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Dienstag, 5. April 2016

KATZENMENSCHEN (Cat People 1982 Paul Schrader)


Lange Zeit hat Paul seine Schwester Irena gesucht, seit dem beide als Kinder getrennt wurden. Als Eltern von Katzenmenschen eint sie das selbe Schicksal. Doch während Paul sich eine Vereinigung und damit die Erlösung seines Schicksales erhofft, will Irena das ihre nicht wahrhaben und geht eine Liebschaft mit dem Zoodirektor Oliver ein...


Das Tier in Dir...

Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass Tourneurs „Katzenmenschen“ mit seiner Neuverfilmung das selbe Schicksal teilen würde, wie es „Die Dämonischen“ dies mit „Die Körperfresser kommen“ erlitt. Dort wurde die phantastische Ursprungsgeschichte einzig durch äußere Schauwerte neu aufgepeppt, in Paul Schraders „Katzenmenschen“ geschieht dies nicht, auch wenn er auf erotische Bilder setzt und deutlich mehr Spezialeffekte verwendet als es das Original nötig hatte. Schrader geht trotz alledem respektvoll mit dem Original um, auch wenn das Szenario wie wir es aus der ersten Verfilmung kennen stark abgeändert wurde und erst nach 25 Minuten Laufzeit aufgegriffen wird.

Schraders Film, der zeitgemäß den Fluch nur noch auf den Geschlechtsakt bezieht und nicht mehr zusätzlich auf simple Küsse, ergänzt die Geschichte um eine reizvolle wie naheliegende Inzesttragödie, sowie gegen Ende um eine Andeutung des SM-Bereiches, was ganz gut zur Thematik passt, dass beim Sex das Tier im Menschen auflebt. Provokationen sowie harte und sinnliche Bilder werden nicht rein des reißerischen Effektes wegen eingebracht. „Katzenmenschen“ ist stilvoll fotografiert und inszeniert, veranlasst den Zuschauer aufgrund seiner Hingucker jedoch zum Kopfausschalten, worauf Schrader geradezu setzt, wenn man einmal bedenkt wieviel unsinniger seine Geschichte im Gegensatz zum Original ausgefallen ist.

Zwar beweist er immer wieder Respekt vor Tourneurs Film, z.B. wenn er dessen berühmte Bus-Szene mit einer Straßenbahn variiert, meist fallen einem als Zuschauer die Unzulänglichkeiten des Streifens aber gerade dann auf, wenn Schrader dem eigentlich völlig anders erzähltem Remake Szenen beschert, die vom Original übernommen wurden. Alice besitzt für die Geschichte wesentlich weniger Bedeutung als in der Erstverfilmung, so dass die inszenatorisch gelungene Szene im Pool weder nötig gewesen wäre, noch Sinn ergibt, zumal „Katzenmenschen“ nie wirklich die Liebschaft des Originals zwischen Oliver und Alice aufgreift, in modernen Zeiten, in welchen Mann und Frau auch lediglich befreundet sein können, nicht einmal auf subtile Art. Erst ganz am Schluss äußert sich die Geschichte konkret zu beiden, zuvor geschah in die Richtung tendierend jedoch nichts, so dass Irenas Rückkehr aus dem Trieb der Rache heraus recht sinnlos erscheint.

Hierzu gab es auch nichts dergleichen aufgrund subtiler Andeutungen zu übersehen, auch wenn der Film in anderen Bereichen viel mit dem Nichtgesagten aufgrund deutlicher Hinweise arbeitet, gerade den Hauptplot betreffend. Jedem, auch dem Nichtkenner der Erstverfilmung, ist schnell klar worum es geht, das macht einem der Autor mit überdeutlichen Andeutungen immer wieder bewusst. Deswegen war ich auch ein wenig enttäuscht, dass in einer Traumsequenz doch noch ausgesprochen wird, was nicht hätte ausgesprochen werden müssen - was mich zusätzlich verwundert hat, schließlich hat die Beschützerin Pauls nur kurz vorher in direkten Worten selbiges geäußert. Frage nicht nach etwas dessen Du Dich längst bewusst bist. Der Film hält diese Worte nicht ein, erklärt uns völlig unnötig und unsensibel vor die Nase gesetzt das was wir längst wussten und ergänzt es durch eine Regelerweiterung des Originals, welche der Neuverfilmung dabei hilft ihren völlig anderen Ausgang der Geschichte vorzubereiten.

