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Donnerstag, 14. Juli 2016

DER BUCKLIGE VON SOHO (1966 Alfred Vohrer)


Kurz nachdem die gerade in London eingereiste Wanda von einem Anwalt erfährt, dass sie eine Millionen Dollar erben wird, da wird sie auch schon entführt und gegen eine andere junge Frau ersetzt. Inspektor Hopkins riecht zwar den Braten, weiß aber nicht dass die echte Wanda in einem Heim für straffällig gewordene junge Frauen festgehalten wird, das nach außen hin als vorbildlich geführt gilt...


Die Rache des Monsters...

Der erste Farbfilm der Rialto-Wallace-Reihe entpuppt sich als großartig erzählter Mix aus mit Pulp-Elementen angereicherter Schundfilm, sowie als lustig und düster zugleich erzählter Kriminalfilm, ein Mix der in dieser Art eigentlich nur von Alfred Vohrer stammen kann, der diesen Typ Film in den kommenden Buntfilmen der Reihe später noch etwas experimenteller angehen sollte, dort jedoch immer mehr das düstere Element von „Der Bucklige von Soho“ fallen lassen sollte, was den hier besprochenen Film somit zu einer Besonderheit der Buntphase besagter Serie macht.

Ursprünglich soll „Der Bucklige von Soho“ einmal als dritter Teil von „Der Hexer“ angedacht gewesen sein, das sieht man der hier erzählten Geschichte jedoch nicht an. Es mag sein, dass manche dem Hexer angehaftete Tat der verworfenen Idee auf den titelgebenden Buckligen übertragen wurde. Der wandelt sich schließlich vom hirnlosen Befehleausführer zum Rächer in den eigenen Reihen, und wird damit nicht nur äußerlich, sondern auch von seinen Taten her, aus dem Horrorbereich des sich gegen seinen Schöpfer wendenen Monsters entliehen. Und genau durch diese Parallele zum unheimlichen Genre fällt selbst in den Rachemomenten an der Unterwelt die mögliche verworfene Hexer-Herkunft nicht auf.

Wie auch immer, Vohrer erkennt bereits hier, dass ein Wallace-Film nicht wie bisher erzählt werden muss, wenn er eine Farbumsetzung erhält. Und somit taucht er das Geschehen bereits hier in schrille Farben, die sicherlich auch seiner Zeit geschult sind in Sachen Deko und Mode, aber dennoch provozierend und Effekt-orientiert von dem Regisseur ins Szenario eingebettet wurden.

Stilistisch wandelt sich der Streifen von einem überraschend stark humoristisch traditionellen Kriminalfilm zu einem immer düster werdenden Spektakel voll von abgedrehten Bonbons, als da wären überall versteckte Mikrophone und Geheimgänge, Arbeitersklavenhaltungen in einem Frauenheim und viele andere kunterbunte Gimmicks, die immer nah am reißerischen Schundfilmbereich orientiert sind, aber doch recht zweckmäßig der Gesamtgeschichte zugefügt wurden und somit nicht rein dem Selbstzweck dienen.

Wo andere den Pulp-Gehalt in die humoristische Phase gesteckt hätten, und den traditionellen Kriminal-Teil düster gehalten hätten, da erkennt Vohrer den Reiz genau Gegenteiliges zu veranstalten und teilweiser sogar zu vermischen. Als besonders reizvoll erscheint aufgrund dieser Vorgehensweise die Besetzung Eddi Arents in seiner vorletzten Rolle der Reihe als Bösewicht, so dass der Zuschauer zunächst den klassischen humoristischen Sidekick-Arent präsentiert bekommt, bevor dieser sich im Laufe der Handlung zu einem düster dreinblickenden Strippenzieher wandelt und dem damaligen Publikum damit sicherlich eine düstere Überraschung bescherte, auch wenn er sich in „Der unheimliche Mönch“ zuvor ebenfalls (und dort erstmals) als Bösewicht entpuppte.

Wirkt der Bucklige im direkten Vergleich zu den üblichen titelgebenden Fieslingen im Wallace-Universum eingangs doch eher  enttäuschend, da nicht sonderlich agil oder raffiniert, so entpuppt sich diese Figur schließlich doch noch als sehr interessant und vielschichtig, allein schon aufgrund ihres tragischen Gehalts, den man ebenfalls aus dem Horrorbereich entlieh. Diese Ernsthaftigkeit, die in diesen eigentlich grotesk wirkenden Buckligen investiert wird, ist nur ein Paradebeispiel dafür, wie Vohrer dies in so ziemlich alle Elemente des Streifens anwendet. Trotz aller Verspieltheit ist „Der Bucklige von Soho“ in einer düsteren und tragischen Ernsthaftigkeit gehalten, die dafür sorgt dass man seinen vor Unsinnigkeiten angereicherten Plot nie wirklich belächeln würde.

Das liegt aber auch daran, dass Vohrer uns die hier aufgezeigten Schicksale ernsthaft spüren lässt und nicht nur zum Comic-haften Gimmick verkommen lässt. Das Leben und die Arbeit im Heim ist höchst unangenehm. Die Unterdrückung durch die dort Herrschenden ist ebenso spürbar wie die Wut und der Frust der Bewohnerinnen. Die Aussichtslosigkeit der Situation in der sich Wanda befindet ist spürbar, das Rachegefühl des Würgers ist nachvollziehbar, und man kann sogar mit den größten Fieslingen mitfühlen, wenn diese gegen Ende eiskalt verraten werden. Selbst das grellbunte, an einen James Bond-Film erinnernde, Gimmick des Folterstuhls, für den das Element des Feuers eine wichtige Rolle spielt, wirkt nicht nur als verspielte Übertreibung, sondern auch als spürbare Bedrohung, da sich jeder Zuschauer in diese Art Folter hineinversetzen kann.

Vohrer ist somit ein wundervoller, da spürbar düsterer, wie tragischer, und trotzdem humorvoller Beitrag der Reihe geglückt, dem ich lediglich vorwerfe, dass er seine letzte Wendung nicht mehr benötigt hätte. Die Geschichte war zu Ende erzählt, und die letzte Aufdeckung bezog sich nicht auf vorhandene Lücken in der Handlung oder auf besonders wichtige Figuren. Somit hätte man diese Szene tatsächlich weglassen können, ohne etwas am Rest des Filmes verändern zu müssen. Letztendlich schadet dieser unnötige Schluss dem Streifen nur leicht, eben weil es nur ein erweitertes Ende ist, aber ein wenig ärgerlich schaut sich dieses Anhängsel schon.


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