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Donnerstag, 18. August 2016

RUNAWAY GIRL (Hick 2011 Derick Martini)


Kurz nach ihrem 13. Geburtstag reißt Luli von zu Hause aus, weil sie die Zustände dort satt hat. Auf ihrem Weg nach Las Vegas lernt sie den sonderbaren Eddie und die Kokserin Glenda kennen, die zwar hilfsbereit sind, aber alles andere als ein guter Einfluss für das junge Ding...


Das Weglaufmädchen...

Chloë Grace Moretz, man muss sie einfach mögen. Nicht nur dass sie ein unglaublich süßes, talentiertes und arbeitseifriges Mädchen ist, ihr Hang zu morbiden Stoffen in solch jungem Alter gibt ihr zudem den zusätzlichen Touch Sympathie, und so braucht es gar nicht verwundern, dass bevor sie mit „Die Wolken von Sils Maria“ auch einmal in einem kompromisslosen Drama gelandet ist, nach „Kick-Ass“ und „Let Me In“ zunächst ein rustikales Drama folgen musste, dreckig, düster, mit Gewalt in der Luft liegend. Und so erleben wir in „Runaway Girl“ das Schicksal der naiven, aus ätzenden Verhältnissen stammenden Luli, die an die falschen Leute gerät.

Glücklicher Weise ist das Werk von Derick Martini keines dieser „Hilfe, die Ausreißerin wird eine Prostituierte“-Drama, Luli versinkt nicht im Drogenmeer und im Prostitutionsgeschäft, rein mental verliert sie nicht einmal ihre Unschuld trotz all dem Blödsinn den sie unter schlechtem Einfluss gemacht hat. Erst gegen Ende, nach einer angedeuteten Vergewaltigung und einem Mord zum Selbstschutz, ist es tatsächlich vorbei mit den tagträumenden Kindereien. Positiv wie „Hick“ (Originaltitel) gestrickt ist, bieten sich ihr jedoch trotzdem Chancen zur Verbesserung der Lebensqualität an, so dass sich ihr optimistisches Gemüt trotz aller Fehlschläge und Traumatas nicht unterkriegen lässt.

Dies ist vielleicht die größte Kritik, die sich „Runaway Girl“ gefallen lassen muss, wirkt er doch trotz seiner rauen Geschichte, die sich aufgrund ihrer sensiblen Erzählung nur selten rau guckt, etwas arg fern der Realität. Wo andere Kinder eine Therapie nach all diesen Erlebnissen bräuchten, da fährt Luli lächelnd mit dem Bus in eine vertrauensvolle Zukunft. Ein Helfer hat ihr dies versprochen. Wieder vertraut sie wem Fremdes, nachdem sie so oft enttäuscht wurde. Glaubwürdig? Obwohl es naiv klingt: ja, Alec Baldwins hervorragend gespielte Rolle weiß diesen Umstand glücklicher Weise halbwegs echt wirken zu lassen, auch wenn der Schluss sich damit endgültig Richtung Sozial-Drama orientiert, nachdem der Film ansonsten taff und fern solcher Klischees funktionieren wollte und dies eigentlich auch tat.

Dass er sich stattdessen anderer Klischees bedient, schien die Verantwortlichen des Werkes nicht zu stören. Und so muss man trotz düsterer Themenbereiche schon einen Hang zum morbid-romantischen Bereich solcher Aussteiger-Storys haben, fern irgendwelcher Glaubwürdigkeiten. „Hick“ ist Kino und hat mit der Realität wenig zu tun. Dank der guten Schauspieler und einer verträumten Atmosphäre, da wir all das Elend aus den Augen einer naiven 13jährigen erleben, kann man sich jedoch trotzdem auf den Film einlassen. Luli und ihre Erlebnisse lullen ein. Schreckliche Dinge werden eher abenteuerlich anstatt radikal dramatisch präsentiert.

Dass das vielen nicht schmeckt, dürfte nicht überraschen. Dass das einen Film auch im positiven Zustand nicht zu einem Meisterwerk machen kann, dürfte ebenso wenig überraschen. Und dass eine solche Geschichte, auch aufgrund ihres Nostalgieblicks, damit nicht innovativ zu nennen ist, so kalkuliert wie er auf verträumte Knöpfe drückt, müssen sich die Verantwortlichen des Streifens als Kritik einfach gefallen lassen. Dass das Ganze aber auf schlichte Art funktionieren kann, grenzt schon fast an ein Wunder, schafft es Martini doch recht gekonnt uns zu manipulieren, so dass man die Abenteuer Lulis tatsächlich aus einem romantischen Blickwinkel verfolgt. So lässt sich „Runaway Girl“ überraschend schön gucken.

Trotzdem darf man sich hinterher zu Recht fragen, was das nun sollte. Warum wird solch eine Geschichte so optimistisch erzählt und üble Ereignisse durch Ausblendung verschönt, wenn Luli doch wahrlich Schreckliches miterleben muss? Was will der Film uns mitteilen? Ich weiß es nicht und habe den Verdacht, dass der Streifen tatsächlich nur unterhalten soll. Irgendeine Form von Tiefgang und analytischer Raffinesse kann ich beim besten Willen nicht in ihm entdecken. Erstaunlicher Weise wirkt der Film in dieser verschönten, manipulativen Art trotzdem nicht verantwortungslos und fragwürdig. Er schafft es, dass man ihm nicht böse ist, so gefühlvoll wie er seinen Optimismus auf den Zuschauer zu übertragen weiß. Er ist einfach Kino, nicht mehr und nicht weniger.


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