Leider ist besagte Traumsequenz nicht nur inhaltlich ein Ärgernis, sie stellt auch den Tiefpunkt der inszenatorischen Umsetzung dar. Nie so stark wie hier werden die poppigen 80er Jahre deutlich, wenn die erotisch stark anziehende Nastassja Kinski plötzlich mit wehenden Haaren und stärkerer Farbsetzung auf pseudo-erotisch getrimmt wird, während das sich heute arg veraltet schauende Spektakel mit peppiger Musik untermalt wird, die ebenfalls einen Bruch im bisherigen Stil des Filmes darstellt, war der Rest des Streifens doch mit einem sehr stimmigen Soundtrack untermalt.

Die besagte Szene gehört zu den einsamen Tiefpunkten eines ansonsten sehenswerten Filmes. Erst wenn zum Ende hin das Bild einfriert und ein wenig gelungener David Bowie-Sound erfolgt, wiederholt sich das Tief und wird für einen kurzen Moment gar peinlich, wenn das eingefrorene Bild kurz noch einmal aufgetaut wird, um sich in ein reißerisches Bild zu verwandeln - ein Szenario das Leute nur dann als ästhetisch empfinden können, wenn sie glauben in einem schwarzen Puma etwas Cooles sehen zu können, was ungefähr der Metal- und Tattoo-Mentalität entspricht.

Da kann man zu stehen wie man will, ansonsten gibt es nichts zu meckern an der mystisch erzählten Geschichte, die gekonnt eine alte modernisiert und in ein edles wie aufreizendes Gewand kleidet, was neben der tollen Kameraarbeit hauptsächlich an der Wirkung der wahrlich aufregend spielenden Nastassja Kinski liegt, die mit ihrer Mimik mehr tierisches Verlangen im Zuschauer entfacht als es ihr hübscher nackter Körper je könnte. Hieran sieht man auch, dass Schrader gekonnt mit dem Tier im Zuschauer spielt, ihm also nicht nur durch verkopfte Theorie, sondern anhand von Gefühlen den Spiegel vorsetzt, womit er ganz anders ansetzt als das Original.

„Katzenmenschen“ ist ein Film den man emotional erleben muss. Man kann sich am edlen Stil ergötzen, an erotischen Bildern berauschen, sich in spannungsgeladener Atmosphäre verlieren und in den wenigen aber effektiven und sinnvoll eingesetzten harten Momenten seine Grenzen spüren und/oder Bewunderung empfinden für das Talent handgemachter Spezialeffekte. Allein die Umwandlung von Kinski in einen Panther ist in ihrer ersten Phase ein Mix aus Erotik und abstoßender Faszination, von Make Up-Künstlern hervorragend umgesetzt und somit eine Szene die es verdient dass man sie gesondert erwähnt.

Dass Malcolm McDowell mit seiner Pantherfresse eine ebenso perfekte Besetzung ist wie es der Wolfs-ähnliche Jack Nicholson für „Wolf“ war, sollte man nur der Komplettheit wegen einmal erwähnen, schließlich macht er trotz seines Hangs zum Überagieren neben Kinski viel am Gelingen des Streifens aus, zumal er von sich wieder ähnlich viel abverlangt wie seinerzeit in „Uhrwerk Orange“, der ihn kurzzeitig berühmt machte. Paul war eine seiner letzten großen Rollen, bevor er eher in Nebenrollen wirtschaftlich unwichtigerer Werke eingesetzt wurde.

„Katzenmenschen“ mag nicht so professionell gekonnt umgesetzt sein wie Tourneurs gleichnamiges Meisterwerk. Das liegt am weniger durchdachten, etwas widersprüchlichem Drehbuch. Schrader weiß diese kaum auffallenden Schwächen jedoch durch eine starke Bildsprache und einen edlen Inszenierungsstil aufzufangen, so dass seine Neuverfilmung ein Werk der Sinne geworden ist, ein Film in den man all zu gerne eintaucht, da allein der Kern der Geschichte bereits ein faszinierendes Mysterium besitzt. Schraders Werk ist atmosphärisch dicht erzählt, mystisch, erotisch prickelnd, aufregend, spannend, einfach ein emotionales Erlebnis, welches nur kurzfristige Einbrüche seines sonst so gekonnten Stils vorweist, und dies meist in der letzten halben Stunde.


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