Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Sonntag, 15. November 2015

ICE CREAM MAN (1995 Paul Norman)


Als Kind musste er mit ansehen wie sein großes Vorbild, der Eiscreme-König, ermordet wurde. Nun, nach einer längeren Therapie in einer Anstalt, ist Gregory selbst ein Eisverkäufer. Gelegentlich tötet er Mensch oder Tier, um sie als Geheimzutat in sein Eis zu mischen. Als er sich hierfür ein Kind schnappt, wird er von einem anderen Kind dabei erwischt, dem kein Erwachsener glaubt. Von nun an versucht eine Gruppe Kinder den Eiscreme-Prinzen zu überführen, während dieser versucht der Lage Herr zu werden, indem er sich nach und nach die Kinder schnappt...


Der Rattenfänger vom Nordpol...

Was soll man sagen? Knapp daneben ist auch vorbei. „Ice Cream Man“ hätte durchaus der kleine augenzwinkernde Horrorfilm für zwischendurch werden können, wäre dann auch nichts besonderes, geschweige denn etwas hervorstechendes, aber zumindest zu Unterhaltungszwecken geglückt. Aber so wirklich will der Streifen nicht funktionieren, obwohl er es fast eine Stunde lang tut. Leider bremst sich der Film im letzten Drittel stark aus, u.a. mit einer unnötig langen Sequenz, in welcher Ermittler auf ein schreckliches Geheimnis stoßen, wenn sie Gregorys ehemaliger Nervenheilanstalt einen Besuch abstatten.

Unter anderem aber auch, weil die finale Mörderhatz so gar keinen Schwung besitzt und der Eiscreme-Mann zu bemüht zur Sache geht. Besonders nervig fällt nun die Hintergrundmusik auf, die bereits zuvor sehr billig vor sich hin dudelte, nun aber Spannung erzeugen möchte und dabei als eine Art hektische Fahrstuhlmusik vom Band definitiv nur nervt. Selten hat ein „Soundtrack“ meine Geduld derart auf die Probe gestellt wie dieser hier, und das ist schon ärgerlich wenn man es zuvor doch mit einem sympathischem, kleinen Film mit netter Story zu tun hatte, dem lediglich seine zu billig geratene Synchronisation im Weg war.

Clint Howard ist nun kein Schauspieler der für wahren Schrecken sorgt. Gregory ist kein zweiter Freddy Krueger. Aber er wirkt herrlich wunderlich, und seine Taten, die gerne mal so grotesk ausfallen wie das erwachsene Umfeld der Kinder, machen einiges wieder wett, allen voran die auf dem deutschen DVD-Cover bereits verratende Idee, wenn Gregory den Kopf eines seiner Opfer auf eine überdimensionale Waffel setzt. Schön ist es auch mit ansehen zu dürfen, wenn der Psychopath auf „Space Invaders“-Art mit zwei Köpfen seiner Opfer den Kindern ein Kasperletheater vorspielt.

Etwas weniger überzeugend ist die Idee, dass sich Gregory einen der kleinen Jungs als Hausgast hält, der mit Freude, da eine ähnlich einsame Kindheit erlebend wie der Eismann, dabei zusehen darf wie Gregory Eis herstellt. Damit wird zwar der vorhersehbare Schluss-Gag vorbereitet, dem Zuschauer will jedoch nie ganz klar werden wie freiwillig oder unfreiwillig der Junge nun dort abhängen mag, der zwar immer wieder eingekerkert wird und zuvor mit ansehen musste wie sich der Psychopath einen seiner Freunde geschnappt hat, bei der gemeinsamen Eiscreme-Herstellung jedoch mit einer sichtbaren Freude als wahrer Kumpel vor Ort ist.

Aber der Blick in die Welt des „Ice Cream Man“ und seiner Kleinstadt in der er tätig ist, ist ohnehin eine schräge, verschrobene, die gerne die groteske Note eines „Edward mit den Scherenhänden“ erreichen würde, dabei aber keinesfalls so zielsicher vorgeht wie es Burton tat. Ein paar eher zufällig wirkende Treffer zielen in die richtige Richtung, insgesamt wirkt das die Kinderwelt ignorierende Treiben der egoistischen Erwachsenen trotz all seines Charmes doch eine Spur zu bemüht, so wie es der ganze Film über eigentlich tut, selbst in seiner guten Phase. Und wenn das Unglück der etwas zu lahmen Inszenierung schließlich hereinbricht, bricht es „Ice Cream Man“ fast das Genick, und man ist trotz der zuvor so vergnüglichen Zeit froh wenn der Streifen schließlich endet.

Schade, denn eigentlich hätte „Ice Cream Man“ das typisch routinierte Horrorfilm-Produkt der 90er Jahre werden können: bunt, familienfreundlich und augenzwinkernd, also nicht unbedingt ein Leckerbissen für jedermann im Horror-Genre, aber ein durchaus sympathisches Vergnügen für augenzwinkernde Zuschauer mit Spaß am Retro-Charme besagten Jahrzehnts. Aber wie gesagt ist knapp daneben auch vorbei in Norman Apsteins (alias Paul Normans) einziger Regiearbeit ohne Erotikaspekt. Neben dem hier besprochenen Streifen drehte der ehemalige Jungdarsteller aus „Das Dorf der Verdammten“ außerhalb des Pornobereichs lediglich „Die erotischen Abenteuer der drei Musketiere“. Von seiner Neigung zur Regie bei Sexfilmen ist in „Ice Cream Man“ glücklicher Weise überhaupt nichts zu spüren.

P.S.: Erwähnenswert wäre noch die Tatsache, dass hier ein Schauspieler mitspielt, der sich das herrliche Pseudonym Lee Majors II gegeben hat. Ich habe nachgeguckt. Unter diesem Namen hat er in keinem Pornofilm mitgespielt. Das hätte man aufgrund von Paul Normans Haupt-Karriere schließlich vermuten können bei solch schräger Namensgebung.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen