Samstag, 22. Dezember 2012

BRAINDEAD (1992 Peter Jackson)


Im Zoo wird die Mutter des ödipalen Lionel von einer seltenen Tierart gebissen. Nun verwandelt sie sich in einen Zombie. Der treue Sohn versucht sein bestes sie zu verstecken. Doch da der Biss eines Zombies ansteckend ist, versteckt er bald eine ganze Gruppe Untoter. Ein raffgieriger Onkel und die junge Liebe zu einer Wahrsagerin verschlimmern die ohnehin schon chaotische Lage noch mehr...


Blutroter Humor...

Mit "Braindead" verstärkte Peter Jackson das in "Bad Taste" von ihm entwickelte und selbstbetitelte Subgenre des Splatstick. Da der Nachfolgefilm noch einen wesentlichen Grad härter war als sein Vorgänger mit den bösen Aliens, ist "Braindead" quasi konkurrenzlos. Genau das ist es, was den Film so kultig macht. Kultig bedeutet jedoch nicht zwangsweise, dass etwas super ist. Ich verstehe zwar den Hype um diesen kleinen Film, mehr als Mittelmaß kann ich in ihm allerdings nicht erkennen.

Der Film trumpft genau in dem Punkt, in dem auch gut über ihn berichtet wird: den makaberen blutigen Witzchen. Darin ist er wirklich originell, und ein lautes Lachen wird sich keiner verkneifen können, wenn man nicht gerade zu den arg konservativen Menschen gehört. Da sind unglaubliche Ideen eingearbeitet. Zu meinen Lieblingen gehört die komplette "Zombie-Baby im Park"-Szene, die Art einen Zombie zu füttern, wenn diesem ständig der Kopf nach hinten klappt, die endlos lange Rasenmäherszene und das Puddingessen. Da gab es noch einiges mehr zu lachen, aber man kann sich diesen Wahnsinn nicht komplett merken, was ein zweites Gucken trotz Mittelmaß durchaus anregend macht.

Eine meiner Meinung nach sehr gute Idee wurde leider nicht so toll umgesetzt. Und das war die wirklich fiese Idee der Aufforderung der mutierten Riesenmutti an ihren Sohn, nun wieder zurück in ihren Bauch zu kommen. Das wäre schon hart an der Würggrenze bei einer nichtmutierten Mutter, so ist es das ganze schon hoch zehn.

Wo mit Blut gearbeitet wird, da schreien die Sittenwächter auf. Wegen des Humors wird diese Diskussion bei "Braindead" nicht so laut geführt wie bei anderen, harmloseren, ernsten Werken. Diese Grundhaltung ist schon etwas bedenklich. Zeigt ein Film eine blutige Szene im ernsten Rahmen, die dadurch näher an der Realität sein könnte, wird geschnitten und diskutiert. Ausgerechnet wenn man sich über derart extrem abartige Dinge amüsiert, wird ein Auge zugedrückt. Das ist ungefähr so heuchlerisch wie die Grundhaltung der Amerikaner gegenüber Gewaltszenen im Vergleich zu Oben-ohne-Szenen. Nun, letztendlich soll es mir egal sein. In meinen Augen entmündigen Sittenwächter den erwachsenen Menschen, und ich mag die Komik von "Braindead".

Das blutig chaotische Treiben in seiner aufgeblähten Extreme ist also der Pluspunkt des Films und gleichzeitig das, was ihn innerhalb kürzester Zeit zum Kultfilm machte. Was mir allerdings fehlte war die Seele des Films. In der deutschen Fassung ist sie überhaupt nicht vorhanden, hier erlebt man dank einer viel zu kühl geratenen Synchronisation ein atmosphärisch leeres Werk, bei dem man immer auf den nächsten Ekeleffekt wartet um was zu lachen zu haben. Nein, es ist keine dieser Porno-Synchros, es ist aber eine, die einen immer wieder aus dem Film rauswirft, weil man mit den Figuren einfach nicht warm wird. So guckt sich "Braindead" im Original wesentlich besser.

