ZOMBIE (Dawn of the Dead 1978 George A. Romero)


Amerika ist von Zombies überrannt, der Ausnahmezustand wurde in den meisten Großstädten ausgerufen. Als die Lage immer brenzliger wird flieht eine Gruppe von vier Menschen mit einem Hubschrauber, Ziel unbekannt. Auf der Suche nach Sprit entdecken sie ein abgelegenes Einkaufszentrum. Zunächst wollen sie dort Proviant plündern. Schließlich kommen sie auf die Idee vor Ort zu bleiben...


Die Made im Speck...

10 Jahre nach Romeros Überraschungserfolg "Die Nacht der lebenden Toten" hat sich im Bereich Film viel bezüglich dessen getan, was man im Kino zeigen durfte und was nicht. Dementsprechend extrem sprunghaft wirkt mit Vergleich zu Teil 1 der Gewaltgehalt der Fortsetzung. In Farbe gedreht, auf modernem Niveau gehalten und mit packender Musik gesegnet, anstatt mit dem antiquierten Soundtrack des 50er Jahre-Niveaus, auf welches der Vorgänger noch setzte, wirkt "Zombie" wie aus einer anderen Zeit - was er schließlich auch ist. So wirklich kompatibel sind die beiden Filme auf dem ersten Blick nicht, weswegen es 1990 eine recht gute Idee von Tom Savini war, das Erstling mit "Night of the Living Dead" neu zu verfilmen, der sich zusammen mit dem hier besprochenen Film und der zweiten Fortsetzung "Zombie 2" wie aus einem Guss schaut. Dennoch ist freilich das Original der tatsächliche Vorgänger dieses radikal gnadenlosen Werkes, und auch in der filmeigenen Welt, die uns hier präsentiert wird, hat sich einiges getan. Spielte Teil 1 nur wenige Tage nach dem Ausbruch, so sind bis "Dawn of the Dead" (Originaltitel) gerade einmal drei Wochen vergangen. Es herrscht eine Art Gleichgewicht zwischen Mensch und Zombie. Da der Mensch jedoch unorganisiert ist und sich in endlose Diskussionen verstrickt anstatt zu handeln (das Gegenteil dessen worauf das Erstling hinaus wollte), werden die Zombies immer mehr und die Aussicht zurück ins gewohnte Leben kehren zu können immer geringer.

Wo der nach immer mehr lechzende Zombie-Fan dazu neigt die 150minütige Langfassung von "Zombie" zu sichten, die sinnlos jegliche je gedrehte Sequenz in richtig angeordneter Reihenfolge aneinander reihte, da greife ich am liebsten zur europäischen Fassung, die unter Aufsicht von Dario Argento dramaturgisch sinnvoll zusammen geschnitten wurde. Sie beinhaltet großteils nicht mehr die humoristischen Szenen, die Autor und Regisseur Romero in die US-Fassung einfließen ließ und wird vom großartigen Soundtrack der Band Goblin begleitet, die es verstand dem Streifen den passenden Touch zu bescheren. Ihre Musik ist spannungsfördernd und puscht somit noch einmal das ohnehin exzellent inszenierte Szenario. Dieses wirkt auf den ersten Blick etwas zerfahren, zu Beginn nach der Fernsehstudioszene gar wie ein billiger Actionreißer. Aber wer es wagt mit funktionierendem Verstand ohne Tunnelblick sich auf das zunächst unübersichtliche und in harte Bilder gekleidete Treiben einzulassen, der wird mit dem meiner Meinung nach besten ernst erzählten Zombiefilm belohnt, der je herausgekommen ist. Zusammen mit der Horror-Komödie "The Return of the Living Dead" gehört die Argento-Version von "Zombies im Kaufhaus" (Alternativtitel) zu dem besten, da intelligentesten und unterhaltsamsten, was dieses Sub-Genre je hervorgeholt hat, und es sollte bis "28 Days Later" und "Pontypool" in der zweiten Zombiewelle dauern, bis wieder wer auf deren Niveau anknüpfen konnte.

