Donnerstag, 6. September 2012

ABOMINABLE (2006 Ryan Schifrin)


Ein Rollstuhlfahrer sichtet an einem Waldgebiet eine übergroße, yetiähnliche Kreatur, die es vorzugsweise auf die Mädels von der Blockhütte von gegenüber abgesehen hat...


Aus der Muppet Show entlaufen...

„Abominable“ entpuppte sich zu meiner Überraschung als spaßiges Horrorfilmchen für zwischendurch. Die Geschichte um ein yetiähnliches Wesen wird etwas im Stil von „Das Fenster zum Hof“ erzählt, was einige Vorteile aufweist. Zum einen hätten wir da die Hilflosigkeit der im Rollstuhl sitzenden Hauptperson, dessen Pfleger ihm kein Wort glaubt. Zum anderen stehen dank dieser Erzählweise die erwachsenen Figuren im Vordergrund. Die im Genre zwingend scheinenden Teenierollen sind jene, die von der erwachsenen Hauptfigur beobachtet werden. Der Zuschauer bekommt sie, ähnlich wie der Held, nur mit Abstand präsentiert, was das eher untalentierte Spiel der Kreischgirls wesentlich erträglicher macht.

Dass bei dieser Voyeurnummer auch eine Nacktszene nicht fehlen darf ist klar. Dass ausgerechnet die unattraktivste Dame die Hüllen fallen lässt, ist dafür um so untypischer. Die bekannteren Namen aus dem Filmgeschäft, als da wären Jeffrey Combs aus „Re-Animator“, Paul Gleason aus „Der Frühstücksclub“ und Lance Henriksen aus „Aliens - Die Rückkehr“, haben sehr kleine Rollen erwicht, spielen diese aber unterhaltsam und nicht pflichtgemäß gelangweilt. Ohnehin haben sie nette Szenen ergattert. Henriksen darf z.B. nebenbei vom Darwin Award berichten, einer realen Auszeichnung, bei welcher jene geehrt werden, die auf besonders dumme Art gestorben sind.

So lustig gehen die Tode in „Abominable“ nicht vonstatten. Für einen derart kleinen, braven Routinehorror überrascht er dafür hin und wieder mit dem sehr blutigen Ableben seiner Figuren. Am übelsten trifft es hierbei den besagten Pfleger. Ihm wird die vordere Hälfte des Kopfes mit nur einem Happs abgebissen. Hierbei sieht man den kompletten Biss ebenso, wie den Leichnam mit halben Kopf, der zu Boden geschleudert wird.

Das Monster selbst ist so eine halbgare Sache. Von weitem wirkt es, und von nahem gefilmt hängt seine Wirkung von seinen Bewegungen ab. Da gibt es einige Kopf- und Bauchbewegungen, welche das Monster wie aus der „Muppet Show“ entlaufen wirken lassen. Andere Nahaufnahmen haben wiederum sehr wohl Potential. Manchmal macht das Gesicht der Kreatur einen zu steifen Eindruck, manchmal kommt es überzeugend rüber. Das Biest selbst ist sehr groß, und einem gelungenen Schlussgag sei dank, der den Ami bei seinem Tunnelblickdenken entlarvt, erfahren wir auch, warum es so viel frisst. Das Fressverhalten hätte ansonsten sehr unlogisch gewirkt, aber mit Unlogiken wird man in „Abominable“ ausnahmsweise ohnehin nicht zu sehr zugeschmissen. Dies ist für einen US-Horrorfilm dieses Produktionsniveaus eher selten.

Das Finale geht flott vonstatten, ist aber etwas schwächer umgesetzt als der Rest des Streifens. Mitunter liegt dies daran, dass eines der Teen-Girls nun mit in den Vordergrund rückt und schauspielerisch nicht mit dem Rest mithalten kann. Sie spielt nicht völlig untalentiert, aber nun einmal deutlich schwächer. Auch atmosphärisch lässt der Film im letzten Drittel etwas nach, dafür ist die Art, wie die Bestie ihren Tod findet, nett gewählt. Die ersten 60 Minuten sind im Vergleich zur finalen halben Stunde jedoch wesentlich spannender ausgefallen. Aber bei einem Film dieser Art ist es ohnehin erfreulich überhaupt einen funktionierenden Spannungsbogen geboten zu bekommen.

Dies ist der erste gelungene Yeti-Horror, den ich bisher sichten durfte. Und es ist schön mitzuerleben, wie eine solche Geschichte einmal halbwegs spannend und mit einem halbwegs wirksamen Monster erzählt wird. Und noch positiver überrascht ist man dann, wenn die Figuren zum Großteil nachvollziehbar handeln und deren Darsteller mimisch zu überzeugen wissen. Für den Horrorfreund, der mal wieder das kleine Filmchen für zwischendurch benötigt, sei dieser B-Movie also wärmstens ans Herz gelegt.


Trailer,   OFDb

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