Samstag, 10. Mai 2014

BAD MILO! (2013 Jacob Vaughan)


Duncan hat es mit dem Magen. Da er sich im Alltag nie zur Wehr setzt und immer alles in sich reinfrisst, hat sich ein Wesen in ihm entwickelt, das ihm aus dem Arsch kriecht um all jene zu töten, die Duncan verärgern. Der Mann versucht sich mit seinem inneren Dämon anzufreunden, um dies künftig zu verhindern...


Ein Freund für‘n Arsch...

Auf dem deutschen DVD-Cover wird der Inhalt des Streifens so angekündigt, als ob man mit dem wunderbaren Klischee aus dem Mittelalter spiele, dass die Quacksalberei, man wäre bei Magenverstimmung in Wirklichkeit von einem Dämonen besessen, sich als Wahrheit entpuppt. In welcher Zeit wäre eine solche Story wohl besser aufgehoben gewesen als in der heutigen, wo vermeintlich aufgeklärte Menschen gerne wieder Religion mit Medizin kreuzen, um auf Humbug a la Homöopathie, Pendel schwingen und Wundersteinchen hereinzufallen? Das klingt reizvoll, das war es was mich zu dieser Horror-Komödie lockte.

Aber leider ist der Inhalt von „Bad Milo“ wesentlich analfixierter umgesetzt, als vermutet. Zunächst ist Milo kein Dämon, sondern eine Art Geschwür das sich selbstständig macht („The Abomination“ lässt grüßen). Das Vieh selbst sieht wie eine Kreuzung aus dem hässlichen, ledernen Stofftier-E.T. und einem von Charles Bands „Ghoulies“ aus (ein Film an dem man sich auf dem Rückcover orientiert, wenn Milo aus der Kloschüssel schaut, eine Szene die in „Bad Milo“ nicht enthalten ist). Milo lebt im Inneren seines Wirtes („Elmer“ lässt grüßen) und nutzt dessen Arsch als Ein- und Ausgang.

Die Charakterzeichnung lässt zunächst Gutes vermuten. In einer „Willard“-ähnlichen Grundsituation wird Hauptcharakter Duncan herrlich rückgratlos dargestellt, umgeben von Egoisten mit Ausnahme seiner ihm liebenden Freundin. Mit Luke Wilson wäre Duncan perfekt besetzt gewesen. Ken Marino erledigt seinen Job jedoch auch sehr witzig und erinnert hin und wieder an Matthew Perrys witziges Spiel der beiden „Keine halben Sachen“-Filme. Das Drehbuch erzählt seine Geschichte überspitzt, lässt Duncan auf eine Comicwelt los noch bevor von Milo überhaupt die Rede ist und weiß mit herrlich nerdigen, absichtlichen Trash-Dialogen zu gefallen. Auch die Situationskomik stimmt. Alles scheint für einen kleinen B-Film-Ausflug zu passen.

Wenn Milo auf der Bildfläche erscheint, lässt „Bad Milo“ jedoch immer mehr zu wünschen übrig. Das Vieh, das lobenswerter Weise mal klassisch zusammengeschustert wurde und nicht per CGI integriert, ist optisch eine Spur zu brav ausgefallen. Wirklich gefallen hat mir das Vieh nicht. Wie Duncan mit der neuen Situation umgeht und wie ihm sein Therapeut dabei hilft, ist leider recht ideenlos erzählt. Und die Witze rücken viel zu vermehrt Richtung Fäkal- und Analwitzchen, so dass die anfängliche Begeisterung sich recht schnell in eine ernüchternde Stimmung wandelte. „Bad Milo“ lässt sich gucken, wirklich frech wird er jedoch nie, einzigartig schon mal gar nicht und um Kult werden zu können biedert er sich dem alternativen Massengeschmack in Sachen Komik zu sehr an.

Auch das Finale ist in meinen Augen unbefriedigend ausgefallen. Hier hätte man ruhig eine Spur gefühlvoller vorgehen können, im Stil angelehnt an Joe Dantes Horror-Komödien. Das hätte den anarchischen Kern, der sich mit der Zeit ohnehin immer mehr auflöst, sicherlich nicht geschadet. Am Ende ist „Bad Milo“ einfach ein zu herzloses Stück Film, dem die Sympathie alter 80er Jahre-Werke fehlt, auf die seine Erschaffer zu schielen scheinen. Nicht dass „Bad Milo“ kein Schritt in die richtige Richtung wäre, aber er ist nicht konsequent genug umgesetzt um im Zuschauer ein Interesse zu wecken, sich zukünftig aktuelle Kinofilme im 80er Jahre Popkorn-Stil zu wünschen. Ironischer Weise hat „Monster - Der Horror einer Stadt“ diesen Nerv trotz Computeranimation viel eher getroffen. Ob ein solches Ziel von Regisseur Jacob Vaughan im hier besprochenen Streifen überhaupt je erwünscht war, ist aber ohnehin bloß reine Spekulation.


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