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Sonntag, 19. Juli 2015

ASTARON - BRUT DES SCHRECKENS (Contamination 1980 Luigi Cozzi)


Auf einem Schiff wird eine Ladung Alien-Eier entdeckt, deren innerer Schleim menschliche Körper zum explodieren bringt. Die Eier an Bord sind nur ein kleiner Teil einer andernorts gelagerten viel größeren Menge, welche die Menschheit vernichten soll...


Der grüne Schleim vom roten Planet...

Ein Hubschrauber fliegt über New York. Er soll ein Schiff von dort oben überprüfen. Der Vorspann läuft. Und erst mit der letzten Nennung, jener des Regisseurs, beginnt erstmals die Hintergrundmusik. Das ist ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist die maue Qualität des Songs, denn die Band Goblin war für den Soundtrack verantwortlich, und die hat in „Zombie“, „Suspiria“ und vielen anderen Werken gezeigt, dass sie es besser kann.

Ich gehe davon aus dass die Sachlage bei Regisseur Cozzi anders liegt. Außer „Astaron - Brut des Schreckens“ kenne ich bislang nur seine unautorisierte Vollendung von Argentos Mütter Trilogie, die bei uns unter dem Titel „Dead Eyes“ erschien, und beide Werke kann man ruhigen Gewissens als mittelmäßig ansehen. Sie haben durchaus ihre Schauwerte, aber sie holen nicht genug aus ihren Möglichkeiten heraus. Und Unsinnigkeiten lassen seine Filme unnötig lächerlich erscheinen. Dies zwar nicht in einem Umfang der sie zu reinen Rohrkrepierern macht, aber dominant genug um die erzählten Geschichten nicht ernst nehmen zu können.

Wenn „Contamination“ (Originaltitel) in einem Bereich punkten kann, dann sind das die Spezialeffekte. Knallhart hält die Kamera drauf wenn die menschlichen Körper explodieren, und da darf zarten Gemütern ruhig anders werden. Die pulsierenden, leuchtenden Alien-Eier sind schlicht gemacht aber durchaus wirksam, und den Vogel abgeschossen hat man mit dem erst Richtung Finale erscheinenden Zyklopen Astaron, der in seiner naiven wie schleimigen Art noch putziger daher kommt als die Aliens aus Hoopers späterem „Invasion vom Mars“.

Mit dessen Erstverfilmung lässt sich „Die Brut des Grauens“ (Alternativtitel) anbei wesentlich besser vergleichen als der oftmals zum Vergleich herangezogene „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“. In beiden Werken wollen Außerirdische die Erde erobern, und in beiden Fällen lenken sie, ebenfalls vergleichbar mit „Puppet Masters“, „Die Dämonischen“ und „Faculty“, die Menschen, die somit zum willenlosen Werkzeug der Eroberer werden. Dass dies bei Cozzis Werk keinen solch wirksamen Effekt erzielt wie bei den Vergleichsfilmen liegt daran, dass die hier fremdgelenkten Menschen keine sozialen Bindungen zu Leuten haben, die emotional an ihnen gebunden sind. Dementsprechend sieht man in ihnen lediglich kühl die Bedrohung, die ohne großes Nachheulen aus dem Weg geschafft werden muss.

Dass die Geschichte gar nicht so aufregend wie ihre Effekte ist und die Charaktere nicht so sympathisch wie ihr Stellenwert, liegt in der Natur des B-Movies, braucht also nicht zu überraschen. Dass Cozzi jedoch jenes Feingefühl fehlt, welches einen Billigfilm zur richtig angenehmen Sorte Unterhaltung macht, fällt beispielsweise am Ende auf, wenn eine Szene die dem Film einen atmosphärischen Schluss beschert hätte, eine weitere angehangen wird, nur um die ewig gleiche „etwas hat überlebt“-Soße anzudeuten, was in Bezug auf das was man über die Aliens im Laufe des Filmes gelernt hat, jedoch nur zweitrangig bedrohlich ist. Denn der Pilz-artige Astaron entstand nicht aus einem Ei sondern aus vom Mars mitgebrachten Sporen.

Aber das dürfte inmitten einer ohnehin widersprüchlichen und unsinnigen Erzählung keine Rolle mehr spielen. Dann müsste man sich an anderer Stelle auch fragen warum Astaron urplötzlich zu brennen beginnt. Oder warum ein Bösewicht für eine Szene am eigenen Körper den Schmerz eines zerstörten Alien-Eis spüren darf, danach aber nie wieder. Und wieso schaut man zu Beginn in keinen Karton um festzustellen, ob tatsächlich überall Eier anstatt Kaffee vorhanden ist? Fragen über Fragen! Und dass die Protagonisten keine zufriedenstellenden Antworten liefern können, liegt u.a. daran, dass sie ebenso unsinnig geschrieben sind. Die auf harte Agentin getrimmte Hauptfigur Stella Holmes ist ein ideales Beispiel hierfür, darf sie doch immer dann urplötzlich die typisch wehrlose und verweichlichte Frau, wie sie typisch für das Genre bis in die 70er Jahre war, aus der sonst so harten Rolle herausbrechen lassen, wenn es gerade so gar nicht passt.

In seiner dümmlichen wie harten Art weiß „Toxic Spawn“ (Alternativtitel) auf Trivialfilm-Niveau jedoch durchaus zu unterhalten, so dass zumindest Genre-Freunde mit schlichtem Gemüt zu diesem Stück Mittelmaß unbesorgt greifen können.


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