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Samstag, 2. November 2013

CURSE OF CHUCKY (2013 Don Mancini)


Als die Familie nach dem Tod der Mutter im Elternhaus zusammen kommt, schenkt eine im Rollstuhl sitzende Frau ihrer Nichte eine Puppe, die kurz zuvor versehentlich per Post ankam, obwohl sie niemand bestellt hatte. Als sich Zufälle, Missgeschicke und mit der Zeit sogar Todesfälle häufen, fragt sich die gute Frau ob dies an Chucky liegen kann, wie sich das sprechende Spielzeug selbst nennt...


Charles Lee Ray lässt das Morden nicht...

Es ist im Horror-Genre Standard dass sich Geschichten häufig wiederholen, den immergleichen Mustern folgen und der Horror-Fan sogar geradezu nach dieser Routine lechzt. Dennoch war es in Horror-Reihen immer so, dass in Fortsetzungen mit Variationen des eigentlichen Stoffes gespielt wurde, und mögen diese noch so minimal sein. Ein kleiner Unterschied zu den Vorgängern im ansonsten gleichen Muster tut meist Not, erst recht wenn in ersten Fortsetzungen der Unterschied lediglich in der höheren Opferanzahl zu finden war. Ob ein Jason plötzlich gegen eine paranormal begabte Gegnerin kämpfen musste, oder sogar im Weltraum, ob Freddy wiederkehren konnte im Wachzustand, da er über die Träume eines Ungeborenen ein Hintertürchen fand, oder ob Michael Myers plötzlich Werkzeug eines ominösen Geheimbundes war, Serientraditionen mussten gebrochen werden, damit der Fan das ansonsten immergleiche Muster schluckt.

Deswegen war es nach dem festgefahrenen Teil 3 der „Chucky“-Reihe eine durchaus lohnenswerte Idee zu anderen Ufern zu schwimmen und mit „Chucky und seine Braut“ eine Horror-Komödie abzuliefern. Das ist kein großer Geistesblitz, sondern ganz im Gegenteil eine naheliegende Idee in einer Reihe um eine sprücheklopfende Killerpuppe, aber in gewisser Weise konsequent. Mit „Chuckys Baby“ glitt man gar in noch groteskere und extremere Bereiche der Komik, so dass ein Punkt erreicht war, der bei weiterer Überspitzung nicht mehr treffsicher gewesen wäre. Von daher braucht es einen nicht zu wundern, dass man mit „Curse Of Chucky“, dem nun mehr sechsten Teil der in den 80er Jahren gestarteten Reihe, zurück zu den Wurzeln wollte. Meine Diagnose: damit kann man es aber auch übertreiben.

Während die eigentliche Geschichte immer wieder deutlich macht, dass man Teil der kompletten Reihe sein will, was man an den vielen Anspielungen erkennt, die auf so ziemlich jeden Vorgänger verweisen, macht die Inszenierung den Eindruck Neulingen der Reihe gefallen zu wollen. In einer dankenswerter Weise klassischen Erzählform, weit weg von der Hektik und den Pflichten heutiger Horrorfilme, geht man so viele Schritte zurück, dass man den Film aus der Erwartungshaltung eines Neulings erzählt. Man tut geradezu so, als ob die Vorgänger unbekannt währen, so sehr setzt man die Szenen mit ihrer Erwartungshaltung auf null, was für den langjährigen Freund der Reihe bedeutet, dass alles nach Erwartung überraschungsfrei verläuft, so als habe man den Kompromiss zwischen Neuverfilmung und Fortsetzung versucht. Aber so ein Balance-Akt funktioniert nicht, beides auf einmal ist einfach nicht drin. Ein Entweder/Oder wäre besser gewesen.

Zumindest bereitet es Freude Chucky mal wieder im klassischen Outfit zu erleben, was mir persönlich sehr entgegen kam, war ich doch kein Fan des auf cool getrimmten Narbengesichtes der humorvollen Vorbilder. Im Finale ist es aber auch damit vorbei, was aber egal ist, da der Hauptteil des Streifens somit auf Chuckys klassischen Look setzt. Mit der Mimik des Spielzeugs pendelt man zwischen neuen Variationen und Altbewährtem hin und her, was in der Regel auch zu wirken weiß. Selbst die Art wie Chucky sich fortbewegt ist an den alten Filmen orientiert, und dass obwohl die Tricktechnik mittlerweile eine völlig andere ist.

