Mittwoch, 10. Oktober 2012

GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK. - DER FALL MCCARTHY (Good Night, And Good Luck. 2005 George Clooney)


Der Journalist Murrow thematisiert in den 50er Jahren in seiner TV-Sendung das zweifelhafte Treiben des Senators McCarthy, der auf undemokratischem Wege nach Kommunisten in den USA gesucht hat...


Ein Kämpfer für die Freiheit...

Schauspieler und Produzent George Clooney ist dafür bekannt sein Geld von Blockbuster-Erfolgen in Independent-Filme zu stecken, die geistreicher sind und nicht allein der Unterhaltung dienen sollen. In „Good Night, And Good Luck.“ übernahm er gleich die Regie, und um noch einmal deutlich zu machen, dass es hier um eine höhere Sache und nicht um ihn als Star geht, spielte er selbst nur eine kleinere Rolle, in welcher er zwar viel Screentime abbekommt, jedoch so zurückhaltend agiert, dass er fast irrelevant wirkt.

Clooney war dieses Projekt scheinbar sehr wichtig, denn im kompletten Film kann man bemerken, mit wie viel Respekt und Ruhe er die wahre Geschichte erzählt, die zum Sturz des Senators McCarthy führte. Das mag eine Spur zu extrem angegangen sein. Zwar schaut sich der Film keinesfalls uninteressant oder schlecht inszeniert. Die Erzählung bleibt immer sachlich, lässt jedoch keinen Raum für Nebenplots, die einem die Figuren näher bringen würden. Das ist auch nicht zwingend nötig, hätte aber dennoch zu einem besseres Ergebnis verhelfen können.

„Good Night, And Good Luck.“ ist kein schlechter Film, nicht einmal Mittelmaß, aber er wirkt ein wenig zu sehr abgefilmt, auch wenn man den Aspekt der Zurückhaltung und sachlichen Wiedergabe der vergangenen Geschehnisse durchaus als lobenswert bezeichnen kann, ja geradezu als vorbildlich verglichen mit der üblichen Herangehensweise amerikanischer Dramen.

Der Film lässt in seiner Besetzung nichts zu wünschen übrig. Das Bild ist in angenehmen Schwarz/weiß gehalten, was nicht nur ein Stilmittel ist, um sich von großen Kinoprojekten zu distanzieren, sondern auch den Kniff unterstützt, dass die wenigen Auftritte McCarthys im Original gezeigt werden können und nicht von einem Schauspieler geleistet werden. Das unterstreicht die Authentizität des Streifens.

Dass Clooney dieses Thema nicht allein der amerikanischen Vergangenheitsbewältigung wegen wählte, dürfte offensichtlich sein. Berichtet er doch von dem Versuch eines wahnsinnigen Mannes, der unter der Ausrede die Demokratie zu schützen ihr stark schadet. Clooney erkannte die Parallelen zu der Vorgehensweise des zur Entstehungszeit des Filmes amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush und wollte mit seinem Film die müden Geister der Gegenwart wecken, vielleicht auch die wachen Geister dieser Zeit bestätigen, um zu signalisieren: ihr seid mit eurem Denken nicht allein.

Wandte sich die Rolle Kevin Costners in Oliver Stones „JFK“ in einer kurzen Szene noch mit Blickkontakt direkt an das Publikum, um es daran zu erinnern, dass ein jeder die Demokratie erhalten sollte, so ist dies in Clooney Werk gar nicht nötig. Gezeigt wird recht wenig vom Senator, viel mehr konzentriert man sich in dem Drama auf Journalist Murrow, der seine Monologe hält, die schon damals ans Publikum vor dem Fernsehschirm gerichtet waren. So muss gar nicht erst getrickst werden, um den Zuschauer des Kinofilmes zu erreichen, der den durchdachten, kritischen Worten Murrows auf gleiche Art begegnen muss/darf.

Wenn Clooney sein Anliegen umlenkt, um auf die Fehler der amerikanischen TV-Nutzung aufmerksam zu machen und zu zeigen, womit diese bereits begonnen haben und wie die Alternativen aussehen könnten, darf man erneut einen Monolog Murrows hören, diesmal jedoch in einer Ansprache statt in seiner TV-Sendung. Der Effekt den Zuschauer von heute dabei zu erreichen bleibt jedoch der selbe.

In Zeiten von Sicherheitswahn, Terroristen-Hysterie, freiwilliger Aufgabe von Freiheiten und geistloser Lebensweisen ist „Good Night, And Good Luck.“ ein mutiger Film. Dass er sich jeglichem reißerischen Moment verweigert und selbst in seinem positiven Schluss-Ergebnis McCarthy betreffend einem Happy End aus dem Weg geht, unterstreicht diesen Mut und das Engagement Clooneys. Etwas weniger Ehrfurcht hätte dem Film jedoch noch den letzten Schliff zum großen Event bescheren können. Nicht dass die Themen des Streifens diese Ehrfurcht nicht verdient hätten, sie hemmten Clooney scheinbar jedoch ein wenig in seiner Umsetzung. Nur ein wenig...


Trailer,   OFDb

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