Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Samstag, 5. Dezember 2015

DER TODESRÄCHER VON SOHO (El muerto hace las maletas 1971 Jess Franco)


Auf der Suche nach einem Mörder, der seinen Opfern vor ihrem Tod die Koffer packt, stößt der ermittelnde Kriminalist auf einen Drogenring...


Meskadrin mit Schlagsahne...

Während die Rialto Wallace-Reihe, die damals die harte Welle in den deutschen Kinos auslöste, in den 70er Jahren damit begann in Zusammenarbeit mit Italien das ursprünglich naive Krimi-Konzept in Giallo-Flair zu tauchen, engagierte man für die Sohnemann-Reihe der Bryan Edgar Wallace-Filme für ein Remake des neun Jahre zuvor erschienenden „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ den Spanier Jess Franco, den fürs Improvisieren bekannten Vielfilmer, der in Deutschland in den 80er Jahren noch einmal mit „Die Säge des Todes“ von sich reden machen sollte, dem Freund des Schundfilms aber bereits 1971 bekannt war.

Wer weiß dass der Spanier auf dem Regiestuhl sitzt, der erwartet keinen Kriminalfilm wie zuvor. Interessanter Weise wird der Unwissende in diesem Fall jedoch nicht so stark verschreckt wie man meinen sollte, fällt „Der Todesrächer von Soho“ doch überraschend konventionell aus. Dies nicht ohne einige Vorzüge des umstrittenen Filmemachers zu besitzen, aber doch überraschend brav einem nachvollziehbaren roten Faden folgend, zumindest bis zum Finale, wo sich die Ereignisse derart überschlagen, dass man nicht mehr wirklich durchblickt - ein Zustand der für die Grusel-Krimis dieser Zeit aber ohnehin üblich war.

Davon abgesehen, dass ich mir zur Zeit so einige Franco-Filme zu Gemüte führe, lockte mich der Reiz Wolfgang Kieling und Horst Tappert drei Jahre vor der ersten Folge „Derrick“ gemeinsam in einem Film agieren zu sehen. Leider muss ich gestehen nicht erkannt zu haben wen Kieling gespielt haben soll. Bis zum Schluss wartete ich auf seinen Auftritt. Scheinbar fand dieser zu sehr im Dunkeln statt. Ich wüsste sonst nicht warum ich ihn ansonsten nicht entdecken sollte. Tappert hingegen weiß in der Spätphase des Streifens mit seinem Drei Tage-Bart zu wirken, wenn sein Charakter sich offiziell wandelt. Zuvor erinnert er optisch stark an seine Rolle in „Sieben Tage Frist“, während das ironische Grinsen in der ersten Filmhälfte Charakterzüge aus seiner berühmten Krimi-Serie vorweg nimmt.

Auch wenn die Schauspieler in einem Franco-Film letztendlich nicht wichtig, da austauschbar sind, so erfreut es doch zu sehen, dass recht anständig gecastet wurde. Ein halbwegs brauchbarer Eddi Arent-Ersatz und ein gar nicht brauchbarer Klaus Kinski-Ersatz zeigen, dass man sich trotz der raueren Umsetzung noch immer stark an den Erfolgsmustern der frühen Wallace-Filme orientierte. Letztendlich kommt „Der Todesrächer von Soho“ jedoch viel düsterer und schmuddeliger daher als „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“.

Francos Gespür für spannende optische Perspektiven, für stimmige Drehorte und für skurrile Einfälle stehen wie so oft bei ihm im herrlich dilettantischen Widerspruch zum völligen Verzicht darauf auf Tag und Nacht zu achten und auf Anschlussfehler nach Schnitten (am lustigsten fällt dies in einer Szene auf, in welcher mit jedem Schnitt ein Gesprächspartner entweder vor der Tür oder in der Wohnung steht). Selbstverständlich steht die Logik auch wieder Kopf, auf die hat der gute Mann noch nie geachtet. Aber was wie eine negative Aufzählung klingt, gehört zum Feeling eines Franco-Filmes einfach mit dazu.

„Der Todesrächer von Soho“ mag aufgrund seiner noch recht massentauglichen Umsetzung nicht das sein, wonach der Hardcore-Franco-Fan lechzt. Aber jemand wie ich, der oft genug Probleme mit den Werken dieses Mannes hat, fühlte sich um so besser unterhalten, sympathisiere ich doch trotz vieler unangenehmer Filmerfahrungen mit dem Regisseur, so dass ich mich über jedes seiner unterhaltsam ausgefallenen Werke freue.

„The Corpse Packs His Bags“ (Alternativtitel) ist trashig, düster, stimmig, dreckig, schundig und hin und wieder sogar absichtlich witzig, z.B. wenn der Fotograf bei Fehlgriffen in seiner Tasche immer Nackedeibildchen hervorholt, oder wenn der Vorgesetzte den ermittelnden Detective daran erinnert, dass er in die Themse springen wollte, wenn der Fall am besagten Tag noch immer nicht gelöst sei. Ob es als Running Gag gedacht ist, dass ein bestimmter Polizist im Präsidium nach Gesprächen mit Kollegen immer den Telefonhörer auflegt ohne mit dem Menschen am anderen Ende der Leitung gesprochen zu haben, oder ob dies eine der typischen Franco-Unlogiken ist, lässt sich schwer sagen, eben weil beides typisch für den Kult-Regisseur wäre.


Weitere Reviews zum Film: 

Kommentare:

  1. Kieling ist von Minute 15 bis 21 zu sehen. Er ist ein Hotelgast, der wegen der Koffer flüchtet und dann ermordet wird. Er trägt einen Musketierbart und eine dicke Hornbrille. Optisch eindeutig Kieling, aber er wurde nachsynchronisiert. Seine markante Stimme fehlt also. Wahrscheinlich hast du ihn deshalb nicht bemerkt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für den Hinweis, da werde ich bei einer Zweitsichtung mal drauf achten. :)

      Löschen