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Samstag, 13. September 2014

UNDER THE BED - ES LAUERT IM DUNKELN (Under the Bed 2012 Steven C. Miller)


Nach zwei Jahren bei seiner Tante wohnend kehrt Neal in seine Heimat zurück, um die neue Freundin seines Vaters kennen zu lernen. Man möchte wieder als Familie zusammen wachsen, nachdem Neal einst den Feuerteufel spielte und bei einem großen Brand daheim seine Mutter umkam. Was niemand weiß: Neal versuchte lediglich ein Monster unter seinem Bett zu töten. Einzig sein kleiner Bruder Paul glaubt dem Heimgekehrten, lauerte ihm das Monster seit Neals Abreise doch ebenfalls jede Nacht auf. Gemeinsam wollen sie es bekämpfen, doch ihr Vater steht ihnen im Weg, der endlich ein normales Leben führen möchte und der Meinung ist, dass die Kindereien der beiden endgültig zu enden haben...


Mit Motorsägen spielt man nicht...

Für einen Horrorfilm ist es immer wieder von Vorteil, wenn auch nur für ein Teilpublikum, wenn er mit Ängsten aus der Kindheit spielt. Was liegt bei diesem Gedanken näher als das gute, alte, klassische Monster unter dem Bett zu thematisieren, erst recht wenn man es auf einen familiengerechten Grusler a la „Poltergeist“ abgesehen hat, sprich einen Film der den Horror ein wenig abenteuerlich und charmant darstellen möchte. Wenn man sich nun noch die Angst vor der Dunkelheit zu Hilfe holt, kann ein solcher Stoff schon fast nicht mehr scheitern, auch wenn die Ausgangslage sicherlich nicht die innovativste und neueste ist. Spätestens zwei Brüder in den Mittelpunkt dieser Geschehnisse setzend erinnert endgültig an den wunderbar gruseligen „Fear Of The Dark“.

Ging bei diesem jegliches Gruselgefühl ab da flöten, wo die Bedrohung ein Gesicht erhielt, so weiß dieser Punkt „Under The Bed“ nicht zu schaden. Sicherlich wäre es nicht nötig gewesen in einem Werk, welches einen gewissen Retro-Charme ausstrahlen möchte, teilweise auf ein CGI-Monster zurück zu greifen (und auch dieses wirkt nicht sonderlich einfallsreich), aber da es nicht um Schauwerte geht und die Kreatur glaubwürdig aussieht, ist das auch gar nicht schlimm. Der Horror soll sich hauptsächlich im Kopf abspielen, und auch wenn der hier besprochene Streifen nicht so intensiv auf Grusel setzt wie „Fear Of The Dark“, so weiß er doch trotzdem eine recht stimmige, wohlig gruselige Grundatmosphäre aufzubauen und lange Zeit aufrecht zu erhalten.

Das ganze bleibt recht jugendfreundlich umgesetzt, achtete man doch mehr auf die Problematik dass die Kinder im Schatten der Vorstellungen ihrer Eltern agieren müssen, als auf eine objektive Familientragik. „Under The Bed“ ist ein Film aus dem Blickwinkel eines Jugendlichen und dies im Dialog mit dem kleinen Bruder so konsequent umgesetzt, dass man fast vergessen könnte einen Horrorfilm zu sichten. Das Bruderpaar muss sich dem Kampf gegen das Unbekannte stellen, dieser wundervolle Mix aus Familienfilm für Ältere, Horror und Abenteuer erinnert zurecht an 80er Jahre Werke wie „Gremlins“ und Co. Hatte ich bei Joe Dantes mauen „The Hole“ gehofft ein derartiges Ergebnis vorzufinden, so wurde ich zumindest bei „Under The Bed - Es lauert im Dunkeln“ fündig.

Aber auch der schafft es nicht konsequent gut zu unterhalten. Zwar nimmt er sich zu Beginn viel Zeit für die Figuren, ihr Gefühlsleben und der Situation in der sie sich befinden und erwartet er in seiner angenehm langsamen Inszenierung lobenswert Geduld vom Zuschauer, in einer Zeit wo das Massenpublikum diese nicht mehr besitzt, so erfahren die einzelnen Handlungsstränge am Rande leider nicht genug Beachtung. Eine Stunde lang ist „Under The Bed“ kompromisslos toll erzählt, verlässt sich einzig auf Atmosphäre und die von den Schauspielern gut dargestellten Charaktere (besonders Gattlin Griffith in der Rolle des Paul weiß zu gefallen), dann aber möchte der Autor das Erzählte zu krampfhaft auf 90 Minuten eingrenzen und lässt etwa 30 Minuten vor Schluss, pünktlich angekommen im dritten Drittel, das Grauen urplötzlich über alle hereinbrechen, so plötzlich und intensiv, dass alles um dieses Geschehen herum vergessen oder vernachlässigt wird.

Die vorher recht gut Beachtete Dramatik fällt bei einem unerwarteten extremen Familienverlust komplett unter den Teppich. Die immer wieder eingebaute weibliche Teenie-Nebenfigur, die nie tatsächlich sinnvoll in die Geschichte integriert wurde, erfährt endgültig den Stempel der völligen Unwichtigkeit. Gesetzmäßigkeiten des Spuks werden gebrochen. Ein Ausflug auf die andere Seite wird auf die Schnelle uneffektiv abgehandelt. Und über den Hintergrund der ganzen Geschehnisse, sowie über die Gesetzmäßigkeiten dessen was übernatürlich geschah, wird der Mantel des Schweigens gelegt. Sogar das plötzliche Hilfsmittel am Schluss, mit welchem die Kreatur endgültig zu besiegen ist, wird in keinem sinnvollen Zusammenhang zu seiner Wirkung gesetzt. Man hat es einfach als das Gegenmittel des Monsters zu akzeptieren.

Eine zuvor sensibel erzählte Geschichte wird völlig unsensibel beendet und vernachlässigt damit die Psychologie des Geschehenen. Standen Taten und Personen sonst in sinnvollem Bezug zueinander, so will sich hinter der Symbolik des eigentlichen Spuks und dessen Konsequenzen analytisch nichts Sinnvolles erkennen lassen. Da werden weder Amerika-typische Klischees über Familienmoral oder andere Banalitäten versteckt, noch steht ein reiferer Grundgedanke hinter dem Erzählten. Am Ende ist „Under The Bed“ ein viel zu hohles Gefäß, stimmig inszeniert, keine Frage, und auch in seiner schwachen Phase noch recht unterhaltsam, aber das vorhandene Potential wurde mit dem letzten Drittel komplett verschenkt.

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