Die Geschichte selbst und ihre Örtlichkeit, ein altes, großes Haus (geradezu klassisch wie manch andere Elemente: die Spinnweben, die böse Schwester, der festsitzende Fahrstuhl,...), erinnern weniger an einen professionellen „Chucky“-Film als vielmehr an die von Chuckys Erfolgen miternährten „Puppet Master“-Filme aus der Charles Band-Schmiede. Genau wie dort hangelt man sich in trockener Atmosphäre von einem Klischee überraschungsfrei zum nächsten, darauf bedacht Spannung zu erzeugen, was nicht funktionieren kann, wenn keine innovativen Ideen mit an Bord sind. Das ist somit ein „Chucky“-Film ohne große Ansprüche an sich selbst, lediglich besser als der sehr mittelmäßige Teil 3, aber leider doch nur auf dem Niveau der besseren Beiträge der Killerpuppen-Filme von Charles Band.

Waren diese direkt für den Videomarkt produziert, so erdreistet sich „Curse Of Chucky“ dieses Niveau auf die große Leinwand nieder zu lassen. Und dort wird man wahrscheinlich noch enttäuschter gewesen sein als ich, der sich zu Haus mit der erstandenen DVD den Film im Player zu Gemüte führte. Allerdings sprechen wir hier trotz alledem von einer Enttäuschung auf hohem Niveau, denn auch ich gehöre zu der Gruppe der Horror-Fans und wie eingangs erwähnt fressen diese die immergleiche wiederkehrende Scheiße, und mit Abstand betrachtet ist „Curse Of Chucky“ zumindest solide erzählt, gut gespielt und mit Verweisen auf die Vorgänger versehen, ein immer gern gesehener Bonus für Fans einer Reihe.

Dennoch wagt es Regisseur Don Mancini, der nicht nur auch den Vorgänger inszenierte, sondern seit 1988 von Teil 1 an für die Drehbücher der Reihe verantwortlich war, lediglich seinen ersten Streich, der in Deutschland zunächst unter dem Titel „Die Mörderpuppe“ erschien, wiederzukäuen, ohne dem Szenario neue Seiten abzugewinnen. Nach der eigentlichen Geschichte hetzt man zudem noch von Szene zu Szene, um den Film um einige weitere Ideen zu erweitern, was gar nicht nötig gewesen wäre, so schön wie die wenig überraschende Schluss-Pointe im Gerichtssaal inszeniert ist.

„Curse Of Chucky“ lässt sich für den Vielseher des Genres durchaus gucken. Dennoch darf man überrascht sein, dass der ernste Ansatz zurück zu den Wurzeln niveauloser ausgefallen ist, als das Party-taugliche Herumblödeln der beiden Vorgänger. Das Gegenteil sollte eigentlich der Fall sein. Teil 6 fühlt sich leerer an als seine Vorgänger, was daran liegen kann, dass Chucky diesmal kaum wahre Motivationen für seine Taten hat, außer das Töten selbst. Erst sehr spät wird seinem Tun ein Hintergrund beschert und damit eine Absicht aufgezeigt, zu dumm dass diese zu spät kommt und zudem nicht gerade überzeugend eingebracht wurde.

Wie auch immer, Neueinsteigern wird der sechste Teil sicherlich besser gefallen als dem Dauergast der Reihe, aber auch der wird ordentlich genug unterhalten, immer gerade am Rande der Langeweile vorbeigeschwappt. Das ist kein großes Ergebnis, aber immerhin ein kleiner Verzehr für den Hunger zwischen den Mahlzeiten. Im Original wird sich „Curse Of Chucky“ übrigens besser gucken, die Synchronstimme von Chucky ist nicht gerade die beste, und das obwohl professionell nachvertont wurde.


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