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Mittwoch, 10. September 2014

12:01 (1993 Jack Sholder)


Der mittelmäßige Angestellte Barry Thomas hat nicht nur gerade einen seiner miesesten Arbeitstage erlebt, heute wurde vor seinen Augen auch noch seine heimlich Angebetete erschossen. Als sich der erlebte Tag wiederholt, merkt Thomas nicht nur dass er die Chance hat die Liebe seines Lebens zu retten, er muss auch einen Weg finden die Menschheit aus einer Zeitschleife heraus zu retten, die durch ein physikalisches Experiment entstanden ist, an dem seine Love Interest beteiligt war...


Fauler Bengel, Zeit aufzustehen...

Als 1993 der sehr lustige „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ein Erfolg an den Kinokassen wurde, da wussten nur die wenigsten Zuschauer, dass dieser dreist die Idee der Kurzgeschichte „12:01 PM“ von Richard Lupoff klaute. Aufgrund besagten Erfolges bekam diese zumindest eine Verfilmung per TV-Produktion beschert, und so lustig diese auch beginnen mag, die Geschichte um einen sich immer wiederholenden Tag und eines einzigen Mannes, der dies bemerken kann, ist keine reine Komödie wie der Film mit Bill Murray. Im Gegensatz zu diesem bekommen wir eine Erklärung der Ereignisse geliefert und damit eine Motivation der Hauptfigur sinnvoll zu handeln.

Lustiger Weise ist dies als lausiger Mitarbeiter der Personalabteilung nicht gerade Barrys Stärke. Er besitzt Potential das er nicht wirklich zu nutzen weiß, dennoch ist er nur ein Durchschnitts-Typ, der erst lernen muss sinnvoll zu handeln, und für die Hintergründe des Geheimnisses, auf das er stößt, 1 und 1 richtig zusammen zu rechnen. Freilich erlebt er bei der Errettung der Menschheit auch manche Überraschungen, so dass sich vorher Gewusstes als falsch heraus stellt und Barry auf neue Fährten gelenkt wird. All zu ausgeklügelt kommt die Geschichte trotzdem nicht daher. Sie bleibt übersichtlich und schlicht, so dass der Thriller-Gehalt des Streifens lediglich gleichrangig neben dem zurückgeschraubten Komödien-Element abläuft, ohne dass die Spannungskurve gleich über-aufgeregt nach oben steigen würde.

Als Film mit einer solch irren Idee wie den immer wiederholenden Tag hat er solche Zusatzreize auch gar nicht nötig, weiß doch bereits sie den kompletten Film zu tragen. Um so schöner ist es, dass sich nicht einzig auf ihr ausgeruht wird. Zwar ist immer wieder deutlich die Kostengünstigkeit einer TV-Produktion erkennbar, z.B. wenn eine Verfolgungsjagd nicht ganz so rasant abläuft wie in einem professionellen Kino-Film, aber man merkt den Beteiligten des Projektes ihr Engagement an. Der Soundtrack weiß in den humorvollen Szenen zu wirken, auch wenn er in den spannenden etwas arg routiniert vor sich hin plätschert, die Schauspier sind mit viel Spielfreude dabei, selbst die typisch blass agierende Helen Slater, und insgesamt ist der Streifen mit einem verspielten Charme versehen, der nicht nur über die Hauptfigur Barry auf den Zuschauer übertragen wird, aber doch hauptsächlich.

„12:01“ ist trotz schlichter Umsetzung ein wahrer Hingucker, ein kleiner Geheim-Tipp im Science Fiction-Genre und damit leider keineswegs so bekannt wie er es verdient hätte. Im Gegensatz zu späten Plagiaten der Geschichte (z.B. "Und täglich grüßt der Weihnachtsmann") ist er eine ernste Konkurrenz des frisch daher kommenden Ideen-Diebstahls „Und täglich grüßt das Murmeltier“, einfach weil er die Story mit ganz anderen Schwerpunkten angeht, auch wenn freilich so manche obligatorische Idee, die an dem Hauptaspekt der Geschichte gebunden ist, in beiden Filmen Verwendung findet.

So darf Barry beispielsweise sterben und sein Wissen für den perfekten Tag ebenso nutzen wie für reinen Egoismus. Da „12:01“ allerdings keine Geschichte der Moral ist, sondern eine um Verantwortung, Liebe und Thrill, spielt er gar nicht erst zu einem solch langen Zeitraum wie der Murmeltier-Film, was der Story zugute kommt, die augfrund der anderen Schwerpunkte zu schnell bei zu häufiger Wiederholung geschwächelt hätte, im Gegensatz zum Vergleichsfilm, der gerade aus dieser Extreme seine größten Momente heraus holte. In „12:01“ geht es um das Weiterkommen eines Menschen gefangen in der Wiederholung, um das Zuspitzen von Situationen durch das Einmischen Barrys, und damit tatsächlich um eine Handlung anstatt lediglich um eine Wandlung.

„12:01“ ist pfiffig ohne all zu intelligent und verkopft zu werden, charmant ohne sich anzubiedern, romantisch ohne zu nerven, witzig ohne das Murmeltier zu kopieren und spannend ohne Gefahr laufen zu müssen sich nicht mit dem Humoranteil arrangieren zu können. Kurzum: Regisseur Jack Sholder („The Hidden", „Nightmare 2") ist mit seiner kleinen Popelproduktion ein kleines Wunder geglückt, das man, wenn schon nicht zwingend auf DVD besitzend, mindestens einmal bei einer seiner x Ausstrahlungen im TV gesehen haben sollte. Da es sich bei diesem Werk um einen Film handelt, den man gerne öfters guckt, wird dieser Sichtung der Kauf der DVD ohnehin folgen - zumindest für Sammler.


1 Kommentar:

  1. Jaaa, toller und leider viel zu unbekannter Film! Mag ich auch sehr :)

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