Doch auch hier will der letzte Schritt zum Im-Film-einfühlen einfach nicht geschehen. Klar erleben wir comichaft übertriebene Charaktere, die zudem comichaft übertrieben handeln, aber der Funke will einfach zu mir, dem Zuschauer, nicht überspringen. Vielen wird es egal sein, bei anderen mag der Funke angekommen sein, ich frage mich allerdings wie das geschehen ist. Die Rolle des Ash in "Tanz der Teufel 2" ist einem trotz ähnlicher Charakteristiken wesentlich näher, mitunter auch weil man sich trotz all seiner Idiotie und Fragwürdigkeit mit ihm identifizieren kann. Mit der Hauptrolle aus "Braindead" kann man das nicht wirklich. Den Film umweht die ganze Zeit die Kühle die Lionels Elternhaus ausmachte und die ihn zu dem machte was er nun ist. Was wie ein guter Regiekniff klingt, ist leider nur das unnötige Verpuffen der benötigten Wohlfühl-Atmosphäre zum Eintauchen ins Filmgeschehen.

Der Hype, der um Peter Jackson als Regisseur gemacht wird, ist mir ebenso fremd wie der Hype um Steven Spielberg und Tom Cruise. Jacksons Filme sind grundsätzlich guckbar, machen auch Spaß. Und sein bestes Werk hat er in meinen Augen mit "The Frighteners" abgeliefert und selbst der steht auf wackeligen Beinen. Ein richtig guter Regisseur wird mir durch seine Arbeiten nicht offenbart. Aber auch Jackson lernte dazu, und rein regietechnisch erkennt man von Film zu Film Fortschritte. Die Wirkung seiner Werke ist dennoch in seiner Qualität sehr unterschiedlich. Und der Witz bei "Braindead" ist der, dass er auf Amateurfilm-Basis vielleicht sogar gelungener geworden wäre als er es in dieser richtigen Produktion mit größerer Regieerfahrung geworden ist. Diesen Amateurbonus hat aber nun mal nur der Vorgänger "Bad Taste".

Was "Braindead" fehlt ist eine richtige Geschichte. Das was man hier sieht ist die Hülle einer Story mit guten Elementen. Das Ödipusthema wirkt ebenso positiv wie das Experimentieren mit der Zombiethematik. Allein dass Untote Sex haben ist eine interessante Idee, die z.B. in "Porno Holocaust" durch zu langweiliger sexueller Provokation komplett in den Sand gesetzt wurde. Auch der Frage wie man eine Hand voll Zombies sicher verstecken kann, bzw. ob man dies überhaupt kann, wird interessant nachgegangen. Das ist einer der wenigen Punkte, die sich auch auf den Zuschauer gekonnt übertragen. Letzten Endes führen diese ganzen wunderbaren Ideen aber nirgendwo hin.

Am Ende wird die Schlachtplatte ausgebreitet, alles wird niedergemetzelt, schräge Ideen reihen sich aneinander, man lacht sich kaputt, aber irgendwann ist der Film vorbei und ein Gefühl von Leere bleibt zurück. Der Film ist wie ein überdimensionaler Road-Runner-Sketch. Über die Witzchen dort würde man auf Spielfilmformat auch nicht mehr lachen können, bzw. man könnte noch über die besonders gelungenen Witzchen lachen, wäre aber auch erschöpft weil es einfach kein Ende nehmen will. Und der Zuschauer wäre nicht gefordert, wegen einer zu geringen Geschichte ohne echte Rollenidentifikation. Und genau so ergeht es mir mit "Braindead".

Super lustig, aber arg ermüdend! Wären die Figuren etwas griffiger, wäre eine bessere Geschichte drum herum eigentlich kaum noch nötig. Aber beides zusammen zu vernachlässigen, lässt das eigentlich so innovative Werk dann doch nur wieder mittelmäßig wirken. Das finde ich sehr schade. 


Trailer,   OFDb 

Kommentare:

  1. Eine sehr treffende Rezension. Ich denke auch, dass Braindead in erster Linie wegen dem doch eher extremen Humor (einer meiner Faves waren die kriechenden Zombiehoden *örks*) und natürlich wegen des Blutgehaltes so einen Erfolg hatte. Ich denke mal, dass er auch in einigen Jahren immer noch der perfekte Partyfilm für Splatterfreaks sein wird, bei uns war er meistens die "Hintergrundbeleuchtung" zu unseren Halloween-Parties ;-). Ein bisschen hatte ich den Eindruck, dass der Film für Jackson eine Art Spielwiese gewesen ist, in der er seine Ideen und Vorlieben einfach mal ausgelebt hat.

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    1. Da gehe ich stark von aus. Im Gegensatz zu Großproduktionen, wo ewig Produzenten mitreden möchten, konnte er sich hier noch richtig austoben, und das mit finanziell besserem Hintergrund als in "Bad Taste" oder "Meet The Feebles". Da gebe ich Dir vollkommen recht.

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  2. Ich kann diese Rezension (vor allem was das Ende anbelangt) nicht wirklich unterstreichen. Gerade die Figuren in diesem Film sind der absolute Oberkracher. Mehr Charakterzeichnung in einem Trashfilm dieser Gattung ist gar nicht mehr möglich. Wer jedoch mehr Drama braucht sollte sich Filme von Lars von Trier angucken. Braindead hat so ziemlich alles richtig gemacht und ist nicht umsonst bis heute noch immer die absolute Nummer 1 im Party-Splattergenre aber es muss auch halt immer Leute geben die etwas zu meckern haben.

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    1. Der Aspekt mit dem immer was zu meckern haben ging mir auch grad durch den Kopf, als ich Deine Schwarz/weiß-Malerei gelesen habe. Schon mal was von Graustufen gehört? Als habe Anspruch, Tiefe und Psychologie nur was mit Drama zu tun! Wer sich nur berieseln lassen mag, bitte sehr! Aber für den geistlosen "ich guck mir nen Film an, geil, und jetzt vergesse ich ihn wieder für den nächsten geilen Film"-Konsumenten brauch ich keine Filmbesprechungen schreiben. Die schreibe ich für Filmfreunde, die auch reflektieren wollen was sie sehen.

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  3. Na sei mir nicht böse aber im Falle von Braindead muss man sowas nicht bekritteln weil dieser Film will auch nix anderes sein als ein Partykracher. Wer hier nach Anspruch sucht und das als negativ bewertet versucht auch bei den Teletubbies ne Story zu finden. Ich selbst bin auch ein kritischer Mensch aber es würde mir im Traum nicht einfallen bei Braindead nach oscarreifer Charaktertiefe zu suchen. Sorry will Dich nicht von der Seite anpissen sondern nur ein wenig diskutieren. Vielleicht drücke ich manches zu hart aus aber das sollte man auf keinen Fall persönlich sehen. Ich gucke hier auf Deine Seite regelmässig rein und fühle mich hier ansonsten prächtig unterhalten.

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    1. O.k., es las sich tatsächlich etwas hart, um so schöner dass Du für Aufklärung sorgst. Dann weiß ich das in Zukunft. :)
      Um Charaktertiefe gehts mir bei Braindead ebenso wenig, aber die Charaktere müssen zumindest funktionieren. Und dafür ist mir die komplette Umsetzung, wie typisch für Peter Jackson, einfach zu steril geraten. Die blutigen Partyszenen sind wirklich klasse und verleiten des öfteren zum lauten Lachen. Aber wenn man wie ich mit den Figuren nichts anfangen kann, nutzt das auch nicht mehr viel.

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