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Mittwoch, 7. Mai 2014

THE HUNT - MENSCHENJAGD (The Hunt 2012 Thomas Szczepanski)


Alex braucht dringend eine reißerische Story um seinen Job bei einem Schundblatt nicht zu verlieren. Per Zufall gerät er an einen Geheimclub für Reiche, die des Spaßes wegen Jagd auf Menschen machen...


Auf der Jagd eine Jagd entdeckt...

Die in Billigfilmen des öfteren erzählte Geschichte von Jägern, die gelangweilt vom immergleichen Opfer auf die Jagd nach Menschen umschwenken, begann wahrscheinlich mit dem Horror-Klassiker „Graf Zaroff“, und der dürfte wohl noch immer die beste Verfilmung zu diesem Stoff darstellen, verstand man dort doch noch die Psychologie der Thematik, dass der zivilisierte Bürger zu Vieh degradiert wurde. Spätere Stoffe wie „Naked Fear“ und „Spiel gegen den Tod“ nutzten die Thematik lediglich als Aufhänger um einen anspruchslosen Reißer auf den Markt zu werfen. Wirklich geglückt war keiner von denen die ich kenne. Eins aber vereinte sie neben der Jagd nach Menschen alle: ständig wurden diese Werke aus der Sicht des Opfers erzählt, das sich plötzlich in der Rolle des Gejagten wiederfindet. „The Hunt“ ist zumindest in diesem Punkt anders.

In einer amerikanischen Produktion würde ich mir von einer Neuorientierung der Hauptfigur zu diesem Thema keine sonderlichen Hoffnungen auf einen besseren Film machen. Kommt ein solcher Streifen jedoch aus Europa, im hier vorliegenden Falle speziell aus der Schweiz, werde ich neugierig, hat man hier auf diesem Kontinent doch noch Mut zu Experimenten und eine Achtung vor dem geistigen Zustand des Zuschauers. Der ist zwar auch hier in „The Hunt“ nicht völlig flöten gegangen, ein Paradebeispiel für mein Lob europäischer Filmproduktionen ist er aber bei weitem nicht. Er ist völlig anders aufgezogen als die typische US-Erzählung auf dem DVD-Markt, leider kann aber auch Regisseur Thomas Szczepanski nicht der Versuchung widerstehen immer wieder auf all zu reißerische Bereiche abzurutschen.

„The Hunt“ ist wie erwähnt nicht aus Opfersicht erzählt. Dies ist er lediglich ganz zu Anfang, wenn uns eine Eingangssequenz bereits über Dinge aufklärt, die besser erst einmal im Dunkeln geblieben wären. Aus dem Blickwinkel eines Täters wird die Geschichte aber auch nicht angegangen. „The Hunt“ ist aus der Perspektive eines Mannes erzählt, der per Zufall Jäger in diesem menschenverachtenden Spiel wird. Er gibt sich als jemand anders aus, da er auf der Suche nach einer Story für ein Schundheftchen ist. Er weiß dass hier irgend etwas zwielichtiges läuft, hätte aber nie mit den Abgründen gerechnet, auf die er tatsächlich stößt. Nun ist er ein Jäger und darf nicht auffallen. Viele Möglichkeiten für eine tiefsinnige Erzählung wären da geboten. „The Hunt“ hangelt sich jedoch immer am einfachsten Erzählweg entlang, bleibt fast ausschließlich überraschungsfrei und auch immer auf Schonkurs mit den Nerven des Zuschauers.

Nicht dass man nicht um Alex bangt, aber letztendlich ist seine Figur zu brav gezeichnet, was im Widerspruch zu seiner reuelosen beruflischen Tätigkeit steht. Nie muss Alex all zu große Grenzen überschreiten, um lebend aus der Situation heraus zu kommen. Logisch, er wird zum Mörder, aber wie Good Old Schwarzenegger meuchelt er nur die Bösen. „The Hunt“ rutscht Alex betreffend nie in fragwürdige Handlungsweisen die Stoff zum Diskutieren bieten würden. Man merkt nur dass Mr. Sensationsgeil sich im Netz einer Spinne befindet. Er ist ein Verräter, und als solcher muss er logischer Weise irgendwann auffliegen. Es sei denn eine Fluchtmöglichkeit käme dem zuvor.

Schnell wird klar dass die eigentlich interessante Grundlage lediglich zum Abarbeiten Altbewährtem genutzt wird. Lediglich der etwas ungewöhnliche Erzählstil lässt „The Hunt“ nicht völlig routiniert schauen. Neben einem sehr plötzlichen Perspektivwechsel im letzten Drittel des Streifens fällt in erster Linie die europäische Nüchternheit der Erzählung auf, die im vollkommenen Widerspruch zur angewendeten und eigentlich US-typischen Unart steht, dass der Zuschauer ständig an bereits Erzähltes erinnert werden muss. Auch mancher Schnitt oder manche Erklärungsarmut von selbstverständlichen Vorkommnissen, die der Zuschauer einfach zu verstehen hat, lassen den Thriller recht europäisch schauen.

Leider ist die Geschichte nicht richtig durchdacht. Immer wieder kommt es zu Ungereimtheiten in der innereigenen Logik, immer wieder wird Glaubwürdigkeit für den reißerischen Effekt ignoriert. Wenn einige der maskierten Mitarbeiter des Unternehmens hungrigen Killerschweinen zum Fraß vorgeworfen werden, wird einem endgültig klar, dass hier der Pulp regieren soll und Tiefsinn nie beabsichtigt war.

Doch so viel Freude die Schweineszene auch verursachen mag und so egal es auch sein mag dass eine Geschichte wie diese nicht tiefer geht als der reißerische Urinstinkt des Kunden der nach solchen Stoffen giert, auch als reine Sinnfrei-Kost will „The Hunt“ nicht wirklich überzeugen. Dafür fehlt der wahre Thrill, die wahre Action. Hierfür hätte man näher an den Schurken der Story arbeiten müssen, den Hintergrund der Organisation vertiefen müssen oder irgend einen anderen quantitativen Sehwert ergreifen müssen, um mehr zu ernten als ein Achselzucken des Zuschauers. Leider enttäuscht selbst der Schluss.

„The Hunt - Menschenjagd“ ist also wirklich nicht der Rede wert. Sicherlich wurde ich schon oft schlechter unterhalten, der Streifen lässt sich zumindest bis zum Ende schauen. Aber letztendlich enttäuscht es zu sehr, dass die Möglichkeiten der Story nicht erkannt wurden, und dass spätestens aufgrund dessen nicht wenigstens mehr auf die Trash-Schiene gesetzt wurde. Man hat den Eindruck dass Szczepanski nie ganz wusste was er mit seinem Film eigentlich erzählen wollte. Mehr als der x-te lieblose „Graf Zaroff“-Klon sollte es wohl doch werden. Aber immer wieder wenn Anspruch oder Mut um die Ecke linsten wurde schnell die Notbremse gezogen. Da darf man sich schon zu recht fragen welches Publikum hier eigentlich anvisiert wurde.


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