Freitag, 7. Dezember 2012

THE CALL (Chakushin ari 2003 Takashi Miike)


Im Mund vermeintlicher Selbstmörder findet sich ein Bonbon. Wie sich herausstellt bekamen alle Opfer einen Anruf aus dem Jenseits. Am Handy hörten sie ihren eigenen Todesschrei. Nun ist dies auch Yumi passiert, doch sie versucht den Hintergrund der mysteriösen Tode zu erforschen, in der Hoffnung zu überleben...


Verflucht! Es macht Ring...

Und wieder einmal sichtete ich einen asiatischen Gruselfilm, der, wie sollte es auch anders sein, schamlos in der Welle von „Ring“, „The Eye“, „The Grudge - Der Fluch“, „Dark Water“ und wie sie auch alle heißen mögen mitschwimmt. Gruselmomente in dunklen Räumen und Geistererscheinungen in Form von jungen Personen, die in überraschendsten Winkeln urplötzlich aus dem düsteren Nichts erscheinen, sind dabei die deutlichsten Übereinstimmungen zu dem derzeit beliebten Asia-Geisterfilmbereich. So etwas muss man schon gut einfangen, solche Szenen sind immer ein Balance-Akt zwischen unheimlichstem Grusel und Lächerlichkeit. Und ich weiß nicht wie es die Japaner immer wieder machen, aber sie schaffen es. Auch in „The Call“ weiß sich das Grauen auf den Zuschauer zu übertragen, man darf sich munter gruseln lassen. Zuschauer mit schwachen Nerven werden des öfteren zusammenzucken.

Dabei schien es zunächst einmal gar nicht dazu zu kommen. Denn „The Call“ beginnt erschreckend gewöhnlich. Die Geschichte wird etwas zu fade eingefangen, die Schauspieler wirken etwas unmotiviert, Grusel will nicht aufkommen. Doch nach einer etwas zu routinierten halben Stunde geht es dafür richtig los.

Die Story erzählt im groben das, was man bei einer solchen Geschichte halt vermutet, überrascht aber auch gerne mit Kleinigkeiten, wie der für einen Gruselfilm recht gewagten Idee, eines der nächsten potentiellen Opfer zur angekündigten Todeszeit ins Fernsehen zu stellen. Nun ist der Geist in aller Munde, zuvor war er es nur unter Schülern und Hinterbliebenen der Opfer.

Leider wird aber auch genau dieser Gedanke nicht weiter fortgesetzt. In aller Ruhe erforscht unsere Heldin die Spukhintergründe, kein Reporter belästigt sie mehr. Die Menschen gehen ihrem normalen Alltag nach, obwohl sie schreckliches im TV mit ansehen mussten. Zumindest in der Fortsetzung wünsche ich mir da etwas mehr Vertiefung in die in Teil 1 vermisste Richtung. Die Fernsehsendung müsste zumindest erwähnt werden. Man könnte Spötter einbauen, die eh alles für einen reißerischen TV-Fake halten, andere werden dem Thema Geister nun sicherlich aufgeschlossener gegenüber stehen (was im Vergleich zu unserer Kultur bei den Japanern ja ohnehin öfter der Fall ist).

Aber nun gut, im ersten „The Call“ soll es zumindest nicht geschehen, immerhin geht es dafür weiter gruselig zur Sache, auch wenn der Spannungsgehalt etwa in den letzen 15 Minuten ziemlich nachlässt. Ab dort werden nämlich die Erklärungen der ohnehin arg konstruierten Geschichte ziemlich konfus. Krampfhaft will man Logik ins Geisterverhalten hineindichten, übersieht dabei aber dass es 1. überhaupt nicht nötig ist, wo Spuk doch gerade wegen der uns unbekannten Gesetze so faszinierend ist, und es 2. ziemlich lächerlich und damit unbefriedigend ist, was einem hier so aufgetischt wird. Zwar wird lobenswert mit dem vielen sicherlich unbekannten „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“ gespielt, man wird bewusst in die Irre geführt, aber der ganze Erklärungshickhack führt letzten Endes zu nichts, aus mangelnder Logik wird mangelnde Logik.

Wenn die Erklärung schon wenig Sinn macht oder zu viele weitere Fragen aufwirft, dann hätte man die Geschichte auch gleich so wirr lassen können, wie sie zuvor war. Lediglich die Erklärung zum Bonbon im Mund kann man als recht pfiffig betrachten.

Also: Ein etwas mauer Anfang, ein etwas zu gewolltes Ende, mittendrin aber Gruselstimmung der Extraklasse, kurzweilige Unterhaltung, wenn insgesamt auch etwas zu konstruiert.


Trailer,   OFDb

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