Freitag, 30. Mai 2014

PACIFIC RIM (2013 Guillermo del Toro)


Soldaten in Riesenrobotern bekämpfen Klonmonster, die geschickt wurden um die Menschheit auszurotten...


Großvieh macht mehr Müll...

Blockbuster - ich stehe ihnen immer kritisch gegenüber in Zeiten in denen nur der Schauwert siegt, billigste Drehbücher als Vorlage dienen und Pathos und Kitsch die Leinwand beherrschen. Zwar gibt es Ausnahmen am Großproduktionenhimmel, wie beispielsweise „The Dark Knight“ und „Kick-Ass“, aber die meisten aufgepuschten Kino-Großereignisse richten sich an die Film-Proleten, Menschen die einzig die schnelle, geile und coole Unterhaltung suchen und jeglicher geistiger Herausforderung aus dem Weg gehen. „Pacific Rim“ ist anders, jedoch nicht auf einem Niveau mit den eben aufgezählten Ausnahme-Titeln. Regisseur Guillermo del Toro hat meiner Meinung etwas ganz anderes geschafft. Er hat ein Werk geschaffen, welches beide Fronten Zuschauer glücklich machen dürfte: das Stammpublikum des Blockbuster-Kinos und das vernachlässigte, welches sich Großproduktionen mit Magie wie einst wünscht.

Die dritte Kategorie Zuschauer, jener Kinogänger, für den es nur geistreiche Kost sein darf, bleibt freilich ausgeschlossen. Der wird hinter der hier verwendeten Geschichte aber auch nie auf die Idee kommen, dass er Zielpublikum sein dürfte. „Pacific Rim“ möchte große Kinder bedienen, Träumer, Freaks, Nerds, Phantasten und Popkorn-Cineasten. Del Toros Film soll 2 Stunden lang durchpowern, und das schafft er meiner Meinung nach ohne dabei all zu oberflächlich zu werden. Tiefgehende Charaktere hat auch „Pacific Rim“ nicht zu verzeichnen, aber sie gehen tief genug um den Zuschauer emotional an sie zu binden. Sie werden zu mehr als durch den Film stolzierende Schönlinge, wie es sie in „Transformers“ zu sichten gibt. Sie gewinnen oberflächlich an Potential, ebenso wie die Geschichte, die nie tief genug geht, es aber weiß Raum für die Phantasie des Zuschauers zu schaffen.

Hier wird nicht nur der bedient, der annimmt was der Film ihm bietet. Der Hintergrund der teilweise gar nicht mal so dümmlichen Geschichte, bietet viel Potential für Sequels, Prequels - oder eben die Phantasie des Zuschauers. Hauptaugenmerk bleiben aber freilich die bombastischen Spezialeffekte, die einen eine alberne Story im Stile vergangener „Godzilla“-Fortsetzungen auf die optisch glaubwürdigere Art servieren. Monster-Nerd-Träume umgesetzt für viele Millionen Dollar, der feuchte Traum eines jeden Freaks. Wer hätte je damit gerechnet, dass solche Storys als Großproduktion umgesetzt würden?

Und was fast noch besser wirkt als die Hai-artigen Monster und die tatsächlich wie Maschinen wirkenden Roboter ist die Animation des Wassers, die man im Griff haben muss, damit die Perfektion auf der einen Seite nicht durch ein solch unterschätztes Element zerstört wird. Das Wasser ist glaubhaft animiert. Die Roboter wirken wie aus dem Wasser entstiegen. Hier haben die Computeranimatoren wirklich hervorragende Arbeit geleistet.

Dass sich „Pacific Rim“ auf über 2 Stunden halten kann, gleicht schon einem Wunder, setzt er doch quasi im Showdown ein und hält sich dort bis zum Schluss auf. Die Dramatik läuft passabel im Hintergrund ab, die obligatorische Liebesgeschichte wird nur angedeutet und noch viel wichtiger: die selbstherrlichen Kriegsreden, die mir viele Filme mit ihrer Propaganda kaputt gemacht haben, werden hier an der kurzen Leine gehalten. „Pacific Rim“ soll Spaß machen und nicht erziehen. Und er setzt auf Werte wie Gemeinsamkeit, ohne dabei zum Kinderfilm zu verkommen - zum Kinderfilm für kleine Kinder zumindest.

In seinem eigentlichen Verlauf orientiert sich „Pacific Rim“ erstaunlich nah an den Vorbildern aus der guten alten Autokino-Monsterfilmezeit Amerikas. Das Militär schlägt die Schlacht, die Wissenschaft steht unter ihnen und ist nur Mittel zum Zweck, und der Held tritt den Monstern mal ordentlich in die Eier, Happy End nie angezweifelt. Das weiß auch ins Heute transferiert zu funktionieren, und so schafft es del Toro trotz übergroßem Budget und einem Dauerfeuerwerk an Spezialeffekten trotzdem eine Art Retrocharme zu entwickeln, etwas um das Werke wie „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ viel mehr bemüht waren als der hier besprochene Film, aber etwas das del Toro wesentlich wirkungsvoller zu meistern weiß.

„Pacific Rim“ ist die Art Kopf aus-Action, wie es sie nicht all zu oft gibt. Der Ton stimmt, der Film kaut trotz intensiver Schauwerte nicht alles vor, und die Figuren werden trotz aller Oberflächlichkeit lebendig. Die ebenso banale Geschichte schafft es, dass man sich für sie interessiert, ja sogar in sie einzutauchen weiß, und zur Belohnung gibt es an manchen Ecken und Enden einen Hauch unerwarteten Tiefsinn, der die bescheuerte Geschichte in Ansätzen cleverer macht als es zunächst scheint. Guillermo del Toro hat es damit geschafft den nach Charme und Phantasie lechzenden Popkorn-Fan ebenso zu bedienen, wie den hirnlosen Stammzuschauer im Blockbuster-Kino heutiger Tage. Danke dafür!

Kommentare:

  1. Ja, den fand ich auch wirklich toll. Mit dem Retrocharme hast du auch Recht - auch wenn ich ihn in "Sky Captain and the World of Tomorrow" dennoch noch gelungener eingesetzt fand.

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    1. Vielleicht müsste ich Sky Captain auch noch mal 'ne zweite Chance geben. Aber ich weiß noch dass der mich damals mit seinen Weichzeichner-Bildern tierisch genervt hat.

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