Romero wirft uns selbst mit Kenntnis des ersten Teiles unvorbereitet mitten ins Geschehen hinein. Wir dürfen erleben wie extrem die Situation geworden ist, aber auch dass inmitten des Untergangsszenarios manches noch gleich geblieben ist. So muss eine Spezialeinheit gegen Verbrecher anstatt gegen Zombies kämpfen. Ein Teil des öffentlichen Lebens ist schließlich noch aktiv und damit auch das Verbrechen und ihre Bekämpfung. Mit der Flucht per Hubschrauber wird noch einmal das Extreme der Zombielage deutlich, wenn wir mittels Luftaufnahmen sichten dürfen, wie verstreut sich die lebenden Toten bereits im Nirgendwo verteilt haben, wirklich überall lauernd, während Bürgerwehren halb besoffen, so wie wir es aus Teil 1 kennen, noch optimistisch ihrem Treiben nachgehen. Von Untergang will kaum wer was wissen, einzig unsere Helden folgen ihrem Instinkt und treten die Flucht an. Der Blick auf das verlassene Einkaufszentrum wiederum macht uns klar wie wenig der Alltag doch noch funktioniert, ist der Ort zu dem sonst tausende Kunden strömen doch lediglich von Untoten bevölkert. Auch an diesem Ort angekommen, an dem der Rest des Streifens spielen soll, will sich noch kein wirklich klarer roter Faden erkennen lassen. Wer Nase rümpfend geistlos den kommenden 90 Minuten folgt, wird sich diesbezüglich auch bis zum Schluss mit diesem Denken bestätigt fühlen, so auch das Team, das zur Beschlagnahmung des Streifens in Deutschland einst beitrug. Verstehen werde ich diese Sicht auf dieses Meisterwerk nie, ist er doch ein hervorragendes Soziogramm, das uns aufweist wohin bei guter Planung Teamwork hinführen kann, und wie zeitlich begrenzt jeder erreichte Zustand letztendlich doch ist.

Gerade der Konflikt aus "Die Nacht der lebenden Toten" unter den Menschen selbst wird gegen Ende hier noch einmal zelebriert, diesmal mit Taten anstatt mit Worten, wenn Plünderer ins Einkaufszentrum hinein wollen, unsere Helden aber nicht teilen. Ironischer Weise war es das Üben zum Überleben, welches die Gruppe Rocker auf unsere Protagonisten aufmerksam machte, übte eine Frau doch den Flug mit dem Hubschrauber, um bei eventuellem Ableben des Piloten in der Lage zu sein von hier zu flüchten. Nun wird zerstört was mit viel Mut, Intelligenz, Körperkraft und Solidarität aufgebaut wurde. Die Anarchie der mörderischen Art bricht in das anarchistisch erfolgreiche Gemeinwesen ein, welches sich hier vor Ort gebildet hat. Das Fehlen von Gesetzen, welches unseren Helden zuvor von Vorteil war, wird nun zu ihrem Nachteil. Dieser gesellschaftskritische Ansatz ist nur einer von vielen, die man in "Dawn of the Living Dead" (Alternativtitel) hinein deuten kann. Was alles von Romero diesbezüglich tatsächlich gewollt war, und was sich lediglich so alles dafür anbietet ist ebenso wie in Teil 1 kaum nachvollziehbar. Aber Kino findet immer auch im Kopf des Zuschauers statt, egal was Regie und Autor wollen oder nicht, und so ist es auch hier in diesem unter Horror-Fans kultisch verehrten Werk, welches man als Freund des harten Kinos, und definitiv als Bewunderer des Zombiefilms unbedingt gesehen haben sollte. Revolutionierte der Vorgänger die Thematik der Zombies und bot erzählerisch bereits jegliche Besonderheiten des Stoffes, so wurde "Zombie" stilistisch wegweisend, in Europa zusammen mit dem kurz darauf folgenden "Zombi 2" von Lucio Fulci, der keine wirkliche Fortsetzung des hier besprochenen Streifens ist, in seinen anderen Stil gekleidet jedoch ebenso wegweisend wurde wie der Film den er vorgab fortzusetzen.


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