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Sonntag, 23. März 2014

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 1 (House Of Cards 2013 David Fincher u.a.)


Der Kongressabgeordnete Underwood erhält nicht wie versprochen den Posten des Außenministers nach gewonnener Wahl, also heckt er einen hinterlistigen Plan aus, um sich innerhalb der eigenen Reihen zu rächen...


Machtspiele...

Die auf einer 90er Jahre Mini-Serie basierende Serie „House Of Cards“ ist gerade zu Beginn keine leichte Kost, kommt die erste Folge doch sowohl etwas wackelig als auch etwas umständlich daher. Der Charakter des Underwood bekommt zu extreme Sprüche in den Mund gelegt, die ihn als Schurke kennzeichnen sollen, die Begebenheiten werden recht kopflastig abgearbeitet, und da nebenbei noch die Charaktere ein wenig zu kurz kommen, bzw. eher die Identifikation mit ihnen, startet die Serie derart schwierig durch, dass manch einer vielleicht danach schon ungeduldig das Handtuch wirft.

Das wäre allerdings schade, denn was der ersten Episode folgt ist eine rundum gelungene Serie, die sich, im Gegenteil zur Vorlage, dem dramatischen Bereich der Geschichte widmet. Zwar ist das Ergebnis nicht so gut ausgefallen wie bei „Dexter“ und „Breaking Bad“, aber auch „House Of Cards“ ist gehobene TV-Unterhaltung jenseits des Fernseh-Niveaus unseres Landes. Für eine professionelle Umsetzung sorgen die Produzenten Kevin Spacey und David Fincher, die nicht die einzigen prominenten Teilnehmer dieser Politserie sind. Auch Regisseur Joel Schumacher lässt es sich nicht nehmen mit Hand an zu legen, und Robin Wright, die Jenny aus „Forrest Gump“, spielt an der Seite von Spacey.

Sympathiefiguren gibt es nicht. Das ist auch gar nicht gewollt. Und wie Underwoods exakter Plan aussieht erfahren wir auch nicht. Wir bekommen ihn Häppchen-weise mit, mal kurz vorher aufgeklärt, mal erst hinterher begreifend. Und ein gutes Drehbuch sei Dank kommt die Rache schleichend, Schritt für Schritt. Beweisen die Verantwortlichen damit Mut zur Ruhe, überraschen sie auf der anderen Seite mit Charakterentwicklungen von Randfiguren, die in anderen Serien über mehrere Staffeln stattgefunden hätten. Damit verlieren die Figuren jedoch nicht ihre Glaubwürdigkeit, und das Tempo auf der einen Seite, unterstützt die ruhige Hand auf der anderen.

Politik und Intrigen, da rutscht man schnell ins Klischee ab. Davon kann sich „House Of Cards“ auch sicherlich nicht freisprechen, aber es ist auch ein in Klischees schwimmender Beruf um den es hier geht, und die Korruption amerikanischer Politik ist ja nun tatsächlich in eine extreme abgerutscht, die keine Satire mehr toppen könnte. Von daher wirkt „House Of Cards“ trotz der anvisierten Bösartigkeit doch immer recht authentisch, was zum souveränen Look, den die Serie in ihrem Stil ausstrahlt, wunderbar passt.

Während die erste Hälfte der ersten Staffel sich schon fast wie die Taten eines Superhelden schaut, der allem Kommenden einen Schritt voraus ist, lernen wir zur zweiten Hälfte der Serie die menschliche Seite Underwoods kennen, die selbstverständlich selbst nicht frei von Fehlschlägen ist. So kommt es immer wieder mal zu Änderungen ursprünglicher Pläne, und die können, wie sich gerade zum Ende hin zeigt, auch mal recht düster ausfallen, düsterer als man es dem Schurken zugetraut hätte.

„House Of Cards“ bleibt also bis zum Schluss überraschend, bietet eine interessante Geschichte, die in mehreren Erzählsträngen gehalten ist und wird unterstützt von Profis ihres Fachs. Ob das nun die Darsteller, die Regie, die Verantwortlichen der Optik sind oder der Komponist des Titelliedes, ein Song der in seiner unterkühlten Art sehr gut zur Psychologie der Serie passt: die Chemie weiß zu stimmen. Also: einmal die erste Folge überstehen, und einer guten gehobenen TV-Unterhaltung steht nichts im Weg.


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