Mittwoch, 10. Oktober 2012

MONSTER FROM GREEN HELL (1958 Kenneth G. Crane)


Ein Raketentest läuft nicht so wie gewollt, sie kommt vom Kurs ab. Die Lokalisierung ergibt, dass sie in Afrika heruntergekommen ist, in einer Gegend welche die Ortsansässigen als "Grüne Hölle" bezeichnen. Von dort sind seit kurzer Zeit allerhand Tiere geflüchtet. Eingeborene sprechen gar von einer großen Kreatur, die dort ihr Unwesen treibt. Ein Forscherteam bricht auf, um herauszufinden was es damit auf sich hat und stößt auf einen Schwarm Riesenwespen...


Nicht in Deutschland erschienene Monsterfilme Teil 2011...

Und wieder einmal wagte ich mich an einen der unendlich vielen Tiermutations-Filme, diesmal aus den Tiefen der 50er Jahre. Ein halbes Jahrzehnt lang wurde man in amerikanischen Kinos nun bereits mit diversen Monstern erschreckt und das ein oder andere mal sicherlich eher belustigt. Letztgenannte Wirkung wird nach dem Vorübergehen eines halben Jahrhunderts freilich enorm verstärkt, mal zu Recht, mal zu Unrecht. Und „Monster From Green Hell“ ist ein solcher Kandidat in Reinkultur, wenn auch nicht ohne Lichtblicke.

Zunächst einmal darf ich erfreut verkünden, dass man eines der Ungeheuer bereits innerhalb der ersten 10 Minuten sichten darf. Hier wird man nicht ewig hingehalten, und das frühe Zeigen der Kreatur spricht zudem zwischen den Zeilen eine Warnung aus: Vorsicht! Erwartet bloß nicht zu viel! Hat man auch vorher nicht, immerhin sind die Schauspieler mal wieder unteres Mittelmaß. Nachdem einem die erste Riesenwespe vorgesetzt wurde, weiß man nun aber, dass auch der Monsterpart nur unter Trashaspekten funktionieren wird.

Da sieht man sie also, diese Riesenwespe, einmal seitlich, so dass Mitarbeiter sie auf der Rückseite bewegen konnten, einmal ihre vordere Hälfte (die hintere Hälfte, die lediglich aus attrappeschiebenden Helfern bestehen dürfte, versteckt hinter einem Gebüsch). Rein optisch wirkt sie wie ein Insektenroboter, soll aber biologisch sein. Und ihre Art lässt sich vom Hingucken auch nicht bestimmen. Dieses Vieh könnte so ziemlich jedes Insekt sein, eine Wespe, ein Käfer, von der Flügelgröße vielleicht sogar eher eine Hummel oder „Elliott, das Schmunzelmonster“. Im ernst, diese Flügel sind das unglaublichste an dem mutierten Stück Wespe. Sie sind winzigklein und zappeln sehr zaghaft. Das sieht witzig aus, wirkt in keinem Moment echt/glaubhaft und könnte mit der dort gezeigten Kraft nicht einmal eine Maus zum Fliegen bringen, geschweige denn diesen urgroßen Körper der Wespe.

Wie groß der nun ist lässt sich nur schwer einordnen. Mal so groß wie ein Elefant, mal erhebt sich ein solches Vieh überdimensional vor der kompletten Landschaft auf Dinogröße. Das mag vielleicht auch an der Population liegen. Eine einzelne Riesenwespe wäre sicherlich schwer zu erklären gewesen. Also existiert in diesem Film glücklicher Weise gleich einen kompletter Schwarm, vielleicht gibt es also verschieden große Exemplare. Meist sieht man ein einzelnes Tier im Einsatz, erst gegen Ende werden mehrere zugleich gezeigt, dann aber nur im Nest sitzend und die Flügelchen bewegend. Ach wie niedlich...

Könnte aber auf Schundniveau funktionieren, wenn, ja wenn da nicht die Filmmitte wäre, in welcher man begann „Monster From Green Hell“ unnötig zu strecken. Die Gefahren des Buschs wurden durch diverse „Tarzan“-Filme und Konkurrenten bereits ausreichend beleuchtet, nicht aber in den Augen der Produzenten dieses Streifens. Also dürfen wir die Helden vor ihrer Ankunft in der Green Hell bei einer endlosen Buschwanderung beobachten. Dunkelheit, Gewitter und Vollmond sind zwar als klassische Gruselmomente enthalten, werden aber entweder nie wirksam eingefangen, oder gar ignoriert. Hier darf mal ein Löwe durchs Bild huschen, da darf man mal die Botanik bewundern. Wenn man sich gerade mit einer möglich aufkommenden Langeweile abgefunden hat, geht plötzlich die Post ab. Ein Stamm Wilder greift die Amis und ihre Begleiter an. Das ist für eine Billigproduktion aus dieser Zeit flott umgesetzt. Archivmaterial zeigt uns eine große Gruppe schwarzer Statisten. Das geborgte Material wird dabei so gut in den Film eingebaut, dass man glauben könnte, die Szenen wären direkt für "Monster From Green Hell" gedreht worden. Auf beiden Seiten wird mit unterschiedlichen Waffen geschossen, treffen tut jeder Schuss, egal von wem. Alles Profis, trotz damals nicht vorhandener Baller-Telespiele!

