Mittwoch, 22. August 2012

SAND SHARKS (2011 Mark Atkins)


Der ewig verschuldete Jimmy Green kehrt auf seine Heimatinsel zurück, um ein großes Beach-Festival zu planen. Zu dumm, dass gerade jetzt Haie auftauchen, die sich im Sand fortbewegen...


Sand da, Maria...

In Zeiten, in denen selbst unbekannter, charmanter Schund wie „Die Teufelsbestie“ und „Der Zauberbogen“ auf DVD erscheinen, gibt es für den Fan alternativer Unterhaltung allerhand zu entdecken. Die „Killer Klowns From Outer Space“ haben ihre deutsche Veröffentlichung erhalten, der „Octaman“ erlebte eine seiner wenigen Wiederauferstehungen auf DVD in Good Old Germany, und kürzlich schaffte es gar der längst vergessene „Die Nacht der Zombies“ auf die silbernen Scheiben. Dass die alten Schinken wieder ausgebuddelt werden, muss nicht verwundern, sind inmitten der Neuerscheinungen doch mehr skurrile Schrottwerke mit am Start als noch zu VHS-Zeiten. Und neben solch beknackter Ideen wie ein umherwandernder, mordender Autoreifen („Rubber“) und diversen Kreaturen-Zusammentreffen wie „Alien vs. Zombies“ und „Aliens vs. Avatars“, ist es in erster Linie der Sektor der Tier-Horrorfilme, der den Fans zur Zeit den meisten Schund präsentiert.

Neben den Alligatoren und Spinnen gehören zu den häufigsten Tierarten dieses Sub-Genres die Haie, und in dieser Nische sucht man immer wieder neue Herausforderungen, um die immergleiche Geschichte mit einem anderen Aufhänger zu präsentieren. B-Movie-Legende Roger Corman schickte den „Sharktopus“ ins Rennen, basierend auf den Italo-Klassiker "Monster Shark", während die Asylum-Schmiede uns den „2-Headed-Shark Attack“ bescherte. Meist steckt der Fernsehsender Sy Fy hinter solchen Veröffentlichungen, und so ist es auch beim hier besprochenen „Sand Sharks“ der Fall, der von allen kürzlich erschienenden Produktionen zum Thema Killerhaie wohl die gewagteste Idee präsentiert: die Viecher „schwimmen“ diesmal im Sand.

Nach einer sinnvollen biologischen Erklärung muss man da gar nicht erst Ausschau halten, wie im Schundsektor üblich wird uns aber zumindest eine sehr dämliche präsentiert. Über die freut man sich dann so wie über den Rest, denn „Sand Sharks“ ist endlich mal wieder ein Hai-Film geworden, der richtig Laune macht. Im Gegensatz zu solchen Perlen wie „Mega Piranha“ muss man auch nicht mehr darüber nachgrübeln wie ernst die Produzenten ihr eigenes Projekt nehmen, denn der Horrorbeitrag um die im Sand jagenden Killer ist reichhaltig gefüllt mit freiwilliger Komik, was nicht nur auf stille, augenzwinkernde Art geschieht, sondern auch in manchen geradezu komödiantischen Szenen sehr offensichtlich wird.

Gerade die Rolle von Ex-“Parker Lewis“ Corin Nemec steht für besagte Komik, könnte ferner einer glaubhaften Charakterisierung nicht sein und ist auch genau so gewollt. Was tat es gut Nemec endlich mal wieder herumblödeln zu sehen, wie einst in seiner alten Teenie-Serie, die ihn damals zum Jung-Star in Amerika machte. In B-Film-Kreisen fiel er bislang eher negativ in fragwürdigen wie langweiligen Rollen auf, z.B. in „Raging Sharks“, nun ist der Scientologe für seine letzten existierenden Fans mal wieder sehenswert vertreten, was mitunter daran liegen mag, dass er als Co-Produzent zusätzlich an „Sand Sharks“ beteiligt war.

Die Regie übernahm Mark Atkins, der mit so üblen Werken wie „Halloween Night“ nicht gerade die positivsten Erwartungen auf „Sand Sharks“ schürte, aber wie gesagt macht der Film Laune, zumal er ein wenig an den beliebten und besseren „Tremors - Im Land der Raketenwürmer“ ebenso erinnert wie an den 80er Jahre-Beitrag „Horror am Strand“. In beiden Filmen machten unterirdisch hausende Tiere Jagd auf Menschen.

