09.01.2015

DER FLUCH VON SINIESTRO (1961)

Ich hatte mich sehr auf „Der Fluch von Siniestro“ gefreut, klang es doch interessant dass sich die Hammerstudios zu ihrer Bestzeit der Werwolf-Thematik widmeten und dieses Projekt auch noch Regisseur Terence Fisher überließen, der solche Meisterwerke hervorbrachte wie den ersten „Dracula“ mit Christopher Lee oder die tolle Jekyll und Hyde-Verfilmung „Schlag 12 in London“. Der hier besprochene Film gehört jedoch leider zu seinen missglückten Ausnahmen wie „Brennender Tod“ oder „The Earth Dies Screaming“, auch wenn der Vergleich zu letztgenanntem Streifen dann doch etwas hart ausfällt.

Das Problem an „Der Fluch von Siniestro“ ist noch nicht einmal das von fast jedem Schauspieler zelebrierte Overacting. Dies weiß gerade zu Beginn sogar zu wirken und bindet einen emotional an das tragische Schicksal des Bettlers, mit dem alles losgehen wird. Auch die fast schon komödiantische Darstellung des Grafen, wenn dieser sein greises Alter erreicht hat, besitzt ihren Charme und verdeutlicht eine gewisse Distanz des Werkes her wie ein Comic für Erwachsene wirken zu wollen anstatt wie ein all zu sehr auf Realität schielendes Horror-Drama.

Leider ist „The Curse of the Werewolf“ (Originaltitel) zu sprunghaft erzählt. Ständig wechselt er Zeiten und Orte und damit die Personen im Mittelpunkt. Dies lässt ihn jedoch aufgrund der jeweils nur angerissenen Geschichte nicht wie einen Episodenfilm schauen, sondern einfach nur wie eine unsensible Erzählung, die krampfhaft versucht ihre Vorgeschichte möglichst kompakt vorzutragen. Dass hierfür auch Hintergrundinformationen durch zeitlichen Stress in Erklärungsnöte geraten und uns nur notdürftig die für den weiteren Verlauf obligatorischen Informationen mit auf dem Weg gegeben werden, ist nicht nur aufgrund der Hetze und Lückenhaftigkeit unangenehm zu nennen, sondern auch aufgrund der damit einhergehenden fehlenden Glaubwürdigkeit, die auch ein Comicfilm bis zu einem gewissen Grad einfangen muss.

Alle Figuren können sich schnell mit ihrem unheimlichen Wissen anfreunden. Selbst der Pfarrer schlägt nicht Alarm bei dem von einem fremden Wesen besessenen kleinen Jungen. Dieser hält sein Treiben nur für einen Traum, sein Ziehvater hingegen zieht viel zu schnell die wahren Schlüsse. Aus kaum nachvollziehbaren Gründen legt man den Mantel des Schweigens auf den Fluch, hauptsächlich in der Hoffnung dass er nie wieder ausbrechen möge.

Im Jetzt angekommen, wo die Hauptgeschichte etwa zur zweiten Filmhälfte endlich in Angriff genommen wird, wird das Niveau jedoch nicht besser. Zu distanziert ist das Spiel des Helden, mit dem man einfach nicht warm werden möchte. Zu gehetzt wirkt auch hier der Aufbau eines Grundgerüstes für kommende Ereignisse, das uns im Schnellverfahren zum einen den Wunsch zur Selbstverwirklichung nahe bringt und uns dafür eine lange Reise suggeriert, die im nachhinein doch nur in ein benachbartes Dörfchen führt, und uns zum anderen viel zu plötzlich die Information zuspielt, dass der junge Mann ein Verhältnis mit der Tochter seines Chefs hat. Aber so ist das halt, wenn man für den Haupterzählstrang nur einen halben Film lang Zeit hat.

An Charme der Figuren mangelt es auch im Hauptteil immer noch komplett, und das bleibt auch so bis zum hektischen Schluss, in welchem zwar endlich einmal die Post abgeht, der Film aber inkonsequent auf ein dramatisches Finale zusteuert, ohne zumindest ein mögliches Happy End vorzutäuschen, wo dies doch möglich gewesen wäre, da Leons wahre Liebe vor Ort des Massakers, welches der Werwolf anrichtet, anwesend ist. Die Kulisse weiß zu gefallen, das tat sie im übrigen schon den ganzen Film über und konnte zumindest in diesem Punkt das übliche Niveau der Hammer-Studios halten. Letztendlich spielt sich das Finale aber auf viel zu engem Raum ab, weshalb eine wahre Bedrohung gar nicht aufkommen mag.

Auch der Werwolf weiß optisch zu gefallen, ist aber auf die Geschichte gesehen eine Mogelpackung, hält man sich doch nicht an die klassische Vorgeschichte eines Werwolfs. Ginge es nach der Logik von „Curse of the Werewolf“ würde er in jedem von uns schlummern und käme dann heraus, wenn wir über viele Jahre in einen Kerker eingesperrt wären. Zumindest lässt sich ein moderner Glaube an die Genetik erkennen, wird der Fluch doch quasi vererbt. Warum das ganze dann trotzdem in einem Gespräch mit einem Gottesmann einen dämonischen Hintergrund zugedichtet bekommt weiß der Geier, zeigt aber nur auf ein neues wie unausgegoren die komplette Geschichte erzählt ist.

„Der Fluch von Siniestro“ ist weder charmanter Comic, noch emotionales Horror-Drama, noch ein spannungsgeladener übernatürlicher Thriller. Wäre die Erzählung nicht so holprig, spätestens der nervende Soundtrack würde eine emotionale Identifikation mit den zentralen Figuren verhindern. Der Film ist ein Stückwerk, das in der gewählten Erzählform nicht zu funktionieren weiß und nur in Ausnahmeszenen, sowie anhand von Randfiguren zu überzeugen weiß. Für eine Hammerproduktion ist das schon ein Armutszeugnis. Terence Fisher kann es wahrlich besser, wie auch ein Blick auf seinen „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ oder sein „Der Hund von Baskerville“ zeigen. Von dem Talent welches er in seinen guten Werken an den Tag legte, ist hier nichts zu bemerken. Das ist so traurig wie erstaunlich.  OFDb

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