Schinken zugute halten, dass er recht früh in der Tier-Horror-Welle aufgetaucht ist und man rückwirkend nur schwer erkennen kann, welchen Einfluss er auf spätere Projekte dieses Sub-Genres hatte. Umgekehrt ist Hitchcocks Einfluss auf diese Billigproduktion deutlich zu erkennen, für den Blindesten unter den Zuschauern spätestens in der Vogelattacke, in welcher die selben Tricks wie 1963 angewendet werden - mit mauer Wirkung im Gegensatz zu „Die Vögel“.

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