Dass man sich inhaltlich auf das gängige Erzählmuster des Hai-Horrors verlässt, ist nicht nur offensichtlich, sondern auch durch lustige Verweise auf den Urgroß-Vater dieser Werke, „Der weiße Hai“, geradezu provoziert. Zwar parodiert man nicht alles 1 zu 1 wie in „Ratom - Klingen aus Stahl“, in welchem der Strand gegen einen Golfplatz und der Hai gegen einen Rasenmäher ausgetauscht wurde, aber die Parallelen sind dennoch deutlich eingebracht und häufig vorhanden. Die abgewandeltste Anspielung findet in jener Szene statt, in welcher der falsche Hai gefangen wird. Hier wird nicht nur Spielbergs Streifen aus den 70er Jahren zitiert, hier bekommt auch gleich die komplette C-Movie-Industrie vergleichbarer Werke wie „Sand Sharks“ ihr Fett weg, Filmtitel teilweise namentlich ebenso genannt wie Roger Corman, so dass neben Selbstironie und Fremdparodie auch der Respekt vor den Vorbildern deutlich wird.

„Sand Sharks“ ist eine Billigproduktion mit mageren CGI-Effekten, da muss man sich nichts vormachen. Aber er ist auf seine komplette Laufzeit gesehen kurzweilig erzählt, ein Ziel das selbst „Sharktopus“ und „Mega Piranha“ auf ihre Gesamtlaufzeit gesehen nicht erreicht haben, und weiß durch seine belustigende Art jegliche Ärgernisse über Bord zu werfen.

Werke wie „Skeleton Man“ und „Waldile - Der schlimme Killer-Hund“ versuchten dies ebenfalls auf humoristischem Wege und scheiterten. Das Rezept der Belustigung macht ein kurzweiliges Ergebnis, wie die Beispiele zeigen, nicht automatisch zu einer einfacheren Methode unterhaltsamen Schund zu kreieren als der ernste Sektor. Aber Atkins weiß wie er zu seinem Ziel kommt, hält Horror mit Komik immer im Gleichgewicht, rutscht nur selten in unfreiwillig komische Momente ab, da er immer wieder deutlich macht wie bewusst den Beteiligten der Nonsensgehalt ist und mixt einige wenige neue Ideen mit allerhand obligatorischer Klischees. Selbst das Ausschütten blutiger Köder darf in der Sandversion nicht fehlen, und wird in seiner geradezu offensichtlichen Unsinnigkeit rein der Provokation wegen eingebracht, gehört dieses Element doch zu den meist kritisiertesten Dingen eines Hai-Horrors, wenn es um das Thema Logik geht.

Vergleicht man „Sand Sharks“ mit der Asylum-Konkurrenz („Mega Shark vs. Giant Octopus“, „King Of The Lost World“, etc), ist die billige Computeranimation im hier besprochenen Werk brauchbarer ein- und umgesetzt. Die Preisgünstigkeit ist nicht zu ignorieren, stößt aber aus irgendwelchen Gründen nicht so sauer auf wie bei den Vergleichsfilmen. Verglichen mit Werken wie „Sharktopus“ und „Ice Spiders“ stinkt die Optik in „Sand Sharks“ wiederum ab, obwohl auch die beiden gerade erwähnten Filme nicht zu den Hochleistungen der Computeranimation im Kreaturenbereich gehören. Wer gute CGI sucht, sollte lieber zu „Rogue“ und Co greifen. Am wirksamsten waren aber ohnehin immer Filme mit handgefertigten Modellen, eine fast ausgestorbene Effektgattung im B- und C-Movie-Bereich.

Das Glück für den Zuschauer ist einfach, dass „Sand Sharks“ sich nicht ausschließlich auf seiner ausgeflippten Kreaturen-Idee ausruht (und damit einhergehend nicht nur auf die Computereffekte setzt), wie so viele Konkurrenzfilme, sondern auch seine Geschichte mit Nichtigkeiten zu bereichern weiß, ohne dadurch gleich zu einem innovativen Produkt zu werden. Vergleichbar ist er in seiner Kurzweiligkeit und in seinem Anspruch wohl am ehesten mit „Frankenfish“. Allerdings bot dieser eine wesentlich bessere Optik.


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