Es dauert, bis wieder Wespenzeit ist, aber sie kommt. Sind die Tiere nicht im Bild, wird mit anderen Mitteln gearbeitet. So kündigt beispielsweise ein Summen häufig den Angriff einer Wespe an. Dieses Summen klingt immer wieder unterschiedlich, mal wie ein Rasenmäher, mal wie der kaputte „Motor“ Liebellchens aus „Bernard und Bianca“. Klar dass dieser Zustand wieder einmal den Spaß an der unfreiwilligen Komik erhöht, ich könnte mir aber auch vorstellen, dass dieser Effekt manch naive Person der 50er vielleicht sogar in einen Angstzustand versetzt haben mag. Unsere Wespen sind z.B. auch nachts unterwegs, und da könnte es Leichtbesaiteten schon gruselig werden.

Ein weiteres Stilmittel ist eine gar nicht mal so schlechte Idee im Umgang mit der Kamera. Recht häufig werden die Personen am unteren Bildrand gezeigt, so dass der Rest der Landschaft/des Himmels großzügig Platz im Bild finden. Bei solchen Aufnahmen vermutet man automatisch das Auftauchen der Ungeheuer – nettes Spiel mit dem Zuschauer sei Dank tritt dies jedoch nicht immer ein. Das hält den Filmkonsument bei der Stange, das ist wirklich gut zu nennen in einem Film, der das Wohlgefühl des Cineasten eigentlich nur mit unfreiwilliger Komik füttert.

Richtig konfus wird es gegen Ende, wenn den Viechern der Kampf angesagt wird. Ich werde nun spoilern, aber folgendes muss ich einfach verraten: Der Mensch bringt nicht den Sieg herbei. Hier erleben wir eine Art „Krieg der Welten“-Finale, vielleicht auch als Gottes Rache zu interpretieren. Kein Wunder dass der sich einmischt, sind unsere Helden doch sogar blöd genug weder einen echten Plan zu haben, noch sich aus unnötigen Gefahren und Problemen herauszuhalten. Dass man sich zum Schutz vor einer Bestie beispielsweise in einer Höhle den Ausgang zusprengt ist nur die witzigste dieser Idiotien. Was dies bedeuten könnte zeigte Jahrzehnte später „The Descent“, in den 50ern hält man sich mit einer solchen Gefahr nicht lange auf, und so finden unsere Helden auch recht schnell und ereignislos einen anderen Ausgang.

Also, es wird witzig, leider unterbrochen von geschätzten 25 – 30 wespenfreien Minuten, die nur bedingt zu unterhalten wissen. Die Story ist bekloppt wie in den meisten Monsterfilm-Fällen. Hin und wieder wird man mit Kenntnissen über Wespen überrascht (Königin, etc.), wenn auch nicht auf gleichem Niveau wie bei „Formicula“. Dann wiederum wird es gerne mal unsinnig wegen Vermenschlichung der Rieseninsekten, wie z.B. im Bewegen der Facetten-Augen zum seitlichen Sehen (ich lach mich weg!).

Für Trashfreunde weiß der Film zu unterhalten, Cineasten mit Blick auf tricktechnische Möglichkeiten werden enttäuscht. Es finden zwar nicht nur die im Review erwähnten Attrappentricks statt, doch auch Stopmotion, Monster ins Bild kopieren und Bildüberblenden sind nicht der Rede wert und eher mau umgesetzt. Gerade Letztgenanntes enttäuscht stark als Effekt für die Vernichtung der Tiere, da hätte man sich doch lieber etwas richtiges für das Auge gewünscht. Das Töten von Menschen wird auch nie gezeigt, dafür darf man einmal sichten, wie eine Wespe einer Schlange das Lebenslicht raubt. Es ist also genug Material vorhanden, um die kurze Laufzeit von knapp über 70 Minuten zu überstehen. Allerdings habe ich auch aus Trashsicht schon unterhaltsamere Beiträge aus dieser Filmrichtung erleben dürfen.


Trailer,   OFDb

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