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Sonntag, 24. Mai 2015

DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN (The Serpent and the Rainbow 1988 Wes Craven)


In Haiti ist der Forscher Allen im Auftrag eines amerikanischen Pharmakonzerns auf der Suche nach einem Mittel welches Menschen zombiefiziert, sprich sie tot aussehen lässt obwohl sie es nicht sind. Allen stößt auf ein legendäres Pulver und taucht zum Erhalt dessen tief in die Voodoo-Kultur ein, während ein haitianischer gewaltbereiter Polizeichef Macht über Allens Seele erlangen möchte...


Hokuspokus und Wissenschaft...

Als die erste Zombiewelle Mitte der 80er Jahre endete und sich nur noch einige wenige parodistisch angelegte Werke mit den lebenden Toten beschäftigten, da stieß Wes Craven auf ein Projekt welches sich mit der durch Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ ersetzten Ur-Thematik auseinandersetzte: den Untoten in Bezug auf die Voodoo-Kultur. Im Gegensatz zu den Klassikern „White Zombie“ und „Ich folgte einem Zombie“ sollte der Zauber der ganzen Sache aus der Sicht eines rational denkenden Menschen entdeckt werden, einem Wissenschaftler. Der Aufhänger war, dass man der Rezeptur mit welcher das Todsein vorgetäuscht wird, auf die Spur kommen wollte.

Die Fragwürdigkeit der Pharmaindustrie, in deren Auftrag Allen unterwegs ist, wird nicht angerissen, weder beim Aufhänger der Geschichte, noch in Form einer schwarzhumorigen Pointe. Das beweist in Kombination mit der Behauptung einer angeblich wahren Begebenheit wie blauäugig der Film daher kommt, dem der „The Last House on the Left“-Regisseur Wes Craven, wie man es aus seinen Werken „Shocker“ und ganz besonders aus „Nightmare - Mörderische Träume“ von ihm gewohnt ist, einige wirksame alptraumhafte Bilder zu bescheren weiß. Diese und manch fiese Idee, wie das Wandern einer großen Spinne auf dem Gesicht eines durchs Voodoo-Pulver Gelähmten, wissen dem Film einen gewissen Reiz zu bescheren und niemanden kalt zu lassen. Insgesamt kann man „Die Schlange im Regenbogen“ mit all seinem Hokuspokus allerdings nicht wirklich ernst nehmen.

Bereits die Besetzung des eigentlich so sympathischen Bill Pullman („Spaceballs“, „Während du schliefst“, „The Grudge - Der Fluch“, ...) erweist sich als wenig geglückt, ist er mimisch doch viel zu zurückhaltend und wirkt seine Fön-Frisur, die ihn sonst gerne mal smart wirken lässt, doch eher deplaziert. Und wenn diese selbst nach einer Nacht des Sex noch perfekt sitzt, wirkt das schon sehr belustigend, ebenso wie der Einsatz eines sichtbar gezähmten Jaguars, der bedrohlich wirken soll.

Es ist schade dass die letzten 20 Minuten der Geschichte die Möglichkeit berauben Interpretationssache des Zuschauers zu sein. Bis dahin ließe sich vieles mit Halluzinogenen erklären, ein Gedankenansatz der auch ganz direkt im Film geäußert wird. Aber das Drehbuch, für welches Craven ausnahmsweise einmal nicht selbst verantwortlich war, kann der Versuchung nicht widerstehen dem Hokuspokus schließlich Recht zu geben.

Zudem setzt er nach einem, selbst für das Zugeständnis des Zaubers akzeptablen, Schluss eine Erweiterung ein, welche die Rolle des Allen zur unnötigen Rachefigur werden lässt und uns damit wieder deutlich macht, dass wir es mit einem amerikanischen Film zu tun haben, deren Kultur eine völlig andere ist als die unsere, auch wenn das Kino uns immer wieder weiß machen möchte dem wäre nicht so. Mental lässt sich da gerade gegen Ende vieles nicht mit unserem Denken vereinbaren, was in einem amerikanischen Film auch gar nicht schlimm wäre, wenn der Schluss eine Konsequenz des zuvor Erzählten wäre. Aber das ist ja leider nicht der Fall.

Technisch gesehen ist „Die Schlange im Regenbogen“ professionell abgefilmt, und auch die Regie Cravens sorgt dafür, dass sich der Streifen in seinem Unterhaltungsgehalt wacker schlägt. Aber letztendlich fehlt dem Film die intensive Wirkung, die allein schon durch das amerikanische Bild wie sich die Filmindustrie einen Wissenschaftler und dessen Denken vorstellt nicht ernsthaft entfalten kann. Zwar gibt der Streifen den Voodoo-Kult nie wirklich der Lächerlichkeit preis und weiß ihm eine gewisse Mystik zu bescheren, und Allens Weg zum Pulver ist nicht ohne Hürden und Täuschungen versehen, und auch der Mut einen erwachsenen Horror in Zeiten von Teenfilmen ins Kino zu bringen ist lobenswert anzumerken, aber letztendlich ist „The Serpent and the Rainbow“ (Originaltitel) eine halbgare Angelegenheit, die sich nur Komplettisten des Regisseurs Wes Craven zu Gemüte führen sollten.

Der hat mal bessere und mal schlechtere Filme als diesen abgedreht, „Die Schlange und der Regenbogen“ (Alternativtitel) befindet sich also im Mittelfeld seines Schaffens, aber die ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Zombie-Thema, wie mancherorts gern behauptet wird, ist der Streifen definitiv nicht geworden. Aufgrund ihrer politischen Aussagen sind da viele Werke der Romero-Welle wesentlich ernster zu nehmen, als der pseudo-realitätsorientierte Ansatz im hier besprochenen Film.


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