21.10.2021

PLAYING WITH DOLLS (2015)

Die junge Cindy nimmt mit Erleichterung ihren neuen Housesitter-Job in der Einsamkeit an, da sie gerade wegen Mietschulden aus ihrer bisherigen Wohnung raus geschmissen wird. Sie ahnt nicht, dass das von der Außenwelt völlig abgeschnittene Haus, in welchem sie ihrer bezahlten Tätigkeit nachgehen soll, einem reichen Psychopathen gehört, der einen debilen Psychopathen engagiert junge Frauen zu töten, während er selbst aus der Ferne am Monitor dabei zusieht...

Die Leuchtgranate im Wäschetrockner...

Mit "Volcano Zombies" hatte Regisseur Rene Perez im selben Jahr seines "Playing with Dolls" alles andere als einen tollen Horrorfilm abgeliefert. Da geht man an den hier besprochenen Streifen nicht gerade mit viel Mut heran. Wenn man dann noch das billige Videobild sichten darf, in welches der Streifen arg kostengünstig eingefangen wurde und mit wechselnden Szenen einer mal normalen Waldlandschaft und einer schneebedeckten irritiert wird, gibt man einem Werk wenig Chancen, zumal die zentrale Rolle der ersten Filmmomente mehr denn je wegen ihrer Figur besetzt wurde und niemals wegen ihres nicht vorhandenen Schauspieltalents. Aber was soll man sagen? Dafür dass der Film sich mit Blick auf den stumpfen Killer sehr deutlich an Vorbildern wie "Freitag der 13. 3" und "Blutgericht in Texas" bedient, ist doch ein recht eigenständiges Werk bei herum gekommen, das zudem Elemente aus "Motel" in seinen nicht reizlosen Plot integriert. Erklärt wird nur das nötigste, mal früh, mal erst zu gegebener Zeit, und vertieft wird nichts davon. Man streut genügend Inhalt ein, um den Film genügend zu füllen, der Rest ist ein Selbstläufer - zumindest wenn man sich mit weniger Schauwerten als erwartet zufrieden gibt. 

Sichten wir zu Beginn des zunächst stark gekürzt in Deutschland als "Cinderella Playing with Dolls" erschienenden Films eine Gedärmrausziehszene, wie sie auch in jedem Amateurfilm, der sich vor Jason und Co verbeugt, hätte auftauchen können, so dauert es nach der Vorgeschichte doch einige Zeit, bis für den Freund quantitativer Momente wieder etwas zu sehen ist. Da gibt es weder Nackedei-Momente, noch blutige zu erleben. Stattdessen begleiten wir eine vom Unglück verfolgte Person, die glaubt im Job im einsam gelegenen Waldhaus endlich ihr Glück gefunden zu haben. Es liegt mitunter an der Besetzung, dass man dieser langen Phase, in welcher Cindy sich wie ein Honigkuchenpferd freut, mit Sympathie begegnen darf, bremst sie meiner Meinung nach "Leatherface" (Alternativtitel) doch keinesfalls aus. Dies mitunter aber auch deshalb, weil Perez, der zusammen mit Barry Massoni das Drehbuch beisteuerte und auch die bislang drei Fortsetzungen des Streifens inszenierte, recht verspielt vorgeht. Fast schon Komödien-artig, aber doch nie lächerlich anmutend, erleben wir ein Versteckspiel des debilen Killers innerhalb des Hauses, in welchem sich die fröhliche Cindy so gut aufgehoben fühlt. Ebenso tiefschwarze Einblicke werden gelegentlich gewährt, wenn wir den Strippenzieher an seinem Monitor sichten dürfen, der ganz nebenbei noch andere Perversitäten laufen hat.

Perez erschafft zwar nie wirkliche Spannungsmomente, und wirkliches Unbehagen teilt man mit der Protagonistin eher bei der Irrfahrt im Nirgendwo auf der Suche nach ihrer Arbeitsstelle, nie bangt man jedoch um ihr Wohlergehen im Haus angekommen. Dennoch unterhält der Film angenehm, eben auch weil wir im Gegensatz zu Cindy eingeweiht sind. Die entscheidende Wende, leider verursacht durch einen etwas arg ungünstig ins Geschehen geschriebenen Polizisten, leitet Cindys Begreifen ein, womit aber auch direkt das Finale beginnt. Sie hat somit nicht, wie klassische Scream-Queens dieser Art Film, zunächst einiges zu verarbeiten, zu vermuten und sich zu ängstigen, bevor sie sich gegen ihre Peiniger hoch rappeln muss. Und selbst im (weit weniger als erwartet blutigen) Finale ist nichts so wie im typischen Slasher. Actionmomente mixen sich mit der Verfolgungsjagd des debilen, maskierten Killers, der anbei sowohl optisch zu überzeugen weiß, als auch schauspielerisch überzeugend genug verkörpert wird, und nicht derart a-sexuell ausgefallen ist wie im Genre üblich. Das Ende des Films kommt überraschend und plötzlich und beantwortet nicht alle Fragen, bzw. erzählt nicht jedes hier vorgeführte Schicksal zu Ende, was aber zu gefallen weiß, selbst dann wenn es 1 Jahr später nicht zur ersten Fortsetzung gekommen wäre. 

Ebenso wie an manch anderer Stelle des Streifens, baut ein solcher Trumpf auf einer schwächelnden Grundlage auf. Aber das ist okay, "The Asylum Killer" (Alternativtitel) ist ohnehin nur deswegen so charmant ausgefallen, weil man ihm auf sein Produktionsniveau betrachtet nicht viel zutraut. Das Ergebnis ist schlicht und wird nur bei Vielsehern wie meiner Wenigkeit Freunde finden. Aber es ist schön zu sehen, dass ein Werk wie dieses seine Vorbilder nicht einzig lahm kopiert und sich auch einmal Zeit für die (trotzdem oberflächlich ausgefallene) Charakterzeichnung der Hauptfigur nimmt. Auch dass die üblichen Stationen einer solchen Geschichte nicht nur stumpf nachgespielt werden, sondern mit zusätzlichen Ideen angereichert werden, weiß zu gefallen. So erfährt "Playing with Dolls" selbst im Finale noch eine weitere Komödien-artige, aber nicht lächerlich wirkende Szene, von der man nicht weiß ob sie absichtlich humoristisch sein soll oder ernst gemeint ist: unsere Heldin tastet sich nach einer Auseinandersetzung mit dem Killer in einem kurzen Anflug von Blindheit versehentlich ausgerechnet in Richtung des ohnmächtig gewordenen Mörders, bemerkt dies freilich erst mit Berühren seines Körpers und läuft dann aufgeschreckt los, nur um blind gegen einen Ast zu krachen. Es liegt an der verspielten Art des Streifens, dass der Film auch in diesen Momenten wirkt, ohne zur unfreiwillig komischen Lachnummer zu verkommen. Ganz im Gegenteil unterstreicht ein solcher Moment den verspielten Stil eines Streifens, der weniger plump ausgefallen ist als viele andere Jason-Imitate ähnlichem Produktionsniveaus.  OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen