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Donnerstag, 7. April 2016

VOLL GEPUNKTET (The Perfect Score 2004 Brian Robbins)


Sechs Teenager tun sich zusammen um in ein Gebäude einzubrechen, in welchem sich die Ergebnisse des SAT-Tests befinden, mit dem sie aufs College ihrer Wahl gehen können...


Kyle‘s Six...

Mit Hilfe von fetziger Musik und einer stylischen Inszenierung (z.B. durch Schrifteinblendungen in den Personenvorstellungen, oder durch das namentliche Erwähnen beliebter Produkte bei Teenagern) möchte die Neuverfilmung des irländischen Filmes „How to Cheat in the Leaving Certificate“ vortäuschen welch schrille, coole und krasse Teenie-Komödie sie ist. Dabei zeigt bereits ein näherer Blick auf diese Blendwerkzeuge wie anbiedernd „Voll gepunktet“ eigentlich ausgefallen ist, vom deutschen Titel gleicher Funktion einmal ganz zu schweigen. Die peppigen Lieder sind innovationsfreiester Mainstream wie er seit „American Pie“ in so ziemlich jeder amerikanischen Teenie-Komödie eingearbeitet wurde, das Spiel mit den Schriftzügen zur Figurenvorstellung war eigentlich in den 90er Jahren ein modernes Stilmittel, und sich die Herzen des Publikums zu erobern indem man beliebte Produktnamen verwendet muss zum Thema Anbiederung wohl kaum näher erläutert werden.

Wer wissen will warum sich solche Mühe gemacht wurde den Streifen Jugendlichen derart schmackhaft zu machen, der muss sich nur seine Kernaussagen und finalen Lehren einmal näher anschauen, schaut sich „The Perfect Score“ (Originaltitel) doch wie ein religionsbefreiter Film für brave Christen. Brian Robbins Werk, in welches sich leider die talentierte Scarlett Johansson verlaufen hat, schaut sich urbieder und ist ein gut getarntes Werkzeug zur Erziehung des Zielpublikums in brave kritik- wie identitätslöse Bürger, was zunächst verwundern darf, so treffsicher zu Anfang der Sinn, bzw. eher der Unsinn von Tests wie dem SAT herausgearbeitet wurde. Letzten Endes gibt das Finale dem Test hintenrum jedoch in Wirklichkeit recht und entlarvt das anfänglich kritisch geäußerte Bild als Lüge.

Auf dem Weg dorthin wird eine Gruppe zumindest halbwegs auf individuell getrimmter Figuren jegliche Eigenständigkeit beraubt, bis sie eine genormte Gruppe Gleichgesinnter ist, die freilich alle nicht mehr die geraubten Testergebnisse benötigen, da sie von einer inneren Einkehr heimgesucht wurden und das Schummeln als unehrenhaft empfinden innerhalb eines doch nicht so fragwürdigen Systems wie anfangs angenommen.

Da gibt es im Happy End eine strenge Mutter, die sich glücklicher Weise zukünftig um einen elternlosen Kiffer kümmern wird, ein Riese von Basketballspieler findet endlich die richtigen Worte um mit seiner Mutter zu sprechen, ein Junge, der sich stets nur durch seine Freundin definierte, tut selbiges nun mittels einer anderen Freundin - lediglich die eigentliche Hauptfigur Kyle bleibt das was sie von Anfang an war: ein charakterloses Stück Karriere, welches in seiner glattgeleckten Art als positiver Mensch herausgearbeitet wurde, gerne mit Hilfe seines Nichtsnutzes von Bruder, der kein guter Mensch sein kann wenn er doch keinem geregeltem Leben nachgeht.

So ziemlich alles an diesem Film kotzt mich an. Und das erschreckende daran ist, dass ich es nicht habe kommen sehen, klang für mich die Idee eines „American Pie“ trifft auf „Ocean‘s Eleven“ doch recht reizvoll, und eine Scarlett Johansson mit an Bord macht schließlich auch im Vorfeld Mut. Nun gehört Regisseur Brian Robbins mit Werken wie „Norbit“, „Shaggy Dog“ und „Mensch, Dave!“ nun auch nicht gerade zu jenen Menschen, die einem je sehenswerte Komödien berschert hätten. Selbst sein bestes seiner mir bekannten Werke, „Noch tausend Worte“, kann man lediglich als sympathischen Zischendurchverzehr bezeichnen. Aber so einen Tiefflieger wie „Voll gepunktet“ hat er selbst mit einem seiner Eddie Murphy-Filme noch nicht abgeliefert, und der ist in Sachen anbiedernder Mainstream ähnlich häufig unterwegs wie es einst Robin Williams war.

„Voll gepunktet“ ist ein manipulierendes Stück traurige Weltsicht, glattgeleckt, anbiedernd und feindlich gegenüber jeder Art alternativen Lebensstils eingestellt. Somit ist er die ideale flippige Teenie-Komödie für junge, zukünftige Karrieristen, BWL- und Jurastudenten und für jeden Menschen, der aufgrund eines kritiklosen Blickes auf die Welt nie einen eigenen Charakter entwickelt hat. Somit gibt es für dieses widerliche Stück Film tatsächlich ein recht großes Publikum, sowohl hier in Deutschland, als auch in den USA.


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