Samstag, 7. Juni 2014

GESCHÖPF DES SCHRECKENS (The She-Creature 1956 Edward L. Cahn)


Ein Hypnotiseur hält eine Frau in seiner Gewalt, deren Ur-Ich aus den Anfängen der Zeit er zu erwecken weiß...


Ihr erster Körper...

Es war einmal ein Mann, der als Filmschaffender billig heruntergekurbelter Werke heute von kaum wen mehr gekannt wird, obwohl er meist charmanten Schund ablieferte. Die Rede ist von Edward L. Cahn. Viele seiner Werke kamen nie nach Deutschland, dabei wusste er so manches Mal die Filmwelt zu beeinflussen, etwa wenn man die Gestalten seines „Invasion Of The Saucer Men“ mit denen von Burtons „Mars Attacks“ vergleicht. Auch sein Einfluss auf „Alien“ mit dem Science Fiction „It - The Terror From Beyond Space“ ist cineastisch anerkannt.

Er war im Bereich des Monsterfilms ein mutiger Mann, der die wildesten Story-Mixe durchführte, unsichtbare Aliens Zombies erwecken ließ ("Invisible Invaders"), den Helden eines Invasionsfilms als einzigen nicht die Außerirdischen sichten ließ ("Invasion Of The Saucer Men"), oder, wie im hier vorliegenden Fall, einen Hypnotiseur auf das Thema Reinkarnation stoßen lässt, um den ersten Körper der hypnotisierten Seele, eine monströse Ur-Frau im „Schrecken vom Amazonas“-Look, auferstehen zu lassen.

Das ist inhaltlich recht wild, typisch Cahn aber recht schlicht umgesetzt. „Geschöpf des Schreckens“, der es in Deutschland vom Kino bis hin ins öffentlich rechtliche Fernsehen geschafft hat, ist trotz seiner Ausnahme-Story ein typisches Stück Monsterfilm seiner Zeit, kein Highlight dessen, aber, typisch Cahn, angenehme Kost, auf Kurs gewollter Leichtfüßigkeit auf Geisterbahn-Niveau und dabei nie wirklich lächerlich werdend, was gerade in „The She-Creature“ (Originaltitel) ein schwieriges Unterfangen ist, so sehr er Hausmütterchen-Aberglauben Recht schenkt und esoterisch fast ertrinkt.

Aber Cahn weiß was er erzählt, spielt provokativ mit der Grundlage von Hausfrauen-Aberglauben, nutzt gerade sie für den leicht humorvollen Unterton, der einen Teil am charmanten Ergebnis von „Geschöpf des Schreckens“ ausmacht. Auch nicht zu verachten ist die Kreatur, die wie bereits erwähnt an Jack Arnolds berühmtem Monster aus der schwarzen Lagune erinnert und von Cahn gleich für zwei Filme verwendet wurde. Im Vergleich zu den vielen Gummimonstern dieses Stils aus dieser Zeit („Horror Of Party Beach“, „The Monster Of Piedras Blancas“, ...) bekommt Cahns Kreatur einen Individualitätsbonus, da es sich um ein weibliches Monster handelt und es, trotz biederer Ami-Herkunft mit einer weiblichen Oberweite ausgestattet wurde. Originell? Keineswegs! Aber sonst nie angewendet!

Sieht man einmal von den typischen Krankheiten der Autokino-Monsterfilme ab, wie dem steifen Spiel billiger Schauspieler oder dem Gegenteil, das Überagieren, weiß „Geschöpf des Schreckens“, der von Samuel Z. Arkoff produziert wurde, trotz selten eingesetzter Monsterszenen auf simpler Ebene zu gefallen. Da hätte es sicherlich das ein oder andere ewige Hypnosegeschwätz weniger geben können, aber letztendlich gehört das mit zur zentralen Thematik und wird immerhin durch sympathisch unsinnige Dialoge mit dem Gegner des wahnsinnigen Jahrmarkt-Magiers ergänzt. Und wenn sich die weibliche Opferrolle im Bann des Bösen wiederholt emotional angewidert über ihre Gefühle ihres Herren auslassen darf, dann weiß auch dies einen Film dieser klassischen Erzählweise zu bereichern.

PS: Die angebliche Neuverfilmung, die bei uns unter dem Titel "Der Todesengel aus der Tiefe" erschien, hat bis auf den Originaltitel übrigens nichts mit Cahns Werk gemein. Der handelt von einer bösartigen Meerjungfrau. Zu empfehlen ist dieser Freunden charmant-schundiger Horrorfilmchen aber auch.


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