Freitag, 7. Dezember 2012

THE CALL 2 (Chakushin ari 2 2005 Renpei Tsukamoto)


Wieder klingeln die Handys, und wieder ist man 3 Tage, nachdem man seinen eigenen Todesschrei hören durfte, nicht mehr unter den Lebenden. Diesmal haben die Opfer jedoch kein Bonbon im Mund. Was ist der neue Hintergrund der neuen Spukwelle?...


Wer sagt dass Routine nicht gruselt...

Was unterscheidet den ersten vom zweiten Teil? Relativ wenig! Zunächst einmal die freudige Nachricht: Wer Teil 1 mochte, sollte eigentlich auch nichts am zweiten zu meckern haben. Klar hat die Fortsetzung deutliche Mängel, aber das war ja bereits im Vorgänger so.

Diese Mängel hängen mit der Erklärungssehnsucht der Verantwortlichen für diese Filme zusammen. Die ohnehin schon konfuse und wirre Logik des Erstlings wird erweitert, und statt Klarsicht für den Zuschauer kommen nur weitere Unlogiken auf. Das „The Call“-Universum versucht zwar innerhalb seiner Geschichte eine eigene Logik zu verfolgen, so wie es Coscarelli mit seiner „Phantasm“-Reihe versuchte und teilweise gelang, das „The Call“-Universum fällt allerdings schon bei jedem zweiten Denkschritt zusammen. Der erste Schritt mag zunächst immer konsequent klingen (Staub in der Lunge wegen Kohlemine, Handyanrufe durch Antennenmast am Todesort, ...), die Erklärung für naheliegende Geschehnisse widersprechen sich aber immer wieder spätestens mit dem etwas weiterliegenden Rahmen der Gesamtsituation. So etwas ist sehr unbefriedigend, zumal es nicht nötig war.

„The Call 2“ orientiert sich wieder mal an den berühmten Vorgängern „Ring“ und „The Grudge - Der Fluch“. Von letzterem wurde sehr dreist die Treppenszene (schlechter) kopiert, die Geistereinsätze sind dem „The Grudge“ auch eher nachempfunden als „Ring“. Da fragt man sich doch, warum der hier besprochene Film nicht auch im Bereich der Erklärungen sein großes Vorbild nachahmte. Dieses versuchte nämlich gar nicht erst alles groß zu erklären. Man legte die Geschehnisse mehr im Bereich des nicht hinterfragten Mystischen an, und das hat die Vorlage so gelungen gemacht. Bei dieser Herangehensweise wird es zwar immer wieder wütende Cineasten geben, die nach Erklärungen lechzen, ich denke aber mal dass das unausgesprochen Mystische wesentlich mehr fesselt, als Erklärungen, die nicht nur nicht befriedigen, sondern zudem Lücken hinterlassen.

So könnte „The Call 2“ nun mittelmäßige, magere Durchschnittsware sein, wie ich einleitend aber bereits geschrieben habe, hat Teil 2 eigentlich nichts, was Teil 1 nicht auch hätte. Und das betrifft nun mal auch den Spannungsbogen, der wieder einmal hoch angesiedelt ist. Was man sichtet ist gruselig, und diesmal bleibt es auch Richtung Finale so. Auch hier lässt der Film wieder etwas nach, ein etwas niedriger angelegter Spannungsbogen bleibt allerdings erhalten.

Das Mädchen im Koffer, bzw. ohnehin alle Szenen, in denen das Mädchengesicht aus dem Dunkeln erscheint, ist unglaublich spannend umgesetzt. Um so erstaunlicher, dass gerade gegen Ende des öfteren solche Szenen zu früh abgebrochen werden. Da erscheint der Geist, und noch bevor man das furchteinflößende Gesicht sichtet, kommt der Szenenwechsel. Wäre dies die ganze Zeit so präsentiert, wäre dies sehr unbefriedigend gewesen. Die Todesarten schwanken zwischen spektakulär und unspektakulär, mit die schönste Idee dürfte wohl der unförmige Tod in der Badewanne sein.

Die Story wird ein wenig erweitert. Wahrscheinlich wollte man vermeiden, dass Teil 2 eine reine Kopie des Originals wird, die kleinen Veränderungen lassen das gewollte Vermeiden allerdings nicht zu, dafür sind sie zu banal. Im Negativbereich wäre zu nennen, dass den Neuheiten, bzw. den Erweiterungen, Ideen aus Teil 1 geopfert wurden. So wird z.B. die Schluss-Szene des ersten völlig anders interpretiert, als er uns zu diesem Zeitpunkt noch vorgesetzt wurde. Interpretiert ist hierbei vielleicht das falsche Wort, vielmehr müsste man sagen, dass Teil 2 in diesem Bereich mit einer halbgaren Ausrede arbeitet. Auf der positiven Seite ist ein Storyumschwung zu nennen, der sich zwar etwas zu deutlich (und auch nicht wirklich nachvollziehbar) bei einem Geisterfilm mit Bruce Willis bedient, dafür aber mit diesem Klau auch zu überraschen weiß.

Im Endeffekt haben wir wieder einmal einen gruseligen Geisterfilm, der sicherlich nichts für schreckhafte Persönchen ist, und der sein volles Potential wegen mangelnder Logik, bzw. zu vieler (und falscher) Erklärungsversuche, leider verschenkt. Zum Glück ist beim Gucken selbst die Gruselstimmung erst einmal wichtiger als die Logik (und man muss es ja auch als Lob der Reihe sehen, dass sie trotz der Unlogiken gruselig bleibt, das ist ja immerhin in dieser Extreme nur selten der Fall), deswegen macht das Gucken trotz der Schwachpunkte immerhin noch richtig Spaß. 


Trailer,   